Hofheim i. UFr.
Nostalgie

Eisenbahnmuseum in Hofheim: Mit Volldampf in die Vergangenheit

Vor 122 Jahren dampfte zum ersten Mal ein Zug von Haßfurt nach Hofheim. 1995 ging dem "Hofheimerle" die Luft aus. Heute sind auf der Bahntrasse die Radfahrer unterwegs. An der Endstation sorgt Walter Lehmann mit seinem einzigartigen Museum dafür, dass das Bähnle nicht auf dem Abstellgleis landet.
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Walter Lehmann und der Zug in die Eisenbahn-Nostalgie.  Fotos: Günter Flegel
Walter Lehmann und der Zug in die Eisenbahn-Nostalgie. Fotos: Günter Flegel
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Der Begriff ist so abgenutzt wie die Schienen, auf denen Walter Lehmann durch sein Reich läuft: "Die Vergangenheit wird lebendig." Kann Vergangenheit denn überhaupt lebendig werden? Ist sie, anders gefragt, überhaupt jemals gestorben? Nichts von alledem. Vergangenheit lebt, sie lebt vor allem in den Erinnerungen und an besonderen Plätzen.

Das Eisenbahnmuseum im unterfränkischen Hofheim ist einer dieser besonderen Plätze. Hier öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit, das man gar nicht so sehr an den Dingen festmachen kann, die man hier sieht, allerlei Utensilien aus einer Zeit, als Züge noch riechen und Schaffner noch Löcher in die Fahrkarten machen durften. Hier wird die Geschichte in all ihrer Flüchtigkeit doch greifbar.

Ein Museum spielt Krieg

40 Kilometer südlich von Hofheim macht das Museum in Stammheim am Main das Ganze ganz ähnlich und doch ganz anders. Panzer und Jagdflugzeuge sind dort die Hingucker, die Zeitreise mit dem Vater des Museums, Günter Weißenseel, ist schon auf den ersten Blick spannend und aufregend, so aufregend, dass sogar schon der Film das beschauliche Weindorf am Main entdeckt hat. Hollywood in Franken mit Pulverdampf.

In Hofheim geht es nicht so spektakulär zu. Brav hat einst das "Hofheimerle" Generationen von Schülern schnaufend durch die Haßberge kutschiert. Unaufgeregt und zuverlässig, so wie Emil Lehmann seinen Dienst bei der Bahn tat. Der Vater von Walter ging schon vor dem "Schnauferl" in die Rente, aber die Schienen haben den Eisenbahner mit Herz und Seele, der 1993 starb, nie losgelassen.

Schon als Bahnhofsvorsteher in Hofheim sammelte "der Emil", der in der Haßgau-Stadt nicht weniger bekannt war als der Bürgermeister, unermüdlich Utensilien rund um die Bahn.

Heute ist der ganze Bahnhof, in dessen Obergeschoss Familie Lehmann wohnt, ein Museum, inklusive 300 Meter Original-Schiene, die vor der Verschrottung gerettet werden konnten, als die Bahn 1995 die Signale auf der nicht mehr rentablen Nebenstrecke auf Rot stellte.

Die Züge rollen noch

Walter Lehmann lässt ab und an auf dem kurzen Stück Bahn-Nostalgie Züge rollen. "Zu besonderen Anlässen, besonders für Kinder ist das immer ein Riesenerlebnis", erzählt der 61-Jährige Museumsleiter "im Nebenerwerb". Der Maschinenbauer arbeitet der der Firma Elso im Ort, steuert in Richtung Ruhestand und nutzt sein Fachwissen, um das Erbe des Vaters zu erhalten. "Es gibt immer was zu reparieren und zu schrauben", sagt Lehmann; die größten Ausstellungsstücke rund um Bahnhof und Güterhalle stehen im Freien, sind Wind und Wetter ausgesetzt. Der allgegenwärtige Rost und das Gras, das zwischen den Schwellen wächst, geben dem Museum eine eigene Anmutung. Irgendwie ist hier die Zeit stehen und dabei doch lebendig geblieben.

Gut 2000 Besucher zählt Familie Lehmann jedes Jahr - erstaunlich für ein Museum, das "auf Zuruf" öffnet - und gratis obendrein. "Wer kommt, ist willkommen und kann sich umschauen", sagt Lehmann, der das stählerne Erbe seines Vaters mit Hilfe der Spenden der Besucher und einer kleinen Schar freiwilliger Helfer erhalten kann. Wer besitzt schon einen Bahnhof mit allem Drum und Dran? Wer alles sehen will oder mit einer Gruppe anreist, sollte sich vorher anmelden (Tel. 09523/1305).

Friedensbrot in Frankreich

Das muss man in Stammheim nicht tun. Das Museum, das 1997 im Freundeskreis von Günter Weißenseel entstand, ist erwachsen geworden: eine Homepage, prominente Besucher und Kontakte in ganz Europa sorgen für Hochbetrieb. Eben ist Weißenseel mit einer Gruppe des Museumsvereins nach Frankreich unterwegs. In der Normandie wirken die Franken an den Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten mit. "Wir backen mit den französischen Freunden Friedensbrot", schildert Weißenseel, wie für ihn die Geschichte lebt. Wie es dazu kam und wie Hollywood nach Unterfranken kam, erzählt er hier demnächst.



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