Bad Brückenau
Entdeckerwochen

In königlicher Atmosphäre

Stefan und Christine Müller teilen ihre Leidenschaft mit den Bad Brückenauern und Touristen. Sie fahren wieder Touren mit dem Planwagen vom Staatsbad in die Stadt.
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Auf dem Marktplatz machen die Pferde Pause. Gäste können zusteigen.   Fotos: Stephanie Elm
Auf dem Marktplatz machen die Pferde Pause. Gäste können zusteigen. Fotos: Stephanie Elm
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Cool sind Ben und Denver, die beiden Vertreter des "Schweren Warmblut", die in sommerlicher Hitze ihre Tour drehen. Sie kennen den Weg aus dem Effeff - und ihren Kutscher Stefan Müller sowieso. Seit Samstag finden die Planwagenfahrten zwischen der Stadt und dem Staatsbad wieder statt.

Routiniert fahren die beiden Pferde mit der Kutsche an der Deichsel und an den Zugleinen vor dem Lola-Montez-Saal vor. Die Jungfernfahrt im nagelneuen Schmuckstück von Stefan und Christine Müller kann angetreten werden. Sogleich steigen Horst und Angelika Laun zu.

Beide verbringen die letzten Urlaubstage im Staatsbad und machen "gerne immer mal wieder eine Kutschfahrt". Seit vier Jahren ist das Paar aus Heringen verheiratet und genießt die "Gemütlichkeit, das Klappern der Hufe, das Schunkeln - einfach schön." Unter dem Plandach weht ihnen ein leichter Fahrtwind um die Nase. Angelika Laun fuhr als Kind schon gerne auf der Kutsche von ihrem Großvater mit - damals allerdings, um Heu oder Rüben zu holen. Heute fühlt sich das anders an: "Ich sitze hier wie ein König", schwärmt sie.

Ausgeglichen und nervenstark

Das "Schwere Warmblut" ist "speziell als Kutschpferd gezüchtet", erzählt Christine Müller, die mit ihrem Mann seit 1992 Planwagenfahrten anbietet, im Staatsbad seit 2003. Robust und widerstandsfähig sind die Pferde, darüber hinaus ruhig und ausgeglichen sowie leistungs- und nervenstark. Dennoch hat jedes seine Eigenheiten. Wenn Denver langweilig wird, fängt er an zu husten. Ben ist eindeutig cooler, Denver neugierig.

Pferde und Kutscher kennen sich in- und auswendig. Das muss auch so sein, damit ein reibungsloser Personentransport gewährleistet ist. "Es braucht bestimmt ein halbes bis ein Jahr, bevor Pferde Personen fahren können." Stefan Müller hat nach dem Basisschein für Kutschfahrten das bronzene Fahrabzeichen erworben und darf Ein- und Zweispänner führen.

Obwohl Ben und Denver schon von Zucht auf Kutschen pferdegene besitzen, muss entsprechende Erziehung den Feinschliff bringen. Den haben sie von Stefan Müller erhalten. Zwar waren die beiden schon beim Vorbesitzer "angespannt", das heißt, zum ersten Mal vor eine Kutsche gespannt worden, allerdings war das in Polen nahe der russischen Grenze. "Dort setzt man Pferde noch in der Landwirtschaft ein, da kennen die aber keine Straßenbegrenzungen." Das und den Umgang mit Verkehr haben die beiden bei Stefan Müller gelernt. "Pferde müssen besser gehorchen als ein Hund. Sonst bist du verloren", weiß Stefan Müller. Jahrelanges Training schweißt zusammen, immerhin haben die Müllers ihren Ben schon seit 1997, Denver kam 2000 in ihren inzwischen fünf Pferde umfassenden Bestand dazu.

Damit die Fahrt sicher ist

In der Kutsche kommt königliches Feeling auf. Die Ruhe der Pferde strahlt auf die Fahrgäste aus. Die kann getrost aufkommen, denn Kutschführer Stefan Müller ist hauptberuflich im Elektromaschinenbau tätig und hat das Fahrzeug unter Kontrolle. Die Wartung des Fuhrwerks ist für ihn kein Problem. Bremslichter, Beleuchtung, Blinker und Rückspiegel gewährleisten sicheres Fahren. Der Wagen wiegt 800 Kilogramm, da kommt es auch auf die Bremsen an. "Bis zu einem gewissen Grad können die Pferde auch die Kutsche halten, aber nicht bei einem starken Anstieg oder Gefälle", sagt Stefan Müller.

Im Straßenverkehr hat das Ehepaar vom Kutschbock aus manch brenzlige Situation gemeistert. Die vier wurden knapp überholt und geschnitten, die Pferde nehmen es fast gelassener als die Kutscher. Christine Müller ist der Meinung, dass "die Autofahrer die Maße und Geschwindigkeit einer Kutsche einfach unterschätzen". Pferde plus Wagen bringen es auf eine Länge von rund sieben Metern und eine Geschwindigkeit von fünf bis sechs Kilometer pro Stunde. Allerdings fangen die Pferde bergaufwärts eigenständig zu traben an, werden also schneller. Autofahrer können dann sich selbst und die Kutsche samt Passagiere in Gefahr bringen. Kutscher Stefan Müller sind seine Rösser noch nie durchgegangen. Das liegt an der Geschicklichkeit des Kutschers: "Man muss mit der Fahrkandare ,spielen‘; annehmen, nachgeben, annehmen, nachgeben."

Da die Brücke bei Wernarz gesperrt ist und die gewohnte Runde nach Eckarts nicht mehr gefahren werden kann, gibt es kleine Änderungen im Tourenplan. Ab sofort sind keine Voranmeldungen und keine Mindesteilnehmerzahl mehr nötig.

Für Gudrun Friedrich-Kleine von der Tourist-Information stellt die neue Regelung "eine gute Verbindung zwischen Stadt und Bad" dar. Gäste und Einheimische haben die "Möglichkeit, Veranstaltungen in Stadt und Staatsbad in Verbindung mit einer Kutschfahrt zu besuchen". Die Tour ist mit den Fahrtzeiten des Bäderlandbusses abgestimmt. Es gibt auch die Möglichkeit, nur eine halbe Runde mit der Kutsche zu fahren, und für den Rückweg den Bus zu nehmen oder auch zu laufen.



Fahrplan Die Kutsche fährt ab sofort jeden Samstag und Sonntag um 13.15 Uhr vor dem Lola-Montez-Saal über die Ernst-Putz-Straße nach Bad Brückenau. Am Marktplatz trifft sie gegen 13.45 Uhr ein und kehrt dann um 14.15 Uhr zum Staatsbad zurück. Dort geht es um 15.15 Uhr schließlich ein zweites Mal Richtung Stadt und von dort um 16.15 Uhr wieder ins Staatsbad.