Coburg
Begegnung

"Ich, Casimir, Herzog von Sachsen-Coburg"

Der Schauspieler Stephan Mertl schlüpft in die Rolle des einstigen Regenten. Beim Gang durch die Veste Coburg bietet sich die Gelegenheit, deren Sammlungen neu zu entdecken.
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Stephan Mertl als Johann Casimir im sogenannten Jagdintarsienzimmer auf der Veste Coburg. Foto: Jochen Berger
Stephan Mertl als Johann Casimir im sogenannten Jagdintarsienzimmer auf der Veste Coburg. Foto: Jochen Berger
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Grau ist der lang gewachsene Kinnbart, grau das streng aus der Stirn gekämmte Haar, im rechten Ohr funkelt ein dicker Ring: Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg als alter Mann. Wer noch zweifeln sollte, braucht nur auf ein Namensschildchen am schwarzen Wams zu schauen. Coburgs einstiger Regent ist zurückgekehrt auf die Veste, deren Befestigungen er Anfang des 17. Jahrhunderts verstärken ließ, um sie für kriegerische Zeiten zu rüsten.

Casimirs 450. Geburtstag in diesem Jahr bietet den äußeren Anlass für eine szenische Führung durch die Veste. Stephan Mertl, Schauspieler am Landestheater, schlüpft dazu in ein stilechtes Casimir-Outfit, bindet sich eine riesige weiße Halskrause um und geleitet die Nachgeborenen zu einigen beziehungsreichen Stellen und Exponaten.

Die Reise durch das herzogliche Leben beginnt ganz am Ende - unter der hölzernen Grabplatte, welche später als Vorbild für jene Bronzeplatte diente, die noch heute die Grabtumba des Regenten in der Stadtpfarrkirche St. Moriz verschließt. Dieses Holzrelief aber, das Casimir zeigt, findet sich am Treppenaufgang, der hinauf in das zweite Obergeschoss der Steinernen Kemenate führt.

"Gehen wir auf die Jagd"

Was für ein Mensch war dieser Johann Casimir, der am 12. Juni 1564 in Gotha geboren wurde? Allzu viel Privates will Casimir auch bei diesem Rundgang nicht verraten. "Ich habe Erlasse erlassen, aber kein Tagebuch geschrieben", sagt er und warnt seine Zuhörer: "Ich bin keine Person, ich bin ein Bildnis mit einem Ohrring." Es gibt allerlei Bilder und manche Drucksachen, ein paar Briefe - mehr nicht. Viel näher kommt man an Johann Casimir nicht heran, wenn man sich an die Fakten hält. Der Rest wären Mutmaßungen.

Georg Mellert aber, Schauspieldramaturg am Landestheater, bleibt in seinem Text bewusst bei den belegbaren Fakten, versagt sich spekulative Ausschmückungen. "Gehen wir erst mal auf die Jagd", sagt Casimir und führt die Besucher in die sogenannte "Hornstube", besser bekannt als Jagdintarsienzimmer. Zu Casimirs Lebzeiten befand sich dieses von Hofmaler Wolfgang Birckner bildnerisch gestaltete Zimmer freilich nicht auf der Veste, sondern in Schloss Ehrenburg. Erst Herzog Ernst I. ließ die Hornstube ausbauen und auf die Veste bringen. Zwischen den detailreichen Darstellungen von Jagdszenen schwelgt Casimir in Erinnerungen, entdeckt Hofzwerg Ruppert, der Casimir einst auch auf die Jagd begleitete.

In seiner Rolle als Casimir sinniert Mertl über den Lebensweg des späteren Regenten, der viele Jahre gemeinsam mit seinem Bruder Johann Ernst unter der Vormundschaft von Kurfürst August von Sachsen lebte und später dessen Tochter Anna ehelichte. "Ich hab' die Tochter desjenigen geheiratet, der meinen Vater in den Knast gesteckt hatte", wundert sich Casimir rückblickend.

Die Befreiung kommt mit dem Tod des Kurfürsten. Im Alter von 22 Jahren übernimmt Casimir 1586 die Regierung in Coburg und beginnt, die Stadt an der Itz gründlich umzugestalten - fit zu machen für die Aufgabe als Residenz. "Was habe ich nicht alles gebaut", darf Casimir sagen - die Ehrenburg ausgebaut, das Casimirianum errichtet, das eigentlich Universität werden sollte, das Stadthaus und nicht zuletzt das Ballhaus: "Sport und Jagd - das war eines Fürsten würdig."

Betrogen von seiner Frau

In der Schlitten- und Kutschhalle der Veste denkt Casimir grimmig zurück an seine kurze Ehe mit Anna, der Tochter von Kurfürst August von Sachsen: "Die hat mich betrogen, hat mich zum Gespött gemacht bis nach Dresden." Da blickt Mertl mürrisch wie Casimir auf manchem Bildnis aus den späten Jahren. Casimirs Rache an der ungetreuen Gattin ist bekannt: Er ließ Anna lebenslang einsperren, ließ sich scheiden und heiratete ein zweites Mal - Margarethe, Tochter des Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg. Die prachtvolle Kutsche, die Casimir bei jener zweiten Vermählung benutzte, gilt heute als das älteste noch fahrbare Gefährt jener Art weltweit - ein Prunkstück in den Beständen der Coburger Kunstsammlungen.
In der Kutschhalle endet dann auch Casimirs Erinnerungsreise durch das eigene Leben fast ein wenig resigniert: "Dann kam der Dreißigjährige Krieg. Ich wollte mich zwar heraushalten, aber am Ende hat er mich eingeholt." Als Casimir 1633 in Coburg stirbt, wird dieser Krieg noch 15 lange Jahre toben.


Spuren eines Herzogs, der Coburg nachhaltig geprägt hat

Johann Casimir von Sachsen-Coburg wurde am 12. Juni 1564 in Gotha geboren. Casimir stammte aus der Familie der ernestinischen Wettiner. Er förderte Wissenschaft und Künste, das Schützenwesen und die Wehrhaftigkeit des Landes, reorganisierte die Verwaltung und verankerte die Reformation in seinem Staatswesen. Aber auch die Hexenverfolgung gehörte zu den Kennzeichen seiner Regierungszeit. Durch seine Bautätigkeit prägte er das Stadtbild. Er starb am 16. Juli 1633 in Coburg.

Führungen "Mit Johann Casimir durch die Veste Coburg" - Themenführung, bis 2. November, jeden ersten Samstag im Monat, 14 Uhr (Anmeldung nicht erforderlich); "Ich, Casimir, Herzog von Sachsen-Coburg" - Eine szenische Führung mit dem Schauspieler Stephan Mertl (22. Juni, 13. Juli und 7. September, jeweils 17 Uhr); Kostümführung zum 450. Geburtstag von Johann Casimir "Wie küssen sich die zwei so fein" - Herzogin Margarete plaudert über ihren Mann (12. Juni, 14 Uhr

Katalog Franziska Bachner: "Mit Casimir durch die Kunstsammlungen der Veste Coburg", 72 Seiten, 62 Abbildungen, 9 Euro

Ausstellungs-Tipp "Mit Herzog Johann Casimir durch die Veste Coburg - Ausgewählte Objekte in der Dauerausstellung der Kunstsammlungen", Veste Coburg (bis 2. November)

Öffnungszeiten Kunstsammlungen der Veste Coburg: täglich von 9.30 bis 17 Uhr


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