Roßfeld
Reisereportage

Mit dem Tuk-Tuk quer durchs Coburger Land

Seine neuste Expedition führt Michael Kessler auch durchs Coburger Land. Entlang des Grünen Bandes ist der Schauspieler für den RBB unterwegs, auf der Suche nach Geschichten. Am Donnerstag ging es von Roßfeld nach Bad Königshofen.
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Im roten Tuk-Tuk, das in Indien zigtausenfach als Taxi herumfährt, ist Michael Kessler auf seiner neusten Expedition unterwegs. Foto: Ulrike Nauer
Im roten Tuk-Tuk, das in Indien zigtausenfach als Taxi herumfährt, ist Michael Kessler auf seiner neusten Expedition unterwegs. Foto: Ulrike Nauer
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"Ich weiß jetzt, was ,Coborcher Rutscher‘ sind und dass die Rostbratwurst auf ,Kühle‘ gebraten wird." Michael Kessler lacht. Nein, wir seien nicht die ersten, die ihn auf den Coburger Bratwurst-Skandal ansprechen. Zu den "Rutschern" kam Kessler übrigens, weil er mit seinem Team auf einer Konfirmationsfeier landete. Aber generell findet er den fränkischen Zungenschlag toll. "Einer meiner Lieblingsdialekte."

Michael Kessler kennt man als urkomischen Günther-Jauch-Parodisten aus der Satire-Show "Switch reloaded" oder von seinen Gastauftritten in der Sat1-Sitcom "Pastewka". Der 46-Jährige hat aber auch eine weniger komödiantische Seite und die lebt er seit 2010 mit der vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) produzierten Serie "Kesslers Expedition" aus. In dieser Reisereportage der etwas anderen Art erkundet Kessler mit mehr oder weniger ausgefallenen Fortbewegungsmitteln vorwiegend Regionen in den neuen Bundesländern.

Start am Dreiländereck

Passend zum 25. Jahrestag des Mauerfalls und für seine zehnte Expedition hat sich Kessler die ehemalige deutsch-deutsche Grenze als Ziel ausgesucht. Los ging es am vergangenen Samstag im Dreiländereck bei Hof. Sein fahrbarer Untersatz: ein knallrotes Tuk-Tuk, das - wie ein großes Schild am Heck verrät - offizielles Expeditionsfahrzeug des "Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland" ist.

Das Dreirad mit Elektromotor, das in Indien zigtausendfach als Taxi herumfährt, kann ganz schön Tempo machen, verrät Kessler. "Aber wir fahren nur etwa 20 Stundenkilometer, damit's nicht so wackelt." Vor ihm sitzt nämlich auf der Ladefläche eines zweiten Elektrofahrzeugs Kameramann Sören, der Kessler samt Tuk-Tuk filmt.
Im Cockpit des auffälligen Flitzers liegen Kekse, Schokoriegel und eine Banane als Proviant bereit. Außerdem ist eine weitere Kamera installiert. Hinter dem Fahrer gibt es eine breite Bank für Fahrgäste. Verglichen mit den anderen Vehikeln, mit denen der 46-Jährige bisher unterwegs war (darunter ein Floß, ein Hundeschlitten und ein Aufsitzrasenmäher), sieht die asiatische Variante des Taxis richtig bequem aus. Das soll auch so sein. "Wir brauchten diesmal ein Fahrzeug, das Strecke machen kann", erklärt Kessler. Vor ihm liegen 1300 Kilometer, aufgeteilt in Tagesetappen zu je 50 Kilometer. Zu Fuß wäre das nicht zu schaffen.

Aus dem ehemaligen Grenzstreifen ist längst das Naturschutzprojekt Grünes Band geworden. Das sei in manchen Ecken Deutschlands kaum bekannt. Außerdem ist der Jahrestag der Grenzöffnung "ein Jubiläum, das man feiern muss", findet der gebürtige Wiesbadener.

1989 war Kessler gerade Schauspielschüler, hatte Freunde in Berlin und in Meiningen. "Die Ereignisse haben mich damals sehr bewegt", sagt er. Auf seiner Reise will er erfahren, wie die Menschen entlang des ehemaligen Grenzstreifens die letzten 25 Jahre erlebt haben, was sich geändert hat. Ob die beiden deutschen Staaten wirklich zusammengewachsen sind.

Das funktioniert am besten, wenn man die Menschen überrascht, sie praktisch in ihrem Vorgarten erwischt - "dann bekommen Sie ganz andere Geschichten zu hören", weiß der Profi. Wird er denn auch erkannt? "Im Raum Brandenburg etwas mehr", sagt Kessler. Aber auch hier kennen die Menschen sein Gesicht und können mit der Sendung "Kesslers Expedition" etwas anfangen. Das hilft beim Drehen. "Die Leute wissen, dass sie bei diesem Format nicht verarscht werden."

Nicht immer nur lustig

Die Franken, das hat Kessler in den ersten Tagen schon feststellen dürfen, haben Humor. Allerdings sind die Geschichten, die er ausgräbt, nicht immer nur lustig, wie ein Beispiel zeigt. In einem Garten hatten er und sein Team Kunstgegenstände erspäht. Der ältere Herr, dem der Garten gehörte, ließ sich schließlich aufs Gespräch ein. "Er war schwer krank gewesen, erklärte uns die Kunstgegenstände und trug Gedichte vor", erinnert sich Kessler. "Am Ende sagte er, das hätte er sich immer schon gewünscht. Eine sehr emotionale Geschichte."

Was gefilmt wird und was nicht - das Team hat übrigens auch eine Drohne für Luftaufnahmen dabei - werde vorher nicht festgelegt. "Wir stecken die Strecken ab und sehen, was passiert." Nach der Übernachtung in Roßfeld ging es gestern weiter über Ummerstadt nach Bad Königshofen. Wer Kessler auf seinem roten Tuk-Tuk treffen will, kann sich auf Facebook (www.facebook.com/kesslersexpedition) über die tägliche Route informieren. Dort gibt es auch schon erste Bilder von der Reise.

Doppelfolge im "Ersten"

Erstmals hat "Kesslers Expedition" auch den Sprung in die ARD geschafft. Eine Zusammenfassung läuft dort in einer Doppelfolge am 3. und 4. Oktober. Auf RBB werden alle acht Folgen ungekürzt gesendet.

Insgesamt wird die siebenköpfige Truppe zwei Mal zwei Wochen unterwegs sein. Bei Göttingen wird die Reise aber für ein paar Wochen unterbrochen, ehe es von dort aus weiter geht bis Prerow. Warum die Pause? "Wir wollen die WM umgehen", erklärt Kessler. "Denn das ist nicht unser Thema."


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