Fichtelberg
Verkehrsgeschichte

Schätze im Fichtelberger Automobilmuseum

Konrad Adenauer, James Bond, Gunter Sachs: Männer verbindet oft etwas Spezielles mit ihren Fahrzeugen. Und es sind auch vor allem Männer, die sich für das Automobilmuseum Fichtelberg interessieren. Zu entdecken gibt es hier aber auch Glamour, Prominenz und Familiengeschichte.
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Ein Blick auf die Schätze des Fichtelberger Automobilmuseums. Foto: Ronald Rinklef
Ein Blick auf die Schätze des Fichtelberger Automobilmuseums. Foto: Ronald Rinklef
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Es geht nicht um die Zylinder des Mercedes'. Sondern um den Hut Konrad Adenauers. "Er ist immer mit einem BMW 501 V 8 Barockengel gefahren", sagt Constantin Eckert. Der 24-Jährige steigt über das Absperrband im Automobilmuseum hinüber zu der wuchtigen weißen Limousine. "Adenauer hat ja immer einen Hut getragen. Und der ist beim Ein- und Aussteigen immer runtergefallen." Der Mercedes-Benz 300, ein Cabriolet, löste das Problem des Kanzlers. Er ging als Adenauer-Benz in die Automobilgeschichte ein.

Constantin Eckert berichtet von Fahrzeugen, die seine Familie gesammelt hat: Autos und Motorräder, Traktoren, Feuerwehrfahrzeuge, Kutschen und sogar Jets, Panzer aus alten NVA-Beständen. Angefangen hat es Ende der 60er-Jahre. "Mein Vater war zehn, als er einem Bauern die erste NSU abgekauft hat. Für fünf Mark." Constantin Eckert erzählt, wie sein Vater Perry als Junge begann, an dem Moped herumzuschrauben, wie er geschickter wurde, weitere "alte Kisten" entdeckte, aus vieren eine zusammenbastelte, weiterverkaufte und sich vom Gewinn die nächsten Schrottkisten besorgte.

Jahrzehnte später lagerte Perry Eckert seine Fahrzeugsammlung in Scheunen und Garagen rund um Fichtelberg. Anfang der 90er-Jahre musste das familiäre Unternehmen die Produktion von Lederwaren und Knöpfen einstellen. Es blieb nur der Handel - und eine riesige Halle. Platz auf drei Etagen. 1992 gründete Perry Eckert das Automobilmuseum. In den folgenden Jahren kamen eine weitere Halle und eine Freifläche dazu, inzwischen sind mehr als 200 Exponate zu sehen. "Baujahre von 1880 bis 2007/2008."

Gunter Sachs und sein Mammut

Besonderheiten unter den Motorrädern sind die erste Rennmaschine von NSU aus dem Jahre 1910, nur mit Lederriemenantrieb. Oder das stärkste Motorrad der Welt, eine Boss Hoss. "Ein brachiales Gerät, 8,2 Liter, 520 PS auf zwei Rädern - da geht was ab!" Constantin Eckert, der im Alltag einen gewöhnlichen VW Passat fährt, hat gerade sein BWL-Studium abgeschlossen und steigt in den Familienbetrieb ein. Die Begeisterung für alles Motorisierte hat er vom Vater geerbt. "Mit drei Jahren habe ich mein erstes Kinder-Motorradelchen bekommen", erzählt er und schlendert zur nächsten Rarität: "Eine Münch mit dem Vierzylinder-Motor einer NSU TTS, zwölfhundert Kubik." Nicht einmal 500 Stück wurden von 1966 bis 1981 gebaut und in den 70er-Jahren, als eine gute Maschine 45 PS hatte, brachte diese das Doppelte. "Das war die Mammutmaschine, die stellte alles in den Schatten. So eine fuhr der Playboy Gunter Sachs."

Ein anderes Ausstellungsstück schrieb in den 70ern Filmgeschichte: 007 Roger Moore tauchte in "Der Spion der mich liebte" mit dem Lotus Esprit aus dem Wasser auf und warf mit spitzen Fingern einen Fisch aus dem Fenster. In Fichtelberg ist das als originalgroßes Kunststoffmodell (kleines Bild links oben) des Wagens zu sehen.

Das Museum zeigt Verkehrsgeschichte - und damit Zeitgeist. "Das war mein erstes Auto", rufen viele bei der "Ente", andere erinnert der VW Bulli an die Hippiezeit. Oma berichtet vom ersten Italienurlaub, manch einer sieht zum ersten Mal eine echte "Rennpappe": einen Renntrabant, 500 Kilo, 90 PS. Oft erzählen sich die Museumsbesucher lange vergessene Familienan ekdoten. Eine Ecke erinnert an die Familiengeschichte der Eckerts: unrestaurierte Oldtimer zwischen alten Skiern und Fässern. Solche Scheunenschätze gibt es heute kaum noch, "So", Constantin Eckert lächelt, "hat mein Vater die Fahrzeuge noch gefunden."