Nicht nur, dass alle der getesten Discounter (Aldi Nord/Süd, Penny, Norma, Lidl und Netto) bei der Kaffeeproduktion mit zweifelhaften Bedingungen Minuspunkte sammeln; drei der Kaffeesorten enthalten sogar einen krebserregenden Stoff.

Die Hälfte der Kaffeesorten fallen im Öko-Tets durch

Deutschland ist ein Kaffee-Trinker-Land. Durchschnittlich 150 Liter Kaffee werden hierzulande jährlich pro Kopf "vertrunken". Dass allerdings nicht jedes Kaffeeprodukt mit qualitativer Hochwertigkeit überzeugen kann, wurde nun von Verbraucherschützern herausgefunden.

Im Test für die August-Ausgabe 2014 des Magazins "Öko-Test" wurden fünf Lebensmittelgruppen von namenhaften Discountern unter die Lupe genommen. Ziel war es, herauszufinden, ob und wie Werbeslogans à la "Qualität zum kleinen Preis" tatsächlich eingehalten werden können. Getestet wurden 28 Lebensmittel von Milch, Reis, Pizza und Tofu bis hin zu Kaffee. Während das Preisniveau zwar durchgehend niedrig war und der Großteil der Testprodukte auch qualitativ überzeugen konnte, erhielten drei Kaffees die bedenkliche Note "mangelhaft".

Schuld an den schlechten Testergebnissen sind neben den zu hohen Acrylamidwerten auch die bei allen sechs getesteten Kaffees festgestellten, unfairen Produktionsbedingungen. Ob Brasilien, Kenia oder Äthiopien: trotz teilweise hoher Einnahmen kommt von dem Geld nur wenig bei den ärmeren Erstproduzenten, den Kaffeefarmern, an. Auf die Nachfrage von Öko-Test, wie es um die individuellen Produktionsbedingungen bei den Testprodukten steht, äußerten die Discounter sich allerdings gar nicht oder lediglich äußerst zugeknöpft.

Konkrete Angaben lieferten ausschließlich Aldi Süd beziehungsweise Nord durch deren Mitgliedschaft in der 4C-Association, wobei diese nur niedrige zehn bzw. 27 Prozent des Endproduktes beeinflusst. Ähnlich wie bei Fairtrade gehören bei der 4C-Association gesetzliche Mindestlöhne bzw. -preise, Nachhaltigkeit und die Einhaltung spezifischer Normen zum Regelwerk. Dadurch wird nicht nur die Umwelt sondern auch der einzelne Kaffeebauer unterstützt und der nächste Cappuccino kann ohne schlechtes Gewissen genossen werden.


 

Zu viel Acrylamid im Kaffee

Mit Werten, die über dem 2010 für Deutschland festgelegten Signalwert von 277 Mikrogramm Acrylamid pro Kilogramm gerösteten Kaffee liegen, konnten die folgenden drei Kaffeeprodukte den Öko-Test nicht bestehen:
 

  • Markus Kaffee Gold, Fein Würzig von Aldi Nord

  • Rösta Classic Kräftig von Norma

  • Bellarom Kräftig Röstkaffee von Lidl

War die gesundheitsschädliche Wirkung von Acrylamid vorher nur aus der Verbrennung von Tabak beim Rauchen und aus der Kunststoffherstellung bekannt, wies ein Forscher aus Schweden 2002 dessen Entstehung auch in Lebensmitteln nach. So bildet sich Acrylamid in stärkehaltigen Lebensmitteln, wenn diese bei ihrer Zubereitung enorm hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Dazu gehört zum Beispiel das Frittieren von Pommes Frites oder eben auch das Rösten von Kaffee.

Nachfolgende Tierversuche zeigten, dass Acrylamid in der Nahrungsaufnahme sowohl zu Krebs als auch zu Schäden an den Nerven und einer Veränderung der DNS führen kann. Aus Mangel an zuverlässigen Untersuchungen sind die tatsächlichen Nebenwirkungen je nach Dosis auf den Menschen aktuell allerdings nur unzureichend erforscht.