Ein Pflegeplatz in einem Heim kostet für einen Schwerpflegebedürftigen meist 4000 Euro und mehr. Um diese Kosten in den Griff zu bekommen, wurde 1995 bereits die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Doch sie deckt oft weniger als die Hälfte der Kosten ab: In der höchsten Pflegestufe zahlt sie 1550 Euro, in besonderen Härtefällen sind es 1918 Euro - den Rest zahlen der Patient oder unterhaltspflichtige Angehörige.

Die Pflege zu Hause kann zwar günstiger sein, doch ist sie zum einen nicht immer möglich, zum anderen reduzieren sich die Kosten vor allem durch den ehrenamtlichen Einsatz von Angehörigen. Und nicht immer sind Familienmitglieder willens oder in der Lage, zu helfen. Wer also verhindern will, dass sein gespartes Vermögen aufgezehrt wird, seine Kinder vor zusätzlichen Belastungen schützen möchte und nicht auf Zahlungen des Sozialamtes angewiesen sein möchte, sollte rechtzeitig eine private Zusatzversicherung abschließen.

Die Versicherungsbranche hat dazu verschiedene Produkte entwickelt, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Drei Varianten stehen zur Wahl: eine Pflegetagegeldversicherung, eine Pflegeergänzungspolice sowie eine Pflegerentenversicherung. Hinzu kommt seit diesem Jahr der heftig umstrittene "Pflege-Bahr", der Tarife umfasst, die staatlich mit fünf Euro pro Monat gefördert werden.

Pflegetagegeldversicherungen werden von privaten Krankenversicherern als Zusatzpolice angeboten. Sie haben den Vorteil, dass Pflegebedürftige selbst über die Verwendung des gezahlten Geldes verfügen können. Die Höhe ihrer Leistung richtet sich zum einen nach dem im Vertrag vereinbarten Tagegeld, zum anderen nach der Pflegestufe. Das heißt, den vollen Satz zahlt die Versicherung erst nach Anerkennung der Pflegestufe III. Manche Versicherer zahlen zudem nur, wenn auch die gesetzliche Pflegeversicherung ihren Teil leistet.

Da sich die Höhe des Beitrags nach dem Einstiegsalter des Versicherten richtet, sollte ein Vertrag frühzeitig abgeschlossen werden. Einige Krankentagegeldversicherer erlauben einen Vertragsabschluss nur vor dem 60. Geburtstag. Wichtig ist außerdem der Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss. Denn die Versicherungen verlangen eine Gesundheitsprüfung, um Risiken ausschließen oder eine Vertrag komplett ablehnen zu können.

Zu früh sollte man sich dennoch nicht um eine Police bemühen. So rät die Verbraucherzentrale, nur eine Pflegetagegeldversicherung abzuschließen, wenn sich die Versicherten die Beiträge auf lange Sicht auch leisten können. Denn bei einer Kündigung gehen bereits gezahlte Beiträge verloren.

Die ungeförderte Variante ist aber dem in diesem Jahr eingeführten Pflege-Bahr vorzuziehen, so Finanztest. Die Finanzexperten der Stiftung Warentest beanstandeten bei einer Untersuchung im Frühjahr, dass die Bedingungen in der Förder-Variante schlechter seien als bei nicht geförderten Tarifen und die Zahlungen nicht ausreichten, um eine Finanzierungslücke im Pflegefall komplett zu schließen. Lediglich bei Vorerkrankungen oder in höherem Alter lohne sich das Anfang des Jahres eingeführte Modell, da Versicherer keine erwachsenen Bewerber, die noch nicht pflegebedürftig sind, ablehnen dürfen.

Auf das Schließen einer Finanzierungslücke hebt die Pflegeergänzungsversicherung ab. Sie übernimmt die Restkosten, nachdem die gesetzliche Pflegeversicherung gezahlt hat und kann flexibel an die Kostenentwicklung angepasst werden. Allerdings darf der Versicherte im Pflegefall nicht frei über die Mittel verfügen und muss zudem selbst die Kosten belegen. Die Verbraucherzentrale hält entsprechende Policen daher nur für sinnvoll, wenn der Versicherungsnehmer sich ausschließlich von professionellen Pflegern betreuen lassen möchte.

Flexibler ist da die Pflegerentenversicherung. Wie bei einer Rentenversicherung wird eine lebenslange, monatliche Rente im Vertrag festgeschrieben. Dass diese gezahlt wird, kann an das Erreichen einer Pflegestufe gekoppelt sein. Sinnvoller ist es jedoch, die Leistungen an die Aktivitäten des täglichen Lebens zu knüpfen. Ist ein Versicherter nicht mehr in der Lage, sich selbst zu waschen, aufzustehen und sich anzukleiden, greift die Versicherung bereits. Somit hilft eine solche Police eher im Demenzfall als andere Versicherungen, da Demenzkranke in vielen Fällen nicht unter eine der drei Pflegestufen fallen.

Wie hoch die monatliche Rente ausfällt, hängt an der Garantie der Versicherung. Zwar sollen Versicherte an Überschüssen beteiligt werden, doch da diese derzeit mager ausfallen, sollte man nicht mit höheren Auszahlungen kalkulieren.


Zusätzliche Informationen


Buchtipp
Die Verbraucherzentrale hat einen Ratgeber zu privaten Zusatzpolicen veröffentlicht, der bereits die Tarife des "Pflege-Bahrs" mit berücksichtigt: "Private Kranken- und Pflegezusatzversicherungen - Welche brauche ich wirklich?" Verbraucherzentrale 2013. Taschenbuch, 160 Seiten. 9,90 Euro.

Beratung Die Experten der Stiftung Warentest bieten kostenpflichtige Analysen an, die die individuellen Umstände berücksichtigen. Die Auswertung umfasst das Preis-Leistungs-Verhältnis passender Pflegegeldtarife und vergleicht sie mit staatlich geförderten Angeboten.

Gesetz
Die Änderungen im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes sind auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums nachzulesen.