Tatsächlich sanken die Preise auch bis zum Jahre 2000 und neue Stromanbieter betraten den Markt. Das größte fossile Kraftwerk in Mittelfranken, welches bereits seit 1913 in Betrieb ist, bekam plötzlich Konkurrenz.

Strompreissenkung blieb trotz Öffnung des Strommarktes aus
Nach nur wenigen Monaten wurden die ersten der Neulinge zahlungsunfähig, wurden verkauft oder verschwanden gänzlich. Nur einige wenige, wie zum Beispiel Yello Strom und einige Ökostromanbieter überlebten. Zwar war das Interesse am neuen Ökostrom vorhanden, doch die Preise lagen über dem üblichen Niveau und der erhoffte Kundenwachstum blieb aus.
Der Grund des schlechten Marktstarts lag darin, dass die mächtigen Stromkonzerne sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollten und den alternativen Anbietern den preiswerten Zugang zum Stromnetz verwehrten. Denn sie konnten frei nach Gutdünken die Preise für die Stromdurchleitung festsetzen. Erst 2004 wurde auf Druck der EU eine Aufsichtsbehörde etabliert und ein Energiewirtschaftsgesetz vorgelegt. Die Bundesnetzagentur kürzte die beantragten Netzentgelte und auch neue Stromversorger konnten Fuß fassen. Darunter auch Discounter wie Flexstrom oder Teldafax.
Viele Kunden nutzten die Wechselmöglichkeiten nicht, weil sie durch den Tarifdschungel und die Insolvenzen von Anbietern wie Teldafax nur verwirrt und verunsichert wurden. Trotzdem verteuerten sich die Stromrechnungen in den letzten 15 Jahren um 51 Prozent für einen Dreipersonenhaushalt. Wer genau der Kostentreiber ist, bleibt dabei unklar. Die Energieversorger selber geben an, dass der von 25 Prozent auf über 50 Prozent gestiegene Staatsanteil schuldig sei. Hierin enthalten ist auch die Ökostromabgabe. Doch laut Finanzexperten sei dies nicht alles: „Darüber hinaus steigen die Kosten für die Verbraucher durch die energieintensiven Unternehmen, die sich von der Ökostrom-Umlage befreien lassen können.“ Verbraucherschützer hingegen halten nach wie vor die Energieriesen für die wahren Preistreiber.

Tragen Privathaushalte die Energiekosten von Großunternehmen mit?
Ursprünglich sollte durch die Einführung einer Strompreisentlastung von Unternehmen durch spezielle Industrierabatte Arbeitsplätze gesichert werden. Doch die Zahl der begünstigten Unternehmen steigt und das Rabattvolumen soll sich nach neuen Studien voraussichtlich nochmals erhöhen.
Laut einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft drohen diese Rabatte der besonders energieintensiven Unternehmen nun die Strompreise der Privathaushalte zu belasten. Denn durch Ausnahmeregelungen der Netzentgelte werden diese voraussichtlich im kommenden Jahr von 805 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro stiegen. Diese Kosten werden auf die Bürger durch eine Umlage mitbezahlt.
Unternehmen, die mehr als 7.000 Stunden Netzstrom beziehen und über 10 Gigawattstunden verbrauchen, sollten ursprünglich dank des von der Union und FDP eingeführten Mitternachtsparagrafen überhaupt keine Netznutzungsgebühren bezahlen. Zum Glück kippte das Oberlandgericht Düsseldorf diese Äderung. Aber auch der Preisnachlass für Abnehmer "mit einer zeitlich begrenzten hohen Leistungsaufnahme" sorgte für herbe Kritik. Denn auch Golfplätze beantragten darüber Rabatte, die letztendlich vom Privatkunden zu zahlen wären. Deshalb wurden strengere Regeln und Rabatte geplant.
Die Zahl der begünstigten Unternehmen kletterte zuletzt auf mehr als 3.330. Aber auch wegen eines Ausbaus des Netzes im Zuge der Energiewende werden die Netzentgelte zukünftig um zehn bis zwanzig Prozent steigen. Voraussichtlich wird wohl ein durchschnittlicher deutscher Haushalt im Jahre 2014 erstmals eine Stromjahresrechnung von über 1.000 Euro erhalten. Und dies trotz der Einschnitte bezüglich der Solarförderung. SPD-Umweltpolitiker Ulrich Kerbel sagte dazu: "Wir müssen den Strom aus erneuerbaren Energien werthaltiger machen". Die Versorger sollten die Vergütungskosten tragen, und nicht der Stromkunde, so der Politiker.
Einen bestimmter Teil ihres Portfolios müssten die Versorger zukünftig mit Ökostrom abdecken. Dadurch würde der Stromeinkauf teuer. Diese Kosten würden zwar auch an den Kunden weitergereicht, aber es würde die Versorger dazu zwingen, die künftige Stromproduktion besser zu planen und die bisher an der Tagesordnung stehende Überkapazität zu verhindern. Laut Kelber würden dadurch die Stromkosten insgesamt gesenkt werden.
Auch die Kanzlerin Angela Merkel will nach der Wahl eine grundlegende Reform angehen. Denn sie selbst hatte einmal gesagt, dass diese Umlage 3,5 Cent nicht übersteigen dürfe – und jetzt wird sie schon bald das Doppelte betragen.