Kirchehrenbach
Gastronomie

Kunst, Genuss und Tradition in Kirchehrenbach

Der Stammtisch ist dem "kleinen Wirt" Alex Sponsel genauso wichtig wie Kunst, Kultur und gutes Essen aus eigener Herstellung. Die Entdecker-Wochen machen Station im Gasthaus Sponsel in Kirchehrenbach (Landkreis Forchheim).
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Das Gasthaus Sponsel Foto: Josef Hofbauer
Das Gasthaus Sponsel Foto: Josef Hofbauer
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Klaus Karl Kraus, Lizzy Aumeier, Bernd Regenauer und Alexander Göttlicher fühlen sich im Gasthaus Sponsel mittlerweile genauso wohl wie die Mitglieder des Stammtisches vom "scharfen Eck" oder jene Gäste, die sich hier seit 40 Jahren auf ein Feierabend-Bier treffen. Junior Alex Sponsel braucht beides. "Zum einen möchten wir ein Gasthaus für die Einheimischen sein, andererseits müssen wir auch ein anderes Klientel erschließen, um überleben zu können", formuliert der gelernte Hotelfachmann.

Die Idee, Gäste aus der Region in das Landgasthaus zu locken, das vor über 300 Jahren entstanden ist, hatte Fritz Sponsel vor 20 Jahren. "Gasthäuser waren seit jeher Träger der Kleinkunst in den ländlichen Gebieten. Da wurde gesungen, da wurde Musik gemacht, da wurden Geschichten erzählt", argumentiert Fritz Sponsel (59). Deshalb hat er in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturverein die "Kirchehrenbacher Kulturwochen" ins Leben gerufen. "In dieser Art war das damals etwas völlig Neues: Das Wirtshaus als Bühne für die Kleinkunst zu nutzen", erinnert sich Fritz Sponsel an die erste Lesung mit Fitzgerald Kusz. Das war 1987. Seither verwandelt sich das Gasthaus "Zum schwarzen Adler" jedes Jahr im Spätherbst in ein kleines Mekka für Kulturliebhaber.


Rund ums Walberla


Seit 14 Jahren gibt es den Tourismusverein rund ums Walberla, in dem sich Gastwirte und Vermieter zusammengeschlossen haben, um den Tourismus zu fördern. Dieser Verein rief die Aktion "Kunst und Genuss" ins Leben. Die Gaststätten verwandeln sich in Kunstgalerien, wenn die Künstler aus der Region in den Wirtshäusern ihre Werke präsentieren.

Diese Idee kam bei den Gästen so gut an, dass sich Fritz Sponsel entschlossen hat, sein Gasthaus als Dauer-Atelier zu nutzen. So sind derzeit Bilder des Nürnberger Grafikers Peter Derrfuß zu sehen. Und gleich rechts neben der Tür hängt in der Gaststube das Jubiläumsplakat "Zehn Jahre Kunst und Genuss" mit den tanzenden Walberla-Hexen, gemalt von Volker Hahn.

Die Gaststube des Gasthauses, das laut Chronik 1682 mit Steinen aus den Ruinen des 30-jährigen Krieges erbaut wurde und seit 1840 im Besitz der Familie Sponsel ist, atmet Tradition. Die Einrichtung ist schlicht, aber gemütlich. Die Tische aus unbehandeltem Ahorn, eine umlaufende Eckbank und ein Holzfußboden vermitteln Behaglichkeit.

Die schätzen die Kirchehrenbacher seit Jahrzehnten. "Ich bin jetzt 64. Ich bin regelmäßig hier, seit ich in dieser Wirtschaft mit 15 oder 16 mein erstes Bier getrunken habe", bekennt Willi Postler, der dafür Zustimmung seines Nebenmannes Ludwig Trautner erhält. "Bei mir ist das genauso." Jeden Freitagabend treffen sie sich mit einigen anderen zum Gedankenaustausch. Was dem Gemeinderat Raimund Albert besonders gefällt: "Hier sitzen drei Generationen zusammen." Ältester der Runde ist Theo Schnitzerlein mit 79 Jahren.

Und weil sie sich sowieso jeden Freitag treffen, kam die Idee auf, einen zweiten Stammtisch ins Leben zu rufen. "Zum Adlerhorst" nennt sich die Truppe mit dem jungen Vorsitzenden Thomas Dorsch. Der "kleine Wirt", wie die Stammtischler Alex Sponsel (21) nennen, spendierte aus Anlass der Stammtisch-Gründung gleich ein Fässla Bier, das Vereinschef Thomas Dorsch anzapfen durfte. Die Anzahl der Schläge, die er benötigte, wird übrigens nur gegen eine Spende in das Sparschwein des Stammtisches verraten.


Ein Balken und ein Hammer


Beim Thema Schläge erinnert sich Theo Schnitzerlein, dass früher im Wirtshaus genagelt wurde. "Da hat einer einen Balken, lange Nägel und einen Zimmermannshammer mit in die Gaststube gebracht." Wer den Nagel mit den wenigsten Hammerschlägen im Holz versenkte, hatte gewonnen. Wer die meisten Schläge brauchte, musste eine Runde ausgeben, zumindest aber eine Maß Bier spendieren.

"Wir sind ein lockerer Haufen", sagt Klaus Gebhardt. Die Anwesenheit ist erwünscht, aber nicht Pflicht. Auch der Monatsbeitrag ist eher eine Spende.


Das älteste Dokument


Ältestes Dokument der Familie ist die Abschrift eines Prüfungsprotokolls aus dem Jahr 1769, vermutlich der Meisterbrief des damaligen Brauers und Wirtes. 15 Kronen kostete dieses Dokument. Die Tradition wahren, aber für die Anforderungen der Zukunft offen sein. So formuliert der Genussbotschafter der Genussregion Oberfranken und Edelbranntsommelier Alex Sponsel das Motto des Hauses. Will heißen: "Wir leben und wirtschaften im Einklang mit dem Land. Wir füttern die Zicklein und Schweine noch selbst und auch die Kirschen, Zwetschgen oder Mirabellen für die hauseigenen Brände stammen aus eigenen Beständen." Doch die Rezepte für die Küche und die geistigen Getränke sind ein Familiengeheimnis.