Es dürfte schwer werden in den kommenden Wochen für Sony und Microsoft. Nintendo hat unter den drei großen Playern auf dem Konsolenmarkt als einziger komplett neue Hardware im Angebot. Mit der am 30. November in den Verkauf gehenden Wii U, dem Nachfolger der erfolgreichen Wii, dürfte den Japanern also die meiste Aufmerksamkeit im Weihnachtsgeschäft zuteil werden.

Dabei sind die Eckdaten zunächst nicht spektakulär: Das deutlich leistungsfähigere System kann Spiele und heruntergeladene Inhalte hochauflösend darstellen und unterstützt 3D-Technologie. Als DVD- oder Blu-Ray-Player funktioniert es aber nicht, weil das Laufwerk nur spezielle Discs von Nintendo erkennt.

Die eigentliche Besonderheit der Wii U ist jedoch die Steuerung: Die Kontrolleinheit ist ein kleines Tablet mit einem druckempfindlichen 15,7-Zentimeter-Bildschirm, einer Kamera und Bedienelementen an den Seiten. Über dieses werden Figuren geleitet oder zusätzliche Spieldetails ausgegeben. Zudem ist es möglich, ein Spiel über die Konsole auf den Controller zu streamen.

Wird es nicht gerade zum Daddeln gebraucht, kann das Tablet für Ausflüge ins Web oder Videochats genutzt werden, die sich wiederum auf dem Fernseher anzeigen lassen. Zur Markteinführung wird das Basispaket für 299 Euro angeboten, das die Konsole mit acht Gigabyte Speicher, ein Tablet und ein HDMI-Kabel enthält. Die Premium-Version für 349 Euro mit 32 GB Speicher wird mit einem Spiel und weiterem Zubehör ausgeliefert.

Etwas günstiger sind die überarbeiteten Versionen der Playstation 3 (PS3), die seit Ende September in den Läden stehen. Wie schon ihre Bezeichnung Super Slim verrät, sind sie mit Maßen von 29 mal sechs mal 23 Zentimetern die bislang kleinsten Modelle. Der Preis für die Gamingbox mit 12 GB Flash-Speicher und Controller liegt bei rund 230 Euro, mit 500 GB Festplatte plus aktuellem Spiel bei etwa 300 Euro.

Das mag auf den ersten Blick viel erscheinen, da in der Super Slim quasi dieselbe Technik wie in der drei Jahre alten Slim steckt. Doch mit ihren vielen Multimedia-Funktionen, dem Blu-Ray-Laufwerk sowie der Möglichkeit, Filme und Spiele hochauflösend und in 3D darzustellen, besitzt das vermeintlich alte System Eigenschaften, die selbst aus heutiger Sicht modern sind.

Der dritte große Konsolen-Anbieter Microsoft hat 2012 keine frische Hardware herausgebracht. Doch die XBox 360, die sieben Jahre auf dem Buckel hat, könnte zu Weihnachten trotzdem unter vielen Tannenbäumen liegen. Zum einen, weil sie verhältnismäßig günstig ist. Ein Paket, bestehend aus der Konsole mit 250 GB Speicher und zwei Spielen, geht seit Kurzem für unter 200 Euro über den Ladentisch. Zweitens erfreut sich die Kinect-Sensorenleiste großer Beliebtheit. Vor allem Gelegenheitsspielern gefällt das Konzept, mit Körperbewegungen und Sprachbefehlen die laufende Software zu steuern.

Außerdem mag die am 26. Oktober freigeschaltete Software Smartglass den ein oder anderen zum Kauf verführen. Sie vernetzt die XBox 360 mit aktuellen Windows-Mobilgeräten, sodass sich die Konsole per Smartphone oder Tablet bedienen lässt. Auch die drahtlose Übertragung von Medien und zusätzlichen Spielinformationen ist möglich. Die offensichtlichen Parallelen zur Wii U sind sicher kein Zufall.

Die Wii U


Die neue Konsole verfügt über einen programmierbaren, leistungsstarken Grafikchip mit zwei GB Arbeitsspeicher. Allerdings ist der Hauptprozessor langsamer als bei der Konkurrenz. Dennoch werden Spiele in Full-HD-Auflösung dargestellt. Das soll neben den Gelegenheits- auch die Vielspieler locken. Titel wie das Horror-Adventure "ZombieU" zeigen, dass es nicht mehr nur um Super Mario und Ähnliches geht.

Die Playstation 3


M it ungefähr 200 Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde ist die Playstation 3 noch immer auf der Höhe der Zeit. Zusätzlich zum Network Store, der kostenlose Demos und Trailer ebenso bietet wie Bezahl-Inhalte zum Download, können Gamer für 49,99 Euro im Jahr dem Abo-Dienst Plus beitreten. Mitglieder bekommen unter anderem Spiele und einen Online-Speicher zur Verfügung gestellt.

Die XBox 360


Die XBox arbeitet mit einer modifizierten ATI-X1900-Grafikkarte, die Microsofts Mediensoftware DirectX in der Version 9 unterstützt, während aktuelle PC-Grafikkarten schon mit DirectX 11 laufen. Zocker, die die Abwechslung und Herausforderung lieben, schätzen die Auswahl von fast 2000 Titeln und die aktive Online-Gemeinde. Für Mehrspieler-Partien übers Internet werden jedoch 60 Euro pro Jahr fällig.

