Im Arbeitshof neben den großen Gewächshäusern des Botanischen Gartens in Erlangen wimmelt es nur so von Besuchern. Besonders die Chance, ungewöhnliche Kräuter zu ergattern, hat sie aus nah und fern angelockt. Fachsimpeln ist angesagt bei der Pflanzenbörse des Botanischen Gartens. Denn Pfefferminz ist nicht gleich Pfefferminz.
Ein Duft wie aus einem frisch eingeschenkten Glas Cola liegt über einem der "Händlertische". Eine Frau streicht über ein Gewächs mit zart gefiederten Blättchen. "Das ist ein Cola-Strauch", erfährt sie von der Anbieterin. "Eigentlich heißt die Pflanze Eberraute und gibt einen leicht pfefferigen Geschmack am Salat, zum Beispiel", fügt sie gleich an.

Maggi-Kraut ist schon vorhanden

Die potenzielle Käuferin räumt ein, weder den einen noch den anderen Namen je gehört zu haben. "Winterhart ist er auch", ergänzt die Verkäuferin. Sowas fehlt noch in ihrem Kräuterbeet, meint die Kundin und lässt sich das Stöckchen einpacken. "Maggikraut wäre auch noch im Angebot." - "Nein, danke, Liebstöckel habe ich schon in meinem Kräuterbeet."

Aus Oberasbach ist diese Käuferin gekommen, erfährt die Höchstadterin neben ihr. Die entschließt sich, das zweite Eberrauten-Töpfchen zu kaufen. Nur so zur Zierde, denn gekommen ist sie mit der Absicht, ihr Kräuterbeet um unterschiedliche Minz-Sorten zu erweitern. Nana-Minze, die klassische Sorte für würzigen Tee, hat sie schon erworben, und vermutlich eine ostasiatische Variante.

Genaueres hat sie nicht erfahren können. Bis die beiden Damen an eine wahre Fachfrau geraten. Sie hat ihr Handwerk im Botanischen Garten gelernt, kommt nachher beim ausführlichen Verkaufsgespräch heraus. Allein an Pfefferminze hat sie um die zehn Sorten im Angebot. Schildchen weisen ihre Herkunft aus: Die spanische Minze hat etwas kleinere, etwas rauere Blätter. Richtig winzig sind die der Kentucky-Minze. Dass sie zu einer Pflanzengattung gehören, erkennt man sofort an den typischen rötlichen Stielen und den tiefdunkelgrünen Blättern.

An ihrem Stand beäugt die kleine Marie die Töpfchen und zupft zaghaft an den Blättchen. Minzduft mit einigen ergänzenden Nuancen steigt in die Nase der zwei Käuferinnen. Die Fünfjährige greift an ein Stöckchen mit helleren, schmalen Blättern. Das muss was anderes sein, denkt man. Doch auch hier entströmt der typische Minzduft. "Das ist Karoo-Minze aus Afrika", erklärt bereitwillig die Gärtnerin.

Das beeindruckt Marie sehr. Sie ist aus Nürnberg mit ihrer Oma zur späteren Führung durch das Alpinum gekommen und gehört schon zu den Stammgästen des Botanischen Gartens. "Wenn ich sie frage, was wir zusammen machen könnten, will sie immer hierher."

Die meisten Anbieter haben eine Vielzahl von kleinen Töpfchen vor sich stehen. Zwischendurch auch ein großes Gewächs. Sie sind Hobbygärtner aus Leidenschaft, die ihre überschüssige "Produktion" an den Mann bringen wollen. Von stacheligen Kakteenkugeln bis hin zu Kräutern und Bepflanzung für Steingärten.

Führung ins "Gebirge"

Schneller als erwartet hat sich die Tasche der Höchstadterin gefüllt. Dennoch schließt sie sich nach einer Kaffeepause der Führung an. Jakob Stiglmayr, der frühere Chefgärtner, bietet im Namen des Freundeskreises des Botanischen Gartens eine "Alpenexkursion" an. Bis in die Regionen knapp unterhalb des ewigen Schnees wird es gehen.

In der Garten-Realität liegen sie allenfalls zwei Meter über dem Niveau der Tulpenbeete und der Seerosenteiche. Die geführte Gruppe bildet eine Schlange, die von dem Geröllfeld der kalkigen Südalpen bis zu den grünlichen Serpentinfelsen reicht. Viele verbinden Pflanzenbörse und fachmännische Information. Das weiß Stiglmayr und schiebt ein Extrakapitel "alpine Steingärten in Pflanztrögen" ein.