Stammheim
Zeitgeschichte

Militaria-Sammlung in Stammheim: Mit Pulverdampf und Friedensbrot

Wohl kein Museum in Franken hat es zu solcher Berühmtheit gebracht wie das in Stammheim. Günter Weißenseels große Militaria-Sammlung spielt in etlichen Hollywood-Filmen eine Hauptrolle. Die Botschaft aus dem Weinland ist aber alles andere als kriegerisch: Hier reichen sich die Feinde von einst die Hand zur Versöhnung.
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Kriegsspiele im Museum in Stammheim: Dahinter weht die Friedensbotschaft. Foto: Museum Stamnheim
Kriegsspiele im Museum in Stammheim: Dahinter weht die Friedensbotschaft. Foto: Museum Stamnheim
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Die beiden Museen, die wir beim Frankentausch vorstellen, haben erstaunlich viele Gemeinsamkeiten, obwohl sie auf den ersten Blick völlig unterschiedlich sind. Die Keimzelle ist in Stammheim wie in Hofheim die private Sammelleidenschaft, der Motor das ehrenamtliche Engagement vieler Helfer, und hier wie dort dampft es ab und an.

Bei Walter Lehmann im Eisenbahnmuseum sind es alte Lokomotiven, die auf den 300 verbliebenen Schienenmetern ab und an Dampf ablassen dürfen. Bei Günter Weißenseel in Stammheim ist es der Pulverdampf. In Hofheim sind es die friedlichen alten Schienenrösser, die in aufregenden Zeiten den Fortschritt ins Land und die Menschen vom Land in die Stadt brachten.

Jugenderinnerungen

In Stammheim geht es auf den ersten Blick weniger friedlich zu; da starren dem Besucher Waffen entgegen, Kampfflugzeuge und Panzer, martialisches Kriegsgerät. Dabei gibt es wohl kaum einen friedfertigeren Menschen als Günter Weißensseel, eine Seele von Mensch und die Seele eines Museums, das 1997 im Freundeskreis entstand und eine erstaunliche Entwicklung genommen hat. Und das ist nicht nur so dahergesagt. Sogar Hollywood schaut nach Stammheim.

"Gut, ja, das hat eine gewisse Eigendynamik gekriegt", sagt Weißenseel. In der Nachkriegszeit aufgewachsen, ist der Bauunternehmer alles andere als kriegerisch veranlagt. Und doch war seine Jugend von der militärischen Präsenz geprägt. "Die großen Manöver der Amerikaner, das waren richtige Abenteuer für uns Jungs", erinnert sich der Museumsleiter an so manche geschwänzte Schulstunde.

So wie die Vergangenheit nicht zuletzt auch in flüchtigen Erinnerungen, Gerüchen und Gefühlen zum Leben erwacht, wenn man das Bahnhofsmuseum/den Museumsbahnhof in Hofheim betritt, so hat Günter Weißenseel in Stammheim ein Stück weit der eigenen Kindheit und Jugend ein Museum gebaut.

Privilegierte Generationen

Ein inzwischen ziemlich erwachsenes. Mit 17.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und weit mehr als 20 000 Ausstellungsstücken von der Erkennungsmarke bis zum Panzer und von der Pickelhaube bis zum größten Doppeldecker der Welt gilt Weißenseels Reich als bedeutendste militärhistorische Sammlung im Land. In zahlreichen Hollywoodfilmen und deutschen Produktionen, zuletzt der ZDF-Dokumentation über den Ersten Weltkrieg, spielten die Requisiten aus Stammheim eine Hauptrolle.

Dabei legt der Sammler den Fokus auf "historisch". "Ich gehöre zu den privilegierten Generationen", philosophiert er. Niemals zuvor hat Europa eine friedliche Zeit erlebt, die so lange währte. Man muss nur in Wikipedia nach Daten suchen: 12. September 1618, 2. August 1734, 23. Januar 1841 ... Immer wird man unter den "Ereignissen" ein kriegerisches finden.

Haben Sie jedient?

Bei Walter Lehmann in Hofheim erinnern auf den ersten Blick allenfalls die Uniformen der Bahnbeamten von einst daran, wie sehr das Militärische lange Zeit Staat und Gesellschaft durchdrang. Man denke nur an die Frage, mit der der Schuster Voigt, der legendäre "Hauptmann von Köpenick", überall konfrontiert wird: "Haben Sie jedient?" Auch der Ausbau des deutschen Bahnnetzes diente ja nicht zuletzt dem Militär!

Solche Zusammenhänge "wollen wir den Menschen bewusst machen, zeigen, welch ein Schatz der Frieden ist", sagt Weißenseel. Deshalb weht hinter dem Pulverdampf immer auch die weiße Fahne des Friedens. Aktuell tragen Weißenseel und seine Mitstreiter die Friedensbotschaft nach Frankreich. Bei den Feiern zum Gedenken an die Landung der Alliierten in der Normandie vor 70 Jahren lieferte eine mobile Feldbäckerei aus Unterfranken das Friedensbrot. Dazu gab es Bratwürste und Sauerkraut aus dampfenden Kesseln.

Während beim Besuch in Walter Lehmanns Eisenbahnparadies ein wenig Sehnsucht nach der guten alten Zeit aufkeimt, sieht man bei Günter Weißenseel, dass an der alten Zeit dann doch wahrlich nicht alles gut war ...