Viele Tipps zur richtigen Ernährung können Verbraucher getrost vergessen. Sie sind längst überholt oder haben nie gestimmt. Andere wiederum lohnt es sich zu beachten. Doch welche Ratschläge sind richtig, welche falsch? Zusammen mit Diplom-Ökotrophologin Simone Eckert vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kulmbach haben wir einige dieser vermeintlichen Tipps unter die Lupe genommen.


Zuerst können Sie hier in unserem Quiz testen, wie gut sie sich auskennen - im folgenden Text wird genauer auf die Ernährungsmythen eingegangen, aber schauen Sie erst einmal, ob Sie richtig liegen:



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Wahrheit oder Mythos: Essen wie Kaiser, König und Bettler? Am besten drei Mahlzeiten am Tag?

Spät am Abend zu essen sei kein Problem für den Körper, sagt Eckert. "Wie Sie die Kalorien aufteilen, ist dem Körper egal. Der verarbeitet das schon." Der Stoffwechsel sei vielleicht reduzierter, "aber er findet statt". "Die Energiebilanz muss stimmen - ob auf drei oder fünf Mahlzeiten aufgeteilt, ist Ihrem Körper relativ egal."


Wahrheit oder Mythos: Gibt es Salz, das gesünder ist als andere Salze?

Nein. "Chemisch läuft alles auf das Gleiche hinaus", erklärt die Expertin. "Ich bezweifle, ob manches Salz den höheren Preis wert ist. Ernährungstechnisch macht das keinen Unterschied." Wichtig sei aber, dass mit Jod angereichertes Salz im Angebot sei. Denn wenn kein Jodsalz verwendet werde, erreichten in Deutschland 96 Prozent der Männer und 97 Prozent der Frauen die Empfehlung für die Jodzufuhr nicht. "Die Problematik bei uns ist eher: zu viel Salz. Es sollte stets mäßig konsumiert werden, egal, ob aus dem Berg oder aus dem Meer."


Wahrheit oder Mythos: Gelbe Rüben sind gut für die Augen.

Gelbe Rüben, auch als Karotten bezeichnet, enthielten sogenannte Karotinoide, die ihnen die typische orange Farbe geben, erklärt Eckert. Beta-Karotin zähle zu dieser Gruppe und könne im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden.Vitamin A sei gut für die Augen, aber nur was das Hell-Dunkel-Sehen angehe. "Bei Kurzsichtigkeit hat es keine Wirkung", betont Eckert. In unseren Breiten sei ein Vitamin-A-Mangel aber selten. Also: Gelbe Rüben helfen bei einer Sehschwäche gar nichts


Wahrheit oder Mythos: Margarine ist gesünder als Butter.

"Das ist ungefähr so, als wenn man Soja- und Hähnchenschnitzel miteinander vergleichen würde", sagt Eckert. Butter sei ein relativ unbearbeitetes Produkt, habe aber im Gegensatz zu Margarine mehr gesättigte Fettsäuren, die nur in geringer Menge aufgenommen werden sollten. Margarine habe mehr ungesättigte Fettsäuren, bestehe ursprünglich aus pflanzlichen Ölen, die aber in mehreren Schritten bearbeitet und am Ende gehärtet würden. Früher seien dabei Transfettsäuren entstanden, die nicht gesund sind. "Ich möchte weder das eine noch das andere empfehlen. Margarine hat zwar aufgrund der Art von Fettsäuren die Nase vorn. Aber besser als Butter und Margarine, weil kalorienärmer, ist immer noch Frischkäse."


Wahrheit oder Mythos: Brauner Zucker ist gesünder als weißer.

Nein. Zucker ist an sich nicht gesund. "Der weiße ist einfach nur gereinigt", erklärt die Expertin.


Wahrheit oder Mythos: Pilze soll man nicht aufwärmen.

Doch! Der Ratschlag stamme noch aus einer Zeit ohne Kühlschrank, sagt Eckert. Im Wesentlichen bestünden Pilze aus Wasser und Eiweiß. Eine leicht verderbliche Kombination, in der die Eiweiße durch Sauerstoff und Bakterien zersetzt werden und sich giftige Abbauprodukte bilden können. Wärme beschleunigt diesen Prozess. "Wer die Reste von Pilzen nicht auf dem Herd stehen lässt, sondern im Kühlschrank aufbewahrt, kann sie am nächsten Tag noch essen - natürlich erhitzt!"


Wahrheit oder Mythos: Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

"Das ist ein Mythos", stellt Eckert klar. Es gebe inzwischen Studien, die belegt hätten, dass es da keinen direkten Zusammenhang gibt. Eier enthielten zwar viel Cholesterin. Richtig sei auch, dass zu viel Cholesterin Herz und Gefäße belastet. "Aber entscheidend ist, dass Eier sich eben nicht direkt auf den Cholesterinspiegel niederschlagen." Relevant sei, wie hoch die Werte sind und wie das Verhältnis des "bösen" LDL- und "guten" HDL-Cholesterins ist. Schlecht für die Cholesterinwerte seien vielmehr gesättigte Fettsäuren, die in gehärteten Fetten enthalten sind, etwa in Wurst oder Schweinebraten.


Wahrheit oder Mythos: Süßstoffe sind gefährlich!

Süßstoffe sind ein künstlich hergestelltes Produkt. Ihr Vorteil: Sie sind praktisch kalorienfrei und haben eine um ein Vielfaches höhere Süßkraft als Haushaltszucker, so dass zum Süßen nur Mengen im Milligrammbereich benötigt werden. Es gibt für Süßstoffe wie zum Beispiel Acesulfam K oder Aspartam aber eine Obergrenze, weil man nicht hundertprozentig weiß, was passieren würde, wenn man zu viel davon aufnimmt. Da fehlen noch Langzeitstudien.


Wahrheit oder Mythos: Wer sich den Bauch voll Kirschen schlägt, sollte danach kein Wasser trinken.

Blödsinn. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Hintergrund. Man kann getrost Kirschen essen und dann Wasser trinken.


Wahrheit oder Mythos: Schließt Käse den Magen?

Nein, der Magen werde nicht geschlossen, sagt Eckert. Der Spruch stamme vermutlich aus früheren Zeiten, als Käse als letzter Gang serviert wurde. Zu berücksichtigen sei aber, dass Käse durch den höheren Fettanteil eine längere Verdauung erfordere.