Spielmobil


Spätestens seit dem Erfolg von "Angry Birds" dürfte klar sein, dass tragbare Spielkonsolen ernsthafte Konkurrenz bekommen haben. Schließlich wurde das ursprünglich für das iPhone entwickelte Spiel, bei dem man die "zornigen Vögel" mit einer Schleuder auf Bauten schießen muss, um Schweine zu zerstören, insgesamt rund 500 Millionen Mal heruntergeladen. Tragbare Spielkonsolen wie die Nintendo 3DS (ab 160 Euro, s. links) und Sonys Playstation Vita (ab 225 Euro, s. rechts) kommen nicht annähernd auf solche Zahlen.

Zum Vergleich: Das erfolgreichste Spiel auf der 3DS wurde rund fünf Millionen Mal verkauft. Kein Wunder, kosten die Spiele für die sogenannten Handhelds doch um die 40 Euro, während es Smartphone-Spiele schon für einige wenige Euro oder gar umsonst gibt. Doch die für Spiele optimierte Hardware erlaubt grafisch aufwändigere Spiele, und die Handhabung ist dank der speziellen Kontroll­elemente leichter. Die Nintendo 3DS kann zudem mit einem autostereoskopischen Display punkten, das dafür entwickelte Spiele in 3D ausgibt - ganz ohne lästige Brille.

Neben der Spielerei bieten die kleinen Konsolen inzwischen auch Smartphone-Funktionalitäten. So kommt man mit ihnen per W-Lan ins Internet - und die PS Vita verfügt darüber hinaus über eine UMTS-Anbindung wie bei Mobiltelefonen. Sogar telefonieren kann man mit der PS Vita, wenn auch nicht über das normale Mobilfunknetz, sondern per Internet über Skype. Dennoch sind PS Vita und Nintendo 3DS vor allem für echte Spiele-Freaks gemacht. Wer sich nur gelegentlich unterwegs die Zeit vertreiben will, ist mit einem modernen Smartphone bestens ausgerüstet. Viele Spiele lassen sich sehr gut per Touchscreen steu- ern, manche erlauben sogar die Steuerung per Bewegungssensoren, die in modernen Smartphones zum Standard gehören.

Außerdem ist die Spieleauswahl in iTunes oder dem Google Play Store für Android-Geräte enorm groß. Von Action bis zu Denksport oder Geschicklichkeitsspielen dürfte für jeden Spielertyp etwas dabei sein. Bo

von Daniel Dangelmaier

Interview mit der Entwicklerin Johanna Jacob


Computerspiele zählen längst zu Massenmedien, deren Entwicklung und Produktion in den letzten Jahren in den verschiedensten Bereichen immer stärker industrialisiert wurden. Aus diesem Grund erfordert die Spieleentwicklung hoch spezialisierte und qualifizierte Arbeitskräfte. Einige davon sind Game-Designer wie Johanna Jacob.

Entwickeln, designen, programmieren: Wie sieht eigentlich der Arbeitsalltag eines Game-Designers aus?
Johanna Jacob: Ich entwerfe das sogenannte Gameplay - sozusagen die Spielregeln eines neuen Spiels. Das heißt, ich überlege mir zum Beispiel, über welche Fähigkeiten der Held des Spiels verfügt und wie das Spielgefühl sein soll. Grafiker erstellen später auf dieser Grundlage Animationen und visuelle Effekte, die anschließend von den Programmierern ins Spiel implementiert werden.

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für die Spiele-Entwicklung entdeckt?
PC- und Konsolenspiele faszinieren mich seit meiner Kindheit. Als ich sechs Jahre alt war, habe ich mir einen "Rechner" aus einem Pappkarton gebastelt und daran verschiedene "Spiele" geheftet, die ich mir zuvor auf Din-A4-Papier aufgemalt hatte. In meiner Fantasie erwachten sie dann zum Leben. Im Informatikunterricht in der Schule habe ich später auf meinem grafischen Schultaschenrechner mit der damaligen Programmiersprache Visual Basic kleine Spielereien realisiert. Aber auf die Idee, beruflich Spiele zu entwickeln, bin ich erst während meines Studiums der Landschaftsarchitektur gekommen, als ich an einem Hobbyprojekt arbeitete. In einem Fachmagazin entdeckte ich später eine entsprechende Stellenanzeige und beschloss, in der Spielbranche zu arbeiten. Mein Studium habe ich dafür aufgegeben.

Eine Quereinsteigerin also. Muss man denn eine besonders gute Zockerin sein, um selbst Spiele zu entwerfen? Oder gibt es andere, wichtigere Schlüsselqualifikationen?
Unverzichtbare Eigenschaften für den Beruf sind ein klares Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, das ebenso klar mitzuteilen. Hilfreich sind auch Kompetenzen in den Bereichen Grafik und Programmierung und im Umgang mit Spezialsoftware wie Unity3D. Die Ausbildung von Game-Designern steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Immerhin kann man sich inzwischen beispielsweise in Berlin an der Games Academy und an der Hochschule für Technik und Wirtschaft zum Game-Designer ausbilden lassen.

Den ganzen Tag spielen - das klingt zunächst nach einem Traumjob ...
Nun ja, gemeinsam mit den Kollegen eine Vision zu teilen und ihr bei der Entstehung zuzusehen, ist ein wunderbares Gefühl.

Und was sind die Schwierigkeiten Ihrer Arbeit?
Immer wieder unterschätzt wird beim Game-Design der Aufwand für die einzelnen Arbeitsschritte. Videospiele sind sehr komplex.

Die Fragen stellte Andrea Frey.