Männer sterben früher als Frauen und erleiden früher einen Herzinfarkt. Trotzdem nehmen sie Vorsorgeuntersuchungen seltener in Anspruch als Frauen. Um das starke Geschlecht für seine schwache Physis zu sensibilisieren, hat das Bayerische Gesundheitsministerium eine Männer- und Jungengesundheitswoche "Alles klar, Mann?" initiiert. Unsere Zeitung war mit einer Telefonaktion dabei. Die Bamberger Urologen Reinhold Will und Christoph Lux gaben den Anrufern Infos zu Themen wie Potenzstörungen, Kinderwunsch und Prostatakrebs, der Psychiater Michael Landgrebe, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie im Bamberger Klinikum am Michelsberg, half bei Fragen zu Tinnitus weiter. Im Folgenden eine Zusammenfassung.

Wie wichtig ist der PSA-Test für die Früherkennung von Prostatakrebs?
Ein einzelner PSA-Wert sagt nicht viel aus, wichtig ist der Verlauf. Mit einem Ultraschall vom Darm aus, einer Tastuntersuchung und dem PSA-Wert hat man eine relativ sichere Chance, den Prostatakrebs zu erkennen. Danach wird entschieden, ob weitere Untersuchungen wie eine Biopsie erforderlich werden. Wir empfehlen, den PSA-Wert schon mal mit 40 Jahren bestimmen zu lassen.

Ich hatte Mumps und eine Hodenentzündung. Jetzt habe ich einen kleinen Hoden. Bin ich zeugungsunfähig?
Eine virusbedingte Hodenentzündung wie bei Mumps führt erst zu einer schmerzhaften Schwellung des Hodens, dann zu einer Verkleinerung. Meistens ist nur ein Hoden betroffen und der andere Hoden übernimmt die Funktion. Ob noch Zeugungsfähigkeit besteht, kann man durch eine Samenprobe bzw. Fruchtbarkeitsuntersuchung beim Urologen herausfinden.

Ich hatte eine Blasenentzündung und habe Antibiotika bekommen. Die Entzündung wurde besser, aber ich soll jetzt eine Blasenspiegelung machen lassen. Davor habe ich aber Angst.
Da muss man erst einmal Ursachenforschung betreiben. Wichtig ist die Abgrenzung zwischen einer Blasenentzündung und einer akuten Prostataentzündung. Eine Blasenspiegelung muss nicht notwendig sein.

Ich habe im Hoden eine harte Stelle. Ist das gefährlich?
Möglicherweise. Es muss in jedem Falle abgeklärt werden. Die gefährlichste Ursache für einen Knoten im Hoden ist Hodenkrebs. Dieser ist bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren der häufigste bösartige Tumor. Zur Vorsorge ist alle sechs bis acht Wochen eine Selbstuntersuchung wichtig, die man sich vom Urologen zeigen lassen kann. Knoten kann man gut ertasten, sie sind zwar schmerzlos, aber hart. Wenn etwas ertastet wird soll umgehend ein Urologe aufgesucht werden. Denn die Heilungschancen bei Hodenkrebs sind sehr gut, wenn er rechtzeitig erkannt wird.

Ich habe Zysten in der Niere. Muss ich jetzt an die Dialyse?
Eine einzelne oder wenige Nierenzysten bedeuten in den meisten Fällen keinen Verlust der Nierenfunktioni. Diese besteht bei seltenen meist genetisch bedingten Erkrankungen, bei welchen das Nierengewebe im Laufe der Zeit durch die Zysten verdrängt wird. Regelmäßige Kontrollen, z.B. mit Ultraschall, sollten aber erfolgen.

Ich habe Erektionsstörungen. Was kann die Ursache sein?
Die Störungen sind mannigfaltig. Sie können gefäßbedingt sein, psychisch, hormonell. Die Ursachen im Einzelfall kann der Urologe herausfinden. Eine Untersuchung des Genitals ist notwendig, manchmal kann auch nur die Vorhaut verengt sein. In fast allen Fällen von Erektionsstörungen kann geholfen werden. Manchmal reicht schon eine Beratung beim Facharzt aus, wenn der Patient falsche Vorstellungen bezüglich der sexuellen Leistungsfähigkeit hat. Eine Rolle bei Potenzstörungen können auch Probleme in der Partnerschaft oder Sorgen z.B. durch Arbeitslosigkeit spielen. Wichtig ist es, das Problem anzugehen, damit sich keine Versagensangst festsetzt. In fast allen Fällen von Erektionsstörungen kann geholfen werden.

