Rund 15,7 Millionen Deutschen zahlen in eine Riester-Rente ein, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die staatlich geförderte Privatrente soll den Rückgang der gesetzlichen Rentenzahlungen ausgleichen helfen. Verbraucherschützer bezweifeln, dass das funktioniert und kritisieren, dass die angebotenen Produkte zu kompliziert seien - Verbraucher könnten nicht abschätzen, wie hoch ihre Rente werde. Denn sicher ist nur eins: Zu Rentenbeginn müssen die Anbieter die gesamten Beiträge plus erhaltene Zulagen garantieren.

Die Komplexität der Riester-Rente zeigt sich bereits daran, dass es vier Produkt-Kategorien gibt: Rentenversicherungen, Bank- und Fondssparpläne sowie das Wohn-Riestern. Allen gemein ist die staatliche Förderung. So sind zum einen die Beiträge zur Riester-Rente steuerlich absetzbar, zum anderen erhalten die Vertragsnehmer eine jährliche Zulage von bis zu 154 Euro. Den vollen Betrag gibt es aber nur, wenn vier Prozent des Vorjahresbruttoeinkommens inklusive der staatlichen Zulage eingezahlt werden. Eltern bekommen noch mehr: 185 Euro gibt es zusätzlich pro Kind, für Kinder ab dem Jahrgang 2008 sogar 300 Euro jährlich.

Welches Riester-Modell sich für wen eignet, lässt sich nur individuell beantworten. Bislang hat sich die Mehrheit für eine Versicherung entschieden: 70 Prozent der Verträge gehören laut GDV in diese Kategorie. Die Versicherungsnehmer zahlen erst einmal hohe Abschlusskosten. Doch wenn sie die monatlichen Beiträge bis zum Rentenbeginn bedienen, kann eine ordentlich Rente herauskommen. Wie hoch sie ist, richtet sich zum einen
nach dem eher niedrigen Mindestzinssatz, zum anderen nach den vom Versicherer erwirtschafteten Überschuss.

Fondsparpläne machen derzeit 19 Prozent der Riester-Verträge aus. Laut Finanztest eignet sich dieses Modell vor allem für Jüngere, die noch mindestens 20 Jahre bis zur Rente haben. Sie profitieren davon, dass die Rendite-Aussichten höher sind. Es besteht dafür aber das Risiko, dass dieses Kalkül nicht aufgeht und Sparer zu Rentenbeginn nur mit einem Auszahlungsbetrag in Höhe der Einzahlungen dastehen. Sollten sie während der Ansparphase einen Immobilienerwerb planen, ist es auch nicht empfehlenswert, auf das Fonds-Geld zuzugreifen, da dies mit hohen Verlusten verbunden ist.

Banksparpläne werfen wegen der derzeit niedrigen Zinsen nicht viel ab, können sich aber dennoch lohnen - denn die Kosten sind niedrig und die staatliche Förderung steigert die Rendite. Für den geförderten Immobilienerwerb gibt es das Wohn-Riestern. Sechs Prozent der Verträge laufen über dieses Modell - Tendenz steigend. Die Eigenheimrente ist allerdings besonders kompliziert, hat man hier doch die Wahl zwischen geförderten Darlehen, Bausparverträgen oder einer Kombination aus beiden. Auch sind die staatlichen Zulagen an verschiedene Bedingungen geknüpft, sodass eine gründliche Beschäftigung mit dem Thema vor Abschluss eines Vertrages unerlässlich ist.

Von der Riester-Rente ausgeschlossen sind Selbstständige und Freiberufler, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Für sie wurde das Modell der nach Bert Rürup benannten Rürup- oder Basis-Rente geschaffen. Wer mit einer Basis-Rente vorsorgen will, schließt einen Vertrag mit einem Versicherungsunternehmen. Dieses garantiert eine Mindestverzinsung der eingezahlten Beträge und verspricht eine Überschussbeteiligung.

Während der Ansparphase sind die Beiträge zu einem jährlich steigenden Anteil steuerlich als Sonderausgaben anzugeben, 20.000 Euro im Jahr maximal, für Ehepaare 40.000 Euro. Dafür ist die ausgezahlte monatliche Rente später zu versteuern - wie es auch mit der gesetzlichen Rente der Fall ist. So profitieren vor allem Topverdiener, da sie die steuerlichen Abschläge voll ausnutzen können. Für alle Versicherungsnehmer ist das aktuelle Hauptproblem: Der Garantiezins sinkt und damit auch der Spareffekt.