Nürnberg
Museum

Im Nürnberger Turm der Illusionen

Was wir als wirklich und wahrhaftig erleben, kann auch einfach ein Irrtum unseres Gehirns sein. Das entdecken die Besucher im Nürnberger "Turm der Sinne".
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Keine Fotomontage: Der Größenunterschied zwischen Museumsleiterin Jana Marks und Volontär Dominique Böhm entsteht im Kopf des Betrachters. Die rechte Wand ist höher und länger als die linke, die Fenster verzerrt, der Boden abschüssig - ein perspektivischer Widerspruch, den das Hirn korrigiert. Foto: Ronald Rinklef
Keine Fotomontage: Der Größenunterschied zwischen Museumsleiterin Jana Marks und Volontär Dominique Böhm entsteht im Kopf des Betrachters. Die rechte Wand ist höher und länger als die linke, die Fenster verzerrt, der Boden abschüssig - ein perspektivischer Widerspruch, den das Hirn korrigiert. Foto: Ronald Rinklef
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Verkehrt! Die Welt stimmt nicht. Menschen verwandeln sich in Zwerge und Riesen, Bilder schwanken und ein halbes Klötzchen fühlt sich doppelt so schwer an wie ein ganzes. Das alles sehen die Besucher mit eigenen Augen, sie fühlen es mit ihren Händen, probieren es aus, lesen die Erklärung dazu auf den Schautafeln, verste hen - und können trotzdem nicht verhindern, dass ihr Gehirn ihnen etwas Falsches vorgaukelt. "Mir geht es auch nicht anders", sagt Jana Marks. Die Projektleiterin kann alle Experimente im "Turm der Sinne" erklären. Aber sie kann nicht verhindern, dass einige immer wieder funktionieren.


Die Welt entsteht im Kopf
"Wir sehen die Welt nicht!" Marks lächelt selbstsicher. "Wir interpretieren sie, vergleichen mit dem, was wir kennen, mit unserer Erfahrung: mit dem, was wir sehen wollen." Beispielsweise einen Raum, in dem alle Wände gleich hoch sind. Wie gewohnt. Wie es sein muss. Nur das akzeptiert unser Hirn - und wenn es wie in dem schiefen Zimmer im "Turm" anders ist, rechnet es das Ganze so um, dass es wieder richtig scheint. Abgesehen von dem Phänomen, dass Menschen in den Ecken dieses Raumes wie Zwerge oder Riesen aussehen.

An der Gleichgewichtswand
"Wir basteln uns die dreidimensionale Welt im Kopf - immer kann das nicht gut gehen." Erstaunlich oft klappt es aber doch. Bei der Wahrnehmung von Entfernungen werden Größenverhältnisse einkalkuliert, beim Greifen wird der Kraftaufwand auf ein vermutetes Gewicht abgestimmt - alles automatische Mechanismen. Die Hauptarbeit leistet das Gehirn unbewusst. Der Verstand bräuchte viel zu viel Energie, wenn er das alles permanent berechnen müsste. Wer sich in dem alten Stadtturm durch sechs Stockwerke mit je etwa 20 Quadratmetern schaut, schnuppert, tastet, hört und schmeckt, der entdeckt seine Sinneswahrnehmung ganz neu. So wie gerade ein halbes Dutzend Schüler vor der "Gleichgewichtswand": Ein Mädchen steht auf einem Bein und starrt auf die schwarzen und weißen Längsstreifen. Sie kippt fast um, als ihre Mitschüler die rollbare Wand verschieben. "Der Kopf will die Bewegung ausgleichen und schwingt mit in die Zugrichtung" , erklärt Marks, während die Jugendlichen ihre schwankende Klassenkameradin zum Brüllen komisch finden.

Gut eineinhalb Stunden einplanen
Es ist laut, eng, fröhlich - Alltag für Marks. "Besucher sollten eineinhalb Stunden einplanen und sich einfach von den Eindrücken überraschen lassen. Sie werden mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen rausgehen." Bei Kindern und Jugendlichen funktioniert das wunderbar. Von weiter unten im "Turm" dringt ebenfalls lautes Gelächter und Geschrei nach oben: Etwa 40 pubertäre Italiener drängen die Treppe hinauf. Das Museum ist auch bei ausländischen Schulklassen beliebt. Deshalb vor einem Besuch unbedingt anrufen. Nicht angemeldeten Gruppen und Einzelbesuchern kann es sonst passieren, dass sie vor dem kleinen Museum verdutzt auf das Schild "Wegen Überfüllung geschlossen" schauen.

Öffnungszeiten und Preise
Preis: 6 € (Erwachsene)
Zeit: gut 1,5 Stunden einplanen
Öffnungszeiten : Di bis Fr: 13 – 17 Uhr, Sa., So. : 11 – 17 Uhr, in den Ferien täglich (also auch montags) 11 – 17 Uhr.

Hinweis: Für angemeldete Gruppen sind Führungen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten möglich. Buchen Sie Ihre Führung bitte spätestens eine Woche im Voraus unter Tel. 0911 / 9443281 oder E-Mail: info@turmdersinne.de.

Büro: Dienstag - Freitag: 10 - 15 Uhr.

Spittlertorgraben 45 (Büro)
90429 Nürnberg
Museum am Westtor

Homepage: http://turmdersinne.de/de/home