Ich muss seit einiger Zeit Blutverdünnungsmedikamente einnehmen. Seitdem habe ich Erektionsstörungen. Kann es da einen Zusammenhang geben?
Viele Medikamente, zum Beispiel zur Gerinnungshemmung und Blutdrucksenkung, können Potenzstörungen verursachen. Das muss man im Einzelfall abklären.

Ich habe immer vorzeitigen Samenerguss. Was kann ich dagegen tun?
Mit diesem Problem sind Sie nicht allein, es betrifft 20 bis 25 Prozent aller Männer in allen Altersklassen. Das kann angeboren oder eine erworbene Störung sein. Sie ist behandelbar mit Medikamenten, Salben oder einer Verhaltenstherapie.

Sind Potenzmittel gefährlich?
Es sind sehr sichere Medikamente und es gibt nur wenige Gründe, warum man sie nicht einnehmen sollte, z.B. wenn man bestimmte Herzmedikament bekommt. Die Potenzmedikamente sind nicht künstlich, sondern fördern nur den natürlichen Ablauf der Sexualität. Ohne eigenes Verlangen wirken sie nicht.

Bei mir funktionieren Potenzmedikamente nicht. Gibt es Alternativen?
Ja, zum Beispiel Spritzen oder mechanische Hilfsmittel.

Bezahlt die Krankenkasse Potenzmittel?
Die Basis-Diagnostik wird übernommen, aber Medikamente und Hilfsmittel zahlen die gesetzlichen und auch die meisten privaten Kassen nicht.

Mir wurde vom Urologen ein PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs empfohlen. Soll ich ihn durchführen lassen?
Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Die gesetzliche Krebs-Vorsorge ab 45 Jahren umfasst die Untersuchung des Genitals einschließlich der Prostatatastung. Nicht vorgesehen im Rahmen der Vorsorge ist der PSA-Test, die Untersuchung auf das prostataspezifische Antigen im Blut. Er ist nicht unumstritten und wird von den Kassen nur bezahlt, wenn schon ein Karzinom vorliegt zur Verlaufskontrolle.. Im Rahmen der Vorsorge kann er zusätzliche wichtige Hinweise auf eine eventuelle Prostataerkrankung geben. Ein einzelner Wert sagt allerdings nichts aus. Wichtig ist der Verlauf, weshalb der PSA-Test wiederholt bestimmt werden sollte (als Basiswert sogar schon einmal mit 40 Jahren)

Wir haben drei Kinder ich möchte mich sterilisieren lassen. Wie funktioniert das?
Die Sterilisation ist die einzige wirklich sichere Verhütungsmethode, die der Mann beitragen kann (wobei Kondome neben der Verhütung noch vor Sexuell übertragbaren Krankheiten schützen können). Hormone und Potenz werden durch den Eingriff nicht beeinflusst. Auch wenn der Eingriff rückgängig machbar ist, sollte er nur dann durchgeführt werden, wenn tatsächlich kein Kinderwunsch mehr besteht. Er ist ambulant und ohne Vollnarkose durchführbar. Voraus gehen ein Aufklärungsgespräch und eine Untersuchung beim Urologen.

Ich habe ein Pfeifen im Ohr, ein Bekannter hat mir erzählt, bei ihm knistert es. Kann Tinnitus unterschiedliche Geräusche erzeugen?
Ja, ein Tinnitus kann alle möglichen Geräusche erzeugen. Pfeifen, Summen, Rauschen, Klappern, Knistern; man kann das Geräusch in einem Ohr, in beiden Ohren, im Kopf hören.

Mein Sohn nimmt Antidepressiva, weil er Beklemmungen in Besprechungen bekommt. Sind diese Medikamente gefährlich?
Sie sind nicht pauschal gefährlich, aber sie haben schon Nebenwirkungen. Man muss hier eine Nutzen-Risikoabwägung machen. Wenn er ohne Medikamente Angst hat, Gespräche nicht durchsteht und seinen Job verliert, ist ihm damit auch nicht geholfen. Es gibt deutliche Unterschiede in der Verträglichkeit von Psychopharmaka. Alternativ zur Einnahme von Antidepressiva kann in diesen Fällen eine Psychotherapie eine sehr wirksame Behandlung darstellen.

