Irgendwo auf dem Weg zwischen Nase und Bauch verreckt der Atem. Meistens bleibt die Luft im Brustraum stecken, statt dass sie den Bauch wie einen Blasebalg nach vorne bläht. Eine scheinbar einfache Aufwärmübung zur Hormonyoga-Therapie, die Energie erzeugen, den Körper aktivieren und die Eierstöcke massieren soll, kann Abhilfe schaffen. "Aber viele Frauen haben sich angewöhnt, den Bauch einzuziehen", sagt die Berliner Yogalehrerin und Buchautorin Claudia Turske.


Frauen zwischen 40 und 60 Jahren

Im Workshop sitzen zwei Dutzend Frauen zwischen 40 und 60 Jahren. Viele leiden unter Hitzewallungen und Depressionen, sie haben Migräne, schlafen schlecht und ihre Haare werden dünner. Beschwerden, die die Menopause mit ihrem sinkenden Östrogenspiegel mit sich bringt. Doch nicht jede Frau setzt auf die Einnahme von Hormontabletten, die Hormon-Ersatz-Therapie. Hormonyoga soll helfen, mehr Hormone zu produzieren. Erfunden wurde die Therapie in den 1990er-Jahren von der Brasilianerin Dinah Rodrigues. Sie empfiehlt es ab 35 Jahren, wenn die Hormonproduktion abnimmt. Messungen ergaben, dass sich die Hormonkonzentration der Probandinnen in vier Monaten um 254 Prozent erhöht hat. Wer täglich 30 bis 40 Minuten praktiziere, könne eine körperliche Verjüngung von fünf bis 15 Jahren erreichen, heißt es.


Es geht um die Atemenergie

Die Idee beim Hormonyoga ist, mit bestimmten Körperhaltungen und Atemübungen die Organe und endokrinen Drüsen, also Drüsen, die Hormone ins Blut abgeben, zu stimulieren. Die Übungen beeinflussen Eierstöcke, Schilddrüse, Hirnanhangdrüse und Nebennieren. Diese Bereiche im weiblichen Körper sind für die Hormonproduktion verantwortlich, sie heben den sinkenden Hormonspiegel mit körpereigenen Kräften wieder an. Yogalehrerin Claudia Turske berichtet von Frauen jenseits der 50, deren Menstruation beinahe zum Erliegen gekommen war. "Die mussten sich, nachdem sie mit Hormonyoga begonnen hatten, mit einer Fortsetzung ihrer Periode abfinden." Auch viele jüngere Frauen leiden unter hormoneller Unausgeglichenheit: Sie krümmen sich unter Regelschmerzen, werden von Zysten geplagt und vom prämenstruellen Syndrom gestresst. Auch an ungewollter Kinderlosigkeit sind oft die Hormone schuld.
Mit den gängigen sportlichen Yogapraktiken hat Hormonyoga nicht viel gemein. So geht es nicht darum, seinen Körper in komplizierte Stellungen zu biegen. Das Wesentliche besteht darin, die Atemenergie - Yogakenner nennen sie Pranayamas - an verschiedene Stellen des Körpers zu lenken. Die Beweglichkeit komme dann von alleine. "Hormonyoga ist wie eine warme Dusche", sagt sie, "es energetisiert."


Hitzewallungen, Depressionen, Libido ...

Bereits nach einem Wochenendworkshop spüren die Teilnehmerinnen, wie die Eierstöcke arbeiten. "Nach zwei bis drei Wochen täglichen Übens gehen die Hitzewallungen, nach drei bis vier Wochen wird die Libido gestärkt und Depressionen schwinden und nach sechs bis sieben Wochen wird der Haarausfall gestoppt", sagt Turske. Einen wissenschaftlich fundierten Beweis dafür, dass die Methode gegen Beschwerden der Menopause hilft, gibt es jedoch nicht. Viele Frauen in den Wechseljahren profitieren aber ganz allgemein von dem Gefühl, selbst etwas für sich und ihren Körper zu tun.