Man muss sie dieses Jahr - einmal mehr - etwas länger suchen, die Titel, die die Welt der Computerspiele nach vorne bringen. Die wirklich neuen Ideen sind selten, Fortsetzungen bekannter und bewährter Reihen dominieren das Angebot. Das ist auch den schrumpfenden Gewinnen der Spielehersteller geschuldet. Ähnlich wie die Filmbranche konzentrieren diese Investitionen und Marketingaufwand auf "Blockbuster" mit garantiertem Identifikationspotenzial, weil die Spieler den Helden schon durch das ein oder andere Abenteuer begleitet haben.

Das gilt in gewisser Weise auch für "Wonderbook: Das Buch der Zaubersprüche". In dem exklusiv für die Playstation 3 erscheinenden Titel treten junge Spieler in Harry Potters Fußstapfen. Dennoch ist es aus spielerischer Sicht eine löbliche Ausnahme, denn die Spieler dürfen die Move-Bewegungssteuerung wie einen Zauberstab schwingen. Das namensgebende Buch projiziert dabei das Geschehen ins Wohnzimmer.

Mickey Mouse und Super Mario


Magisches passiert auch im Konsolenspiel "Disney Micky Epic - Die Macht der 2": Mit einem Pinsel bewaffnet, der Objekte bemalen, erschaffen oder verwandeln kann, versucht Micky mit Hase Oswald, Disney-Figuren aus 80 Jahren Trickanimation zu retten. Der Jump'n'Run-Spaß schafft es, Nostalgie mit 3D-Animationen zu verbinden, und spricht so nicht nur den Nachwuchs an.

Ähnlich funktioniert "New Super Mario Bros. 2". Zum zweiten Mal rennt und springt Klempner Mario samt Gefolgschaft auf Nintendos 3DS-Mobilgerät durch knallbunte Level. Zudem kommt mit "New Super Mario Bros U" die Jagd nach Münzen und Prinzessin Peach auf die neue Wii U-Konsole.

Tanzspiele erfahren ebenfalls wieder die ein oder andere Fortsetzung. In bewährter Manier gilt es bei "Just Dance 4", vorgegebene Choreografien zu Top-Hits nachzutanzen. Neuerdings dürfen Freunde mit- und gegeneinander antreten. "Zumba Fitness Core" setzt dagegen das Tanz-Fitness-Training in einen virtuellen Kurs um. 33 Tanzstile wollen das perfekte Ganzkörper-Workout ermöglichen. Ob die Hüftschwünge richtig durchgeführt werden, ermitteln die bewegungsempfindlichen Controller.

Musik selbst gemacht


Wer Musik lieber macht, statt nach ihr zu tanzen, sollte einen Blick auf "Rocksmith" werfen. Dem Spiel liegt ein Kabel bei, das echte Gitarren mit einer Konsole verbindet. Die Software selbst passt sich der Erfahrung des Musikanten an und vermittelt auf spielerische Weise neue Griffe und Techniken. Ein gelungenes Konzept, um das Gitarrespielen zu erlernen oder zu verbessern.

Virtuosen am Gamepad werden sich bei Sportspielen wohler fühlen. Wie jedes Jahr gibt es beim Kampf um die Krone der besten Fußball-Simulation keinen echten Sieger. "Fifa 2013" überzeugt mit toller Präsentation, Dynamik und der virtuellen Bundesliga inklusive aktueller Daten, "Pro Evolution Soccer 2013" mit Realismus, einer guten Ballkontrolle und intelligenten Gegenspielern.

Mehr oder minder konkurrenzlos ist dagegen der virtuelle Formel-1-Zirkus "F1 2012". Wie gewohnt wurden Teams und Strecken genau digitalisiert, wechselndes Wetter und Unfälle mit Safety-Car-Phasen gekonnt integriert. Rasanter, weil unrealistischer schießt die Neuauflage von "Need For Speed: Most Wanted" um die Kurve. Im Arcade-Racer gilt es, in einer offenen Spielewelt fahrerisches Können gegen Zocker aus aller Welt unter Beweis zu stellen.

Zwei Perlen kommen dieses Jahr aus dem Genre der Action-Abenteuer: Der dritte Teil der "Assassins Creed"-Saga führt den Spieler in die Wirren des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Nur durch überlegtes Handeln und das Lösen von Rätseln gelingt es, durchtriebene Templer aufzuspüren und unauffällig zu beseitigen.

Ein Attentäter ist auch der Held in "Dishonored". Er wird zu Unrecht beschuldigt, seine Kaiserin ermordert zu haben, und setzt alles daran, die Verschwörer dingfest zu machen. Wie er das macht, bleibt ganz dem Spieler überlassen. Waffen wie Schwerter und Musketen oder die Fähigkeit zur Teleportation helfen dabei und eröffnen dem Helden unzählige Möglichkeiten, sich durch die skurrile Retro-Kulisse zu bewegen. Ein echtes Highlight - und nicht mal eine Fortsetzung.

