Schwarzenbach
Comicmuseum Schwarzenbach

Freu! Seufz! Mit Erika Fuchs auf nach Entenhausen!

Erika Fuchs übersetzte die Micky Maus und brachte dabei nicht nur Witz und Humor in die amerikanische Vorlage ein, sondern auch eine ganze Menge Franken. An ihrem früheren Wohnort Schwarzenbach entsteht jetzt Deutschlands größtes Comicmuseum.
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Die erste deutsche Ausgabe der Micky Maus (links oben) erschien im September 1951, übersetzt wurde sie von Anfang an von Erika Fuchs (ganz rechts), der jetzt in ihrem früheren Wohnort Schwarzenbach an der Saale ein Museum gewidmet wird. Museumsleiterin Alexandra Hentschel (unten links) bereitet die Eröffnung vor.  Fotos: Ronald Rinklef
Die erste deutsche Ausgabe der Micky Maus (links oben) erschien im September 1951, übersetzt wurde sie von Anfang an von Erika Fuchs (ganz rechts), der jetzt in ihrem früheren Wohnort Schwarzenbach an der Saale ein Museum gewidmet wird. Museumsleiterin Alexandra Hentschel (unten links) bereitet die Eröffnung vor. Fotos: Ronald Rinklef
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In Entenhausen lebt Gerhard Severin erst seit sechs Jahren. Er ist einer der ehemaligen PräsidEnten der D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus). Vor einigen Jahren kam er mit der Stadt Schwarzenbach (Kreis Hof) überein, dass hier ein Museum zu Ehren von Erika Fuchs entstehen soll. "Es gehört hierher", findet Severin und zählt Orte auf, die er früher nur durch Donald Duck kannte: Oberkotzau, Kleinschloppen, Schnarchenreuth. "Entenhausen liegt in Oberfranken. Wenn jemand einen Brief schreibt: Donald Duck, 95126 Entenhausen, kommt er bei mir an."

Erika Fuchs übersetzte die Micky Maus von 1951 bis 1974. Schwarzenbacher Cafés, Fabriken, Werkstätten und der Tierarzt landeten genauso in den Geschichten wie die Orte aus der Umgebung. "Erika Fuchs hat die Region bekannt gemacht. Und sie hat die deutsche Sprache massiv beeinflusst", sagt der 59-Jährige. Die grammatikalische Form des Inflektivs heißt zu Ehren der Übersetzerin "Erikativ": jubel, freu, seufz! Als Severin in den 60er- Jahren begann, sich für Comics zu interessieren, galt diese Sprache als schlecht, gar schädlich. "Erika Fuchs hat es literarisch so wertvoll gemacht, dass es sich durchsetzte. Hier, in der fränkischen Provinz, ist große Sprachkunst entstanden."


Wegen Donald und Erika Fuchs extra umgezogen

Deshalb ließ sich der Ingolstadter Richter (in Entenhausen wäre Severin wohl eine Eule) nach Hof versetzen, packte Frau und Donald-Sammlung ein und zog nach Schwarzenbach. Im Vorschaumuseum im Alten Rathaus wird noch ein Teil seiner Sammlung gezeigt (www.erika-fuchs.de)

"Die Sammlung ist total schön für eine Ausstellung", sagt Kulturwissenschaftlerin Alexandra Hentschel. "Deshalb bekommt sie im Museum eine riesige Vitrine, raumhoch und fast vier Meter breit." Severin wird sie mehrmals im Jahr umgestalten. Die erste Version muss bis Herbst fertig sein. Dann wird das richtige Erika-Fuchs-Haus, das Museum für Comic und Sprachkunst, eröffnet. Museumsleiterin Hentschel kam vergangenes Jahr vom Kindermuseum Hamburg nach Franken. In Entenhausen wäre sie wohl ein hundeartiges Wesen. "Ich bin noch dabei, mich in diese Welt einzuarbeiten", erklärt die 45-Jährige. Während Severin der Experte in Sachen Donaldismus ist, weiß sie, wie ein Museum funktionieren muss.


Hilfe vom "Klub der Milliardäre"

Von überall her soll es Fans der grafischen Literatur anlocken, schließlich entsteht in der 7500-Einwohner-Stadt auf 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche ein großes Comicmuseum. Aber auch Touristen sollen angesprochen werden. "Wir sind ein Urlaubsgebiet ohne Schönwettergarantie." Besonders wichtig ist Hentschel aber die Region: "Wenn eine Stadt wie Schwarzenbach sich so ein Museum baut, müssen die Menschen vor Ort etwas davon haben."

An den gut vier Millionen Euro Baukosten sind Oberfrankenstiftung und Städtebauförderung massiv beteiligt, ein wenig aber auch der "Klub der Milliardäre" in dem sich Menschen wie Severin für das Museum engagieren. Eigentlich ist er ein strenger Donaldist, aber er sieht ein, dass "Micky Mäuse und ähnliches" vorkommen werden. "Es geht weit über die Familie Duck hinaus", sagt Hentschel. "Das Museum bettet diese Welt in das Gesamtspektrum des Comics ein." Der Rundgang wird mit der Geschichte des Comics beginnen, durch ein begehbares Entenhausen samt riesigem Geldspeicher führen, Erika Fuchs' Leben erzählen und jede Menge spielerische Elemente bieten. "Beim Wett-Alliterieren wird ein Buchstabe gewürfelt, sagen wir mal: ein T" - Severin unterbricht: "Das tötet Trichinen selbst hinter Tresortüren!" Donaldisten sind bei diesen Spielen im Vorteil.


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