Die Kollegen auf der Arbeit denken längst mit. Und das Wunsch-Buch gibt es schließlich auch. Moni Höchemer und Cordula Warmuth müssen für ihr Hobby planen. Beruf, Familie, Kinder. Da wird das Zeit-Fenster an manchen Tagen schmal. Eine Sport-Vergangenheit haben die beiden Krankenschwestern keine. Umso bemerkenswerter, dass sich das Duo aus Arnshausen Anfang des Jahres der Laufgruppe von Bernadette Obermeier angeschlossen hatte.

"Mit 40 kam bei mir der Knackpunkt. Ich sehe durch meinen Beruf viele Menschen, die sich gehen lassen. Und ich will eben keine Couch-Kartoffel werden", schildert Moni Höchemer ihre Motivation. Und ihre anfängliche Unsicherheit. "Am Anfang habe ich heimlich geübt. Bin gelaufen, wenn es dunkel war, damit mich keiner sieht. Ein bisschen bergauf und bergab." Mit dem Bruder und dem Neffen ging es dann ein paar Mal an die Saale. Und dort traf die 41-Jährige Bernadette Obermeier. "Moni, du läufst viel zu schnell", hatte die frühere Arbeitskollegin bemerkt. Und das Interesse für die Laufgruppe schnell geweckt.
Im Februar kam Freundin Cordula dazu. "Ich dachte, die spinnen, im Schnee zu laufen und wollte erst besseres Wetter abwarten", schmunzelt die 47-Jährige, die im Vorfeld ebenfalls Bernadette Obermeier privat getroffen hatte. "Wir haben Telefonnummern ausgetauscht. Aber dann ruhte der Kontakt wieder, bis der Anruf von Moni kam."

Im Verein sind beide, aber nur passives Mitglied. Und überhaupt ganz weit weg vom typischen Vereinsmeier. "Schulsport halt. Und einmal habe ich beim Arnshäuser Sportfest mitgemacht", listet Moni Höchemer ihre überschaubare Sport-Karriere auf. Auch Yoga wurde mal probiert. Sportlicher sind da schon der Ehemann als früherer Fußballer und die Kinder. Der Sohn kickt, die Tochter schwimmt in der Wasserwacht, während die Tochter von Cordula Volleyball bevorzugt. "Ich brauche keine extremen Ziele. Ich nasche gerne und will daher als Ausgleich etwas für mich tun. Ich will auf Dauer aktiv bleiben", sagt Cordula Warmuth unaufgeregt. Und gibt zu, beim Joggen alleine Angst vor Hunden zu haben. "Daher muss ich in der Gruppe laufen."
Als Vorbilder sehen sich beide Frauen nicht. Verweisen auf das familiäre und private Umfeld, das mit entscheidet, ob man sich bewegt. "Mein Mann sagt schon manchmal, dass für das Laufen zu wenig Zeit sei. Aber er trägt mein Hobby mit. Und meine Tochter sagt, ich sei nach dem Laufen besser gelaunt", so Moni Höchemer. Die durchaus stolz ist, dass die Tochter spontan beim Rakoc zy-Lauf mitgemacht hatte und seitdem mit einer Freundin eine Leichtathletik-Gruppe besucht.

"Ich freue mich, wenn ich die Zeit zum Laufen habe. Und meine Tochter freut sich, wenn sie zur Oma kann. Überhaupt bin ich meinen Eltern sehr dankbar für ihre Unterstützung. Nicht nur, was den Sport betrifft", sagt Cordula Warmuth. Die beiden Frauen aus Arnshausen wollen nichts Besonderes sein. Finden es sogar etwas befremdlich, durch die Aktivwochen in diesen Wochen regelmäßig in der Zeitung aufzutauchen. Haben aber den Mut gehabt, in einem Alter mit einem Sport anzufangen, wo andere längst aufgehört haben. "Nach dem Laufen fühlt man sich frei, glücklich und stolz", beschreibt Moni Höchemer persönliche Empfindungen. Heimlich gelaufen wird längst nicht mehr. "Bitte Donnerstag keinen Spätdienst" steht im Wunsch-Buch. Denn da verabredet sich die Laufgruppe. Öffentlich.


Rund um Stangenroth

Start Treffpunkt ist diesmal der Parkplatz an der Rhönfesthalle in Stangenroth. Dort, wo ansonsten gefeiert wird, machen wir uns auf ins Biosphären-Reservat, hinein ins Schutzgebiet der Schwarzen Berge. Verstärkung haben wir auch diesmal wieder - auf zwei und vier Beinen.

Strecke Los geht es in Richtung Basaltwerk, vorbei an der ehemaligen Gaststätte Waldesruh und der Heimkehrer-Kapelle. Dann den Salzforst hinauf bis zum Rondell, ehe uns die Schleife zurück führt Richtung Burkardroth. An der "Strengen Tür" überqueren wir die Staatsstraße, laufen linker Hand an Wollbach vorbei zum "Schöllhölzle". Ein Waldstück umlaufen wir in Richtung Gefäll. An der Wendelinus-Kapelle angekommen, geht es noch 1,5 Kilometer zurück nach Stangenroth zum Ausgangspunkt. Für die fast 14 Kilometer waren wir 1:50 Stunden unterwegs.

Schwierigkeit Unser Rhöner Lokalmatador Theo Krämer hatte uns nicht zuviel versprochen für diesen Rundkurs am Fuß der Schwarzen Berge. Wer in der Rhön unterwegs ist, darf sich vor knackigen Anstiegen nicht fürchten. Bergauf geht es gleich zu Beginn, und zwar fast vier Kilometer, ehe es auf dem höchsten Punkt der Strecke wieder bergab geht. Der letzte heftigere Anstieg ist ganz zum Schluss hinauf zur Rhönfesthalle. Es war die bislang längste Strecke unserer Laufgruppe, und eine der schönsten.