Durch die Überalterung unserer Bevölkerung erkranken immer mehr Menschen an Alzheimer und anderen neurodegenerativen oder psychischen Störungen. Das stellt die Wissenschaft vor neue Herausforderungen: Bessere Methoden der Vorbeugung und Behandlung von Hirnerkrankungen müssen gefunden werden. Um Experten international bei der Forschung zu unterstützen, ruft die EU den Mai zum "Europäischen Monat des Gehirns" aus und stellt 150 Millionen Euro zur Verfügung. In Bamberg gibt es aus diesem Anlass am 16. Mai einen Vortrag zum Thema "Wie schütze ich mein Gehirn vor Schlaganfall und Demenz?"

Die 150 Millionen Euro fließen in 20 neue internationale Hirnforschungsprojekte. Damit hat die EU im Bereich der Gehirnforschung seit 2007 über 1,9 Milliarden Euro investiert. Aus gutem Grund: "Viele Europäer müssen damit rechnen, während ihres Lebens von einer mit dem Gehirn zusammenhängenden Erkrankung betroffen zu sein," sagt Máire Geoghegan-Quinn, EU-Forschungskommissarin.

1,5 Millionen Euro pro Minute

"Die Behandlungskosten belaufen sich bereits heute auf 1,5 Millionen Euro pro Minute, und diese Belastung unserer Gesundheitssysteme dürfte mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung noch steigen." Die Hirnforschung könne dazu beitragen, das Leiden von Millionen von Patienten und ihren Angehörigen zu lindern.
Im Rahmen des "European Month of the Brain" werden im Mai europäische Forschungsarbeiten und Innovationen im Bereich der Neurowissenschaften, der Kognition und verwandter Bereiche auf über 50 Veranstaltungen in ganz Europa ins Rampenlicht gerückt. Parallel finden am 10. Mai der Tag gegen Schlaganfall und am 29. Mai der Welt-MS (Multiple Sklerose)-Tag statt.

Peter Rieckmann, Chefarzt der Neurologie im Bamberger Klinikum, begrüßt die europäische Initiative für einen Gehirnmonat. "Das ist eine gute Gelegenheit, um die Öffentlichkeit für das Thema Hirnerkrankungen zu sensibilisieren", sagt er mit Blick auf die Bedeutung von Demenz, Parkinson oder Schlaganfall für die demografische Entwicklung. Rieckmann setzt große Hoffnung in die Forschung, die unter anderem an der Produktion eines künstlichen, computersimulierten Gehirns arbeitet. Es soll Fragen aufschlüsseln wie: Welche Kapazitäten sind im Gehirn vorhanden? Wie kann man diese nutzen, damit das Gehirn so lange wie möglich funktionstüchtig bleibt?

Vortrag am 16. Mai
Einige Antworten kennt Rieckmann bereits und wird darüber in einem Vortrag zum Thema "Wie schütze ich mein Gehirn vor Schlaganfall und Demenz?" am 16. Mai sprechen. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Bamberger Klinikum am Bruderwald (Raum Residenz).

Runter mit den Blutwerten

"Verhindern können wir Demenz nicht", sagt der Neurologe. "Aber wir wissen, welche Risikofaktoren es für die Entstehung von Demenz gibt und wie wir das Gehirn vor schädlichen Einflüssen bewahren können." Risikofaktoren, um an Demenz zu erkranken, sind Rieckmann zufolge "im Prinzip alle, die bei Herz-Kreislauferkrankungen eine Rolle spielen." Also Aspekte, die wesentlich mit der Lebensführung zusammenhängen: Zu hoher Blutdruck, erhöhte Blutfette, Blutzucker. "Werden sie nicht kontrolliert, kann sich das negativ auf die Demenz auswirken", sagt der Neurologe.

Hören und Sehen sind essentiell

Was bei Demenz zusätzlich ins Gewicht fällt: Das Gehirn funktioniert nur so gut, wie es benutzt werden kann. "Use it or lose ist", zitiert Rieckmann den englischen Spruch "nutze es oder verliere es". Um volle Leistung zu bringen, ist das Oberstübchen auf Sinneseindrücke angewiesen. "Wer nicht vernünftig sieht oder hört, kann einer Kommunikation nicht mehr richtig folgen und zieht sich aus der sozialen Interaktion zurück", sagt Rieckmann. Deshalb sei es wichtig, Augen und Ohren regelmäßig überprüfen zu lassen. Auch der Geruchssinn spiele in diesem Zusammenhang eine Rolle. "All diese basalen Dinge müssen ständig trainiert werden", sagt Rieckmann.
Dafür seien mittlerweile Programme entwickelt worden, die ab einem gewissen Alter zur Vorbeugung von Demenz durchgeführt werden können. Studien würden den Nutzen dieser Programme belegen. Der beste Zeitpunkt für die Vorsorge sei zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr: "Dann wird der Grundstock gelegt, ob das Risiko, mit 70 oder 80 an Demenz zu erkranken, steigt oder sinkt", sagt Rieckmann.