Bad Kissingen
Lauf-Analyse

Wenn der Fuß verrät, was er zum Laufen braucht

Jan Diekow ist Physiotherapeut - und verkauft Sportartikel. Eine Lauf-Analyse gibt dem Sportler interessante Start-Hilfen.
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Schuh-Kauf beim Profi: Jan Diekow kennt sich als Physiotherapeut eben nicht nur mit dem Laufwerk aus. Foto: Tobias Köpplinger
Schuh-Kauf beim Profi: Jan Diekow kennt sich als Physiotherapeut eben nicht nur mit dem Laufwerk aus. Foto: Tobias Köpplinger
Jetzt habe ich einen Saucony-Schuh. Modell "Mirage 3". Modisch, viel gelb und rot. "Die Lösung für alle Läufer, die auf der Suche nach einem unglaublich leichten und dynamischen Laufschuh mit einem Touch von Führung sind", verspricht der US-amerikanische Hersteller. Von dem ich noch nie gehört hatte. Der Vorschlag kam von Jan Diekow. Einem Fachmann. "Unsere Fähigkeiten, barfuß zu laufen, sind beschränkt. Ich lebe davon, dass wir das nicht mehr können", sagt der 40-Jährige, Inhaber des Sportgeschäftes "Laufstil" in Würzburg. Dort bekomme ich meine erste Lauf-Analyse verpasst. Sportmedizinischen Crash-Kurs inklusive. Flexkerben. Pronation. Mit solch einem Wortschatz wurde ich beim Schuhkauf noch nie konfrontiert.



Bedarf in Unterfranken
Jan Diekow ist gelernter Physiotherapeut. Was das Fachwissen erklärt. Vor sieben Jahren kam der Berliner nach Würzburg, um sich selbstständig zu machen. "Ich hatte einen guten Freund in Würzburg. Und da gab es so ein Geschäftsmodell wie meines eben noch nicht. Und beim Triathlon in Roth hatte ich 2003 die fränkische Laufbegeisterung am eigenen Leib spüren dürfen." Der von außen unauffällige Laden in der Würzburger Innenstadt ist längst mehr als ein Geheim-Tipp. Tasten. Fühlen. So beginnt der Schuhkauf. Jan Diekow nimmt sich meine 45 Jahre alten Füße vor. Spreizfuß. Nichts Schlimmes. Weil der moderne Mensch fast immer Defizite an den untersten Extremitäten hat. 35 Muskeln hat der Fuß, die beim modernen Menschen zu wenig trainiert sind.

Typisch: der "Rhöner Fuß"
Der "Rhöner Fuß""Im Idealfall sollte sich jeder Hobby-Sportler vor einem Schuhkauf Füße und Beine vom Spezialisten untersuchen lassen, dann einen guten Lauf-Schuh besorgen und mit diesem eventuell noch einmal zum Arzt oder Physiotherapeuten kommen, um sich vielleicht eine Einlage verordnen zu lassen", sagt Dr. med. Peter Gleißner. Und spricht vom Senk-, Knick- und Spreizfuß als dem typischen "Rhöner Fuß", wo das Längsgewölbe zu flach ist, die Zehen weit auseinander stehen und das Sprunggelenk nach innen geknickt ist. "Läuft man länger, kann das Schmerzen im Sprunggelenk, an der Sohle oder Kniescheibe verursachen", klärt der Bad Kissinger Sportmediziner auf.

Ein guter Schuh macht noch lange keinen guten Läufer. Zur Beratung gehört bei Jan Diekow auch die Fuß-Mess-Lehre. Also rauf auf die Scheibe, wo der Fuß parallel nach Breite und Länge ausgemessen werden kann. Ich habe einen eher breiteren Fuß, weswegen für den Wahl-Franken kein deutsches, eher ein amerikanisches Schuh-Modell in Frage kommt. Es geht um das Verhältnis der Basis zur Zehenlänge. Die Flexkerbe, also der Rollbereich an der Sohle muss passen. Dort, wo der Schuh abknickt. Jetzt erst kommen Schuhe ins Spiel. Für's Laufband.

Positiv vorbelastet
Während Jan Diekow von der Seite meinen Lauf-Stil sowie die Knie- und Hüftstellung beäugt, wird der Bewegungsablauf gefilmt. Ich komme eigentlich gut weg. Laufe aufrecht. So, wie es sein soll. Je sauberer man läuft, umso weniger Dämpfung braucht es. 95 Prozent des Stoßes kann über die Muskulatur aufgefangen werden. Als Fußballer bin ich positiv vorbelastet, brauche nicht so viel Dämpfung. "Einen neutralen Schuh", schlägt Jan Diekow vor. Verschiedene Modelle bekomme ich zur Auswahl. Probiere und gehe vor die Tür zu einem Praxis-Test auf der Straße. "Auf dem Band läuft man anders, weil man es in der Regel nicht gewohnt ist", weiß der Triathlet. Die Entscheidung ist gefallen. Der Laufband-Schuh wird genommen. Der erste Vorschlag war für mich der beste. "Nach den ersten Tests sehe ich meistens schon, was passen könnte", sagt Jan Diekow. Der Mann hat Ahnung.


Laufstrecke 2: Von Arnshausen die Fränkische Saale entlang nach Euerdorf

Start Als Treffpunkt für den zweiten Streckenvorschlag der Laufgruppe der Bad Kissinger Saale-Zeitung bietet sich in Arnshausen der Sportplatz oder der Kindergarten an. Nur wenige Meter, dann verschwindet im Rücken die Zivilisation.

Schwierigkeit Nach unserer Einsteiger-Strecke in der Vorwoche ging es erneut die Saale entlang. Meistens flach, aber auf Höhe des Bad Kissinger Golfplatzes mit einigen kleinen Steigungen versehen, die kein größeres Problem darstellten. Außerdem ist das Natur-Idyll jede Mühe wert. Gelaufen sind wir zehn Kilometer, für die wir 80 Minuten benötigten, kleine Pause nach halber Strecke inklusive. Wer bis nach Euerdorf hineinläuft, hat am Ende 12 Kilometer in den Beinen.

Strecke Beim ersten Mal ging es gen Norden, diesmal Richtung Südwest vom Stadtteil Arnshausen bis kurz vor die Saalebrücke in Euerdorf. Bereits der erste Teil der Laufstrecke fühlte sich wie Urlaub an. Eine Pferde-Koppel, ein Tunnel - und dann Natur pur mit den ersten Frühlingsboten. Ausläufer des Golfplatzes sorgten für visuelle Abwechslung wie die Saale und die Riesen-Findlinge im nahen Wald. Während sich unsere drei Gast-Kinder vom TSV Bad Kissingen ein Vergnügen daraus machten, die Erwachsenen abzuhängen, pflegte unsere Laufgruppe intensiven Smalltalk. Spaß läuft immer mit.

Lauf-Kleidung Unsere Laufgruppe wird ausgestattet von Intersport Wohlleben.