Ich höre plötzlich schlechter und habe ein Geräusch im Ohr. Kann das ein Tinnitus sein?
Wenn ein Geräusch akut auftritt, sollte man den Arzt aufsuchen, um organische Ursachen auszuschließen. Die häufigsten Entstehungsursachen für einen Tinnitus sind Stress, Lärm und eine Verschlechterung des Hörens. Lassen Sie zunächst einen Hörtest machen. Organische Ursachen sollten behandelt werden, eventuell mit einem Hörgerät. Bei einem akuten Hörsturz können Infusionstherapien gemacht werden. Es gibt allerdings keinen sicheren Nachweis, dass sie wirken.

Ich habe gehört, dass man bei einem Geräusch im Ohr sofort zum Arzt muss, sonst verpasst man die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung.
Natürlich ist man sehr beunruhigt, wenn es im Ohr pfeift oder rauscht. In diesem Fall sollte man nach Möglichkeit baldmöglichst einen HNO-Arzt aufsuchen, um mögliche behandelbare Ursachen des Ohrgeräuschs so früh wie möglich therapieren zu können. Sollte dies aber mal nicht möglich sein, so hat man nichts falsch gemacht oder verpasst. Eine Behandlung des Tinnitus ist immer möglich und sollte im engen Austausch von HNO-Arzt und anderen Fachdisziplinen erfolgen.

Verschwindet ein Tinnitus von allein?
In vielen Fällen, vor allem in den ersten zwei Jahren nach Auftreten des Geräuschs, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Tinnitus aufhört. Oft gewöhnt man sich auch daran, so dass man ohne Beeinträchtigungen damit leben kann. In anderen Fällen kann der Tinnitus aber eine große Belastung darstellen und führt dann häufig zu psychischen Begleitsymptomen wie Angst und depressiven Verstimmungen. In diesen Fällen sollte unbedingt ein Nervenarzt aufgesucht werden.Vor allem in den ersten zwei Jahren nach Auftreten des Geräuschs ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Tinnitus aufhört.

Welche Therapien gibt es bei Tinnitus?
Tinnitus ist eine sehr individuelle Erkrankung, die man nicht pauschal mit einer Therapie behandeln kann. Man muss man schauen, was im Vordergrund steht. Das können begleitende Schlafstörungen sein, depressive Störungen oder Ängste. All das kann und sollte man mit entsprechenden Medikamenten therapieren. Eine Heilung gibt es bei Tinnitus nicht, aber gute Behandlungsmöglichkeiten. Der Goldstandard ist die kognitive Verhaltenstherapie. Sie zielt darauf ab, mit dem Geräusch besser leben zu können. Schließlich gibt es noch moderne Therapieverfahren, die Hirnstimulationstechniken.

Was passiert bei diesen Verfahren?
Die Aufrechterhaltung des Tinnitus ist nichts mehr, was im Ohr ist, sondern eine Fehlreaktion des Hirns. Bei diesen Veränderungen im Gehirn setzen die Hirnstimulationstechniken wie die Transkranielle Magnetstimulation an. Durch sie kann in vielen Fällen zumindest eine Linderung des Ohrgeräuschs erreicht werden

Gibt es Spezialkliniken oder -Zentren, die Tinnitus behandeln?
Ja, in Bayern gibt es das Tinnituszentrum Regensburg. Auch in Bamberg befindet sich in der Klinik für Psychiatrie eine Spezialsprechstunde für Tinnituspatienten im Aufbau. Diese richtet sich insbesondere an Patienten, die neben ihrem Tinnitus an psychischen Problemen wie Angst, Depression oder Schlafstörungen leiden oder die sich für moderne Hirnstimulationstechniken zur Behandlung des Tinnitus interessieren.

Tinnitus-Info
Informationen zu Tinnitus bietet die Deutsche Tinnitusliga am Beratungstelefon: 0202/24652-74 sowie im Internet unter www.tinnitus-liga.de.