Vom Sessel auf die Rennstrecke


Online-Spiele, bei denen man in Echtzeit über das Internet gegen reale Gegner antritt oder mit ihnen gemeinsam Abenteuer besteht, sind eine feste Größe in der Gaming-Szene. Dabei müssen es nicht immer Rollenspiele wie "World of Warcraft" sein oder sogenannte Killerspiele, die immer wieder für Kontroversen sorgen. Auch Autorennspiele bieten sich für den Internet-Wettkampf an. Das Angebot reicht von relativ leicht zu handhabenden Racern wie "Need for Speed" bis zu Programmen, die nahezu alle Parameter simulieren, die auch im realen Leben das Verhalten eines Fahrzeugs bestimmen.

Dazu gehören Gummimischung und Temperatur der Reifen, Wind und Aerodynamik, Streckenbelag und Wetterverhältnisse. Namhafte Simulationen sind "iracing.com", "rFactor" oder "GTR". Doch es gibt auch Spiele wie "Live for Speed" oder "Netkar-Pro", die von Enthusiasten für Enthusiasten programmiert wurden und trotz des überschaubaren Personals einen erstaunlichen Realismus an den Tag legen - allerdings leidet hier zuweilen der Support oder die Weiterentwicklung der Software geht nur langsam vonstatten. Wettbewerbsfähige Zeiten auf die Strecke zu zaubern und gegen reale Gegner zu bestehen, erfordert hier wie dort eine Menge Training und ist ohne spezielle Ausrüstung wie ein Lenkrad kaum möglich.

Ein solides PC-Lenkrad ist bereits ab 80 Euro zu haben. Wer Wert auf Gangschaltung und Kupplung legt, findet im Logitech G27 für rund 200 Euro ein gutes Angebot.

Die Kostenlos-Spiele


Sogenannte Free2Play-Spiele zeigen, wie lukrativ kostenlos sein kann. So geht beispielsweise die Spieleentwicklungs- und Vertriebsfirma Ubisoft davon aus, dass das Unternehmen im laufenden Fiskaljahr 20 Millionen Euro mit dem sogenannten Free2Play-Segment einnehmen wird. 2013 könnten es sogar zwischen 50 und 60 Millionen Euro sein. Free2play-Spiele: Unter diese Rubrik fallen hochwertige Video- und Computergames, die die Software-Entwickler den Zockern völlig kostenlos zur Verfügung stellen. Ihren Gewinn erzielen sie durch den Verkauf von virtuellen Gütern wie Spielerweiterungen - neue Levels und Missionen - oder mit Extras, um den eigenen Spiel-Charakter aufzuwerten.

Um die entsprechenden Gegenstände oder Inhalte zu erwerben, besuchen die Gamer einen virtuellen Shop und wählen die gewünschten Boni aus, die häufig nur ein paar Euro oder Cent kosten. Weil erfolgreiche Free2play-Spiele Millionen von Anhängern haben, reicht es meist schon, wenn nur ein kleiner Prozentsatz der Zocker bereit ist, in ihr Spiel zu investieren. Nachdem das Geschäftsmodell von Ostasien nach Europa schwappte, kam es zunächst in Spiele-Apps für Mobilgeräte zur Anwendung. Mittlerweile gibt es das Konzept auch für den PC. Je nach Programmierung sind die Free2Play-Titel online über eine zuvor heruntergeladene Software oder direkt im Browser spielbar. Eines der gefragtesten Gratis-Games, das das Bezahlsystem hierzulande erst etablierte, ist das Browsergame "Farmville": 80 Millionen Facebook-Nutzer versuchten sich zu Spitzenzeiten als virtuelle Landwirte.

Sehr beliebt ist auch "Dark Orbit", ein Weltraum-Rollenspiel, das laut Angaben der Vertriebsfirma Bigpoint derzeit 77 Millionen Spielerkonten verzeichnet. Die Nutzerzahlen verdeutlichen, warum die Branche im Bereich der Browsergames immer aktiver wird. Aufwendige Free2Play-Titel werden entwickelt, gefloppte Mehrspieler-Online-Games von Abo- auf Free2play-Bezahlsystem umgestellt und Free2Play-Varianten von bekannten Games-Reihen herausgegeben. Ubisoft hat 2011 einen kostenlosen Ableger des populären PC-Wirtschaftsspiels "Die Siedler" im Web veröffentlicht. Das Browserspiel wurde von der Zocker-Gemeinde so gut angenommen, dass es bis 2015 voraussichtlich mehr Geld abwerfen wird als die von 2001 bis 2010 regulär verkauften Teile der Computerspiel-Reihe.

von Daniel Dangelmaier