Eine kleine Sünde und ein Bier. "Macht sechs Euro 80", lächelt Wirtin Dominica Brendel, Chefin des Gasthauses Krone in Gößweinstein. Die meisten Gäste sind Wallfahrer. Oder Reisegruppen. Aus Eichstätt, Deggendorf, Hildburghausen, Fulda oder Heilbronn kommen die Busse mit den Besuchern der Osterbrunnen.

Als erstes stürmen die Gäste das Kuchen-Büfett. "Plootz" heißen die süßen Verführungen im XXL-Format, alles Eigenkreationen, so wie die "Graf-Goswin-Torte" oder die "Wallfahrertorte", die jeweils einen Durchmesser von 50 Zentimetern haben. Die Auswahl ist riesig.


Bis ins 16. Jahrhundert


Und weil zu dem Anwesen, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, ein riesiger Obstgarten gehört, lässt die blonde Fränkin die dort geernteten Früchte veredeln. Beispielsweise zu einem Wallfahrerschnaps. Weitere verführerische Flaschengeister stammen von Zwetschgen, Birnen, Kirschen oder Mirabellen.
Das selbstgebraute Bier gibt es seit 1944 nicht mehr, bedauert die Wirtin. Aber mit dem fränkischen Kellerbier vom Held-Brau aus Oberailsfeld gibt es dazu eine gute Alternative.

Dominica Brendel ist in dem Gasthof gegenüber der Basilika groß geworden. "Alles, was mit Gastronomie zusammenhängt, wurde mir schnell vertraut", gesteht die Wirtin, die zudem eine Pension betreibt. Ehe sie das Familienerbe übernommen hat, sammelte sie Erfahrung in anderen Häusern, unter anderem in Oberbayern und in der Schweiz.

So hat sie den traditionsreichen Gasthof mit Fingerspitzengefühl und Geschmack in ein Schmuckstück verwandelt. Die Sonnenterrasse vor dem Haus gegenüber der Dreifaltigkeits-basilika von Balthasar Neumann lädt ein, um zu sehen und gesehen zu werden.

Die Einrichtung im gemütlichen Restaurant-Café ist ein gelungener Mix verschiedener Stile. Der Boden kommt aus England, die Leuchter aus Spanien und die Vorhänge sind altdeutsch. "Klassisch" nennt die gelernte Hotelkauffrau diese Einrichtung.


Fränkisch bis international


Die Gäste jedenfalls fühlen sich hier wohl, nicht nur wegen der üppigen Blechkuchen, der Windbeutel und der selbstgemachten Apfelstrudel. Dazu verwöhnt Küchenchef Samuel die Gäste mit fränkischen und internationalen Speisen. Ob Ochsenbrust, Krustenbraten oder Rehschäuferla, ob Entenbrust oder Zanderfilet: Im Gasthof Krone haben diese Gaumenfreuden bereits berühmte Persönlichkeiten genossen. So ist fast folgerichtig, dass die "Krone" beim Wettbewerb "Bayerische Küche" mit einer Silber- und einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde.

Im Gästebuch des Hauses finden sich Einträge der Schauspieler, die 1954 bei dem in der Fränkischen Schweiz gedrehten Heimatfilm "Die schöne Müllerin" mitspielten, darunter die Österreicherinnen Hertha Feiler und Waltraut Haas oder Fritz Wagner. Zu den Gästen des Hauses gehörten laut Gästebuch auch Tatjana Gsell und Skandal-Prinz Fernfried Prinz von Hohenzollern, der Präsident des Lions-Clubs von Sri Lanka, die Alexis-Sorbas-Inkarnation Anthony Quinn und Christine Hadert hauer (CSU).

Sie wollte mit dem Gasthof Krone in Gößweinstein eine der 30 Bayerischen "Weiberwirtschaften", von Frauen geführte Gastronomiebetriebe, persönlich kennenlernen. Für die Politikerin - und alle anderen Gäste - nicht nur eine kulinarische Entdeckungsreise.

Für Atmosphäre sorgen die Zimmer im einst modernsten Haus am Platz auch heute noch. Als Dominicas Großvater das Haus 1934 völlig neu errichten ließ, gab es nicht nur Zentralheizung und fließend warmes und kaltes Wasser, sondern auch Hotel-Pagen.

Zwar sind die Hoteldiener verschwunden, doch die Einrichtung der Zimmer stammt noch aus den 30er Jahren. Hier hat Dominica Brendel aus der Not eine Tugend gemacht: Als sie die Gastronomie übernommen hat, entschied sie sich dafür, die Nostalgiemöbel aus Großvaters Zeiten zu belassen. So ist hier im Etagenbereich die Zeit ein wenig stehen geblieben. Die Zimmer vermitteln ein nostalgisches Flair aus der Zeit vor rund hundert Jahren.

Aus dieser Zeit stammt auch das Familienwappen, ein Greifvogel, der einen Stern in seinen Klauen hält. Nach dem Lexikon der Wappenbilder geht dieses Wappen zurück auf den Nürnberger Wappenmaler und Kupferstecher Hans Siebmacher (1561 bis 1611), der den Greifvogel dem Namen Brendel zuordnete.

Damals gehörte der Gasthof Krone noch zum angesehenen Reußenhof. Jörg Reuß, so steht es in den Annalen, wurde im Bauernkrieg 1525 gezwungen, das Gößweinsteiner Schloss zu erstürmen.
Dieser Jörg Reuß tritt in der Gemeindechronik als Hauptmann und Wirt in Erscheinung. Sein Sohn Heinrich war Wirt, Richter, Steuereinnehmer und Gotteshauspfleger.