Wer derzeit Geld für einen späteren Hauskauf, eine größere Reise oder das Rentenalter zurücklegen will, hat es schwer: Die Zinsen in der Euro-Zone befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Die Folge: Festverzinste Angebote werfen zum Großteil weniger ab als das Geld jährlich an Wert verliert - die Inflationsrate wird in diesem Jahr voraussichtlich zwischen 1,5 und zwei Prozent betragen. Beim Festgeld müssen sich Sparer schon mindestens drei Jahre binden, um bei einzelnen Banken mehr als zwei Prozent Jahreszins zu bekommen. Ähnlich verhält es sich bei den angebotenen Sparbriefen.

Nicht viel besser sieht es auch beim Tagesgeld aus. Die Zinssätze liegen hier bei knapp mehr als einem Prozent. Es gibt zwar Ausnahmen: Doch die wenigen Anbieter, die darüber gehen, garantieren den Zinssatz nur für wenige Monate, so dass der Vorteil schnell dahin ist. Auch gelten diese Bedingungen oft nur für Neukunden. Und doch werden Verbraucher nicht völlig auf das Tagesgeld verzichten wollen - fehlen doch Anlageformen, die genau so sicher sind und bei denen das Kapital zugleich täglich verfügbar ist. Bessere Konditionen als beim klassischen Sparbuch bieten Tagesgeld-Konten ohnehin.

Um ihr Vermögen zu vermehren, kommen Verbraucher aber nicht darum herum, riskantere Anlageformen zu wählen. Seit die Blase am Neuen Markt geplatzt ist, haben viele Deutsche das Vertrauen in Aktienmärkte verloren - und dabei große Chancen vertan. Zwischen 2003 und 2007 stieg der deutsche Leitindex Dax fast ununterbrochen an, und nach einem Einbruch durch die Finanzkrise und Kursschwankungen infolge der Eurokrise erreichte der Dax in diesem Jahr Rekordwerte. Auch wenn die Kurse künftig nicht mehr so stark zulegen sollten, profitieren Aktienkäufer: Über Dividendenzahlungen werden sie an den Firmengewinnen beteiligt. Aktionäre bekommen so eine Verzinsung ihrer Investition, die aber nicht festgeschrieben, sondern in der Regel jedes Jahr neu festgelegt wird. Die Höhe der Verzinsung lässt sich an der sogenannten Dividendenrendite ablesen - und die lag bei den 30 deutschen Börsen-Schwergewichten in diesem Jahr bei durchschnittlich 3,8 Prozent.

Die Dividendenrendite sollte neben dem Kurs, den Prognosen für Unternehmen und dessen Branche ein wichtiges Kriterium beim Erwerb eines Einzelwertes sein. Was Aktien darüber hinaus in den kommenden Jahren attraktiver machen könnte: Da hinter Aktien Unternehmenswerte wie Fabriken, Maschinen und Mitarbeiter stecken, zählen sie zu den Sachwerten. Finanzexperten sehen in den Unternehmensanteilen daher eine Möglichkeit, das Vermögen gegen Inflation abzusichern.

Wer das Risiko von Einzelinvestitionen scheut, kann sein Vermögen auch breiter streuen und auf Fonds ausweichen. Die Auswahl an Produkten ist allerdings beträchtlich. Dabei reicht die Ausrichtung von risikoarmen Rentenfonds über Dachfonds, die Anteile an anderen Fonds erwerben, bis hin zu Aktienfonds, deren Wert stärker schwankt. Bei der Auswahl des passenden Produkts ist daher zu klären, welche Rendite man anstrebt und welches Risiko man dafür einzugehen bereit ist. Ein weiterer Faktor sind die Verwaltungskosten des Fonds. Und der Anlagehorizont sollte mehrere Jahre betragen. Denn es dauert eine Zeit, bis allein der Ausgabeaufschlag (Gebühr, die beim Kauf fällig wird) erwirtschaftet wird.

Eine Alternative zu Aktien und Fonds stellen Unternehmensanleihen dar. Sie werden von Anlageberatern als Beimischung für das Depot empfohlen. Für Unternehmen ist es ein Weg, günstig an Kapital zu kommen. Für Investoren bietet sich die Chance auf ordentliche Renditen. Doch Vorsicht: Anleger sollten unbedingt auf die Bonität der Unternehmen achten, deren Anleihen sie zeichnen. Sonst drohen herbe Verluste. Daher gilt es auch bei dieser Anlageform eine gute Balance zwischen Risiko und Rendite zu finden. Hilfestellung bietet etwa eine Untersuchung von Finanztest. Die Geld-experten der Stiftung Warentest berücksichtigen dabei auch auf Unternehmensanleihen spezialisierte Fonds, bei denen das Risiko durch Streuung geringer als bei Einzelinvestitionen ist.

Am Ende entscheidet die richtige Mischung darüber, ob Sparer mit ihrem persönlichen Portfolio den gewünschten Erfolg erzielen. Und wenn dieser ausbleibt, hat es jeder selbst in der Hand, die Mischung zu verändern.


Hilfestellung bei Finanzprodukten

Die Experten von Finanztest prüfen regelmäßig die Angebote von Kreditinstituten. Auf ihrer Internetseite bieten die Verbraucherschützer Hilfe bei der Auswahl verschiedener Finanzprodukte an, wie etwa Tagesgeld, Festgeld, Investmentfonds und Unternehmensanleihen. Die Nutzung ist allerdings kostenpflichtig. www.test.de

Mehrere Portale vergleichen die Angebote zu Tages- und Festgeld sowie Sparbriefen. Da die Ergebnisse voneinander abweichen können, lohnt es sich, verschiedene Seiten zu sichten.

www.biallo.de
www.forium.de
www.verivox.de
www.check24.de
www.financescout24.de

von Christoph Heitz