Forchheim
Erinnerungen

Gästebuch des Pilatushofs zeugt von Promi-Besuchen

Von 1979 bis 2002 war der Pilatushof in Forchheim die erste Adresse, wenn es um gediegene Gastlichkeit ging. In dem kleinen, aber feinen Hotel stieg viel Prominenz ab. Gastgeber Hans und Beate Ritschka erlebten TV- Stars ganz privat.
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Dalli-Dalli ist längst vorbei, Erinnerungen auf Agfacolor leben weiter: Hans Ritschka präsentiert vor dem ehemaligen Pilatushof , den er mit seiner Frau Beate 23 Jahre betrieb, sein Gästebuch. Auch der Entertainer Hans Rosenthal hat sich hier verewigt.  Foto: Andreas Oswald
Dalli-Dalli ist längst vorbei, Erinnerungen auf Agfacolor leben weiter: Hans Ritschka präsentiert vor dem ehemaligen Pilatushof , den er mit seiner Frau Beate 23 Jahre betrieb, sein Gästebuch. Auch der Entertainer Hans Rosenthal hat sich hier verewigt. Foto: Andreas Oswald
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Alltagsgeschichten stoßen immer auf großes Gehör. Dies beweist der kürzlich vom Heimatverein vorgestellte Band "Zwischen Gestern und Heute", der reißenden Absatz findet. Doch es gibt auch ein anderes Buch, das bis jetzt im verborgenen schlummerte, aber nicht minder interessante Geschichten erzählt: Das Gästebuch des ehemaligen Pilatushofes.

Das kleine, aber feine Hotel beherbergte in der Kapellenstraße von 1979 bis 2002 weit über 2000 in- und ausländische Gäste - darunter auch Bühnen- und Fernsehstars . Deren Namen wecken bei der älteren Generation Erinnerungen an die Zeiten, als man noch in die "Röhre" glotzte. Den Volksschauspieler Beppo Brem, Dalli-Dalli-Moderator Hans Rosenthal, den Blödelbarden Karl Dall und viele andere Promis der Unterhaltungsbranche erlebten die damaligen Hotelbetreiber Hans und Beate Ritschka "live" in den eigenen vier Wänden.

Beppo Brem fand's "pfundig"

"Gleich im Eröffnungsjahr war Beppo Brem in unserem Pilatushof", erinnert sich Beate Ritschka, die Tochter des unvergessenen "Pfalzgrafen" Geo Kohlmann, der die Gäste in seiner legendären Weinstube gleich nebenan mit den Erzeugnissen fränkischer Winzerkunst vertraut machte. Dem Volksschauspieler muss es gefallen haben: "Pfundig sag i", hinterließ Beppo Brem am 21. Dezember 1979 im Gästebuch des Pilatushofes.

"Frohe Weihnachten 1979", wünschte auch Marianne Lindner, bekannt aus dem Komödienstadel: Denn wieder einmal war Forchheim "Filmstadt". Nach dem Rudolf-Schock-Heimatstreifen "Der lustige Wandersmann" und dem Kirk-Douglas-Klassiker "Stadt ohne Mitleid" wurde damals im Auftrag der Verkehrswacht und des Innenministeriums mit dem bekannten bayerischen Komiker Beppo Brem der Aufklärungsfilm "Senioren als Partner" gedreht. Obwohl Beppo Brem anfangs seiner Karriere auch nicht davor zurückgeschreckt hatte, in den damals verrufenen "Lederhosen"-Sexstreifen mitzuspielen, war dies aber ein Aufklärungsfilm der sauberen Art.

Das Werk, in dem Marianne Lindner als Partnerin des damals 73-jährigen "Grantlers" mäßigend auf ihren Film-Ehemann einwirkte, sollte auf anschauliche und leicht verständliche Weise die ältere Generation auf richtiges Verhalten im Straßenverkehr hinweisen. Marianne Lindner war begeistert von Forchheim und dem Pilatushof: "Es hat uns allen sehr gut gefallen bei Ihnen - 's gute Essen, 's Trinken und 's Schlafen", schrieb sie ins Gästebuch.

1981 logierte Hans Richter im Pilatushof. Der Schauspieler, der mit zwölf Jahren seine Karriere begann, spielte 1931 "Den Fliegenden Hirsch" in der berühmten Erich-Kästner-Verfilmung "Emil und die Detektive". Aus dem ehemaligen "Lausbub des deutschen Films" wurde 50 Jahre später der Direktor der Festspiele in Heppenheim an der Bergstraße. Das war die Zeit, in der er Forchheim besuchte. "Es war sehr schön! Auf baldiges Wiedersehen!", hinterließ er der Familie Ritschka.

Major Tom auf Forchheim-Mission

Als 1983 die neue deutsche Welle auch Forchheim erfasste, gastierte "der singende Astronaut" Peter Schilling - bekannt durch "Major Tom" - in der damaligen Kult-Disco "Schickeria" und nächtigte im Pilatushof.

Auch die schöne Wienerin Erika Pluhar bettete nach einer Lesung in der Stadtbücherei ihr wildes Haupt in den Kissen des kleinen Hotels in der Kapellenstraße - ebenso die Münchner Kabarettistin und Skandalnudel Lisa Fitz nach ihrem Gastspiel "Die heilige Hur".

Prinzenrollen-König DeBeukelaer, Karikaturist Horst Haitzinger ("gut geschlafen, gut und früh gefrühstückt"), der Lyriker und Prosaist Reiner Kunze - der für die "liebenswürdige Pilatus-Herberge" dankt - sind weitere namhafte Gäste.

Rosenthal kam mit Verspätung

Der Prominenteste von allen dürfte jedoch Hans Rosenthal sein. Der Dalli-Dalli-Showmaster war 1983 mit Toni Schwaegerl als Moderator zu einer Rundfunkaufzeichnung nach Forchheim unterwegs - ein "schöner guter Nachmittag" sollte es werden für 700 Senioren in der Jahnhalle. Doch es begann mit Pleiten, Pech und Pannen. Am Abend vor der Veranstaltung wollte Rosenthal bereits im Pilatushof absteigen. "Wir haben ewig auf den gewartet - doch er kam und kam nicht", erinnert sich Beate Ritschka. Eigentlich hätte er von Tony Schwaegerl am Nürnberger Flughafen abgeholt werden sollen - aber der habe ihn vergessen, erzählt die damalige Hotelchefin. Irgendwann spätabends klingelte es - und Hans Rosenthal stand vor der Tür des Pilatushofes. Statt sich "Dalli Dalli" ein Taxi zu nehmen, war er mit dem Zug nach Forchheim gefahren. "So sparsam war der berühmte Showmaster", erinnert sich Beate Ritschka. Längst hat sie das Hotel geschlossen - wo einst Promis logierten, wohnen jetzt Kinder und Enkelkinder.