Langeweile? Friedrich Rammling lacht "gradnaus", wie man hier in Unterfranken sagt. Nein, langweilig wird es ihm und seinem Wanderkollegen Georg Stock so schnell nicht. "Hier bei uns am Schwanberg gibt's nicht nur viele Wanderwege, sondern auch die schönsten und vielseitigsten." Mit seinen 81 Jahren weiß der Wiesenbronner, wovon er redet.

Rammling gehört seit 47 Jahren zum örtlichen Steigerwaldklub, der sich "Natur- und Wanderfreunde Geisberg" nennt. Jeden Mittwoch kurz vor 14 Uhr schnürt der Naturfreund die Wanderschuhe, setzt seinen Hut auf, nimmt den hölzernen Stock zur Hand und ruft Dackel Wasti: "Auf geht's!" So gut wie immer ist Georg Stock mit von der Partie, manchmal auch weitere wanderfreudige Mannsbilder - Frauen dagegen eher nicht: "Die erzählen immer so viel", meint Stock grinsend. Wie Rammling, der früher die Kasse in seiner Obhut hatte, war auch Georg Stock im Vorstand des Steigerwaldklubs aktiv - als Wegewart und 2. Vorsitzender. Jetzt, im Rentenalter, freuen sich beide, dass sie Zeit für das haben, was sie am liebsten machen: durch Wald und Flur zu streifen "und nach dem Wandern das Einkehren nicht vergessen!". Der Besuch im Wiesenbronner Gasthaus "Zur Becka" gehört einfach dazu. "Frische Luft, Natur und Geselligkeit - das ist die beste Kombination."

Die Wanderroute wird spontan festgelegt, je nach Lust, Laune - und Wetter. "Wenn es richtig warm ist, zieht es uns in den Wald, also in den Schatten", erklärt Stock. An klaren Tagen wird dagegen vom Geisberg aus auf die "Rotwein-Insel" Wiesenbronn geschaut. Besonders gern gehen die Männer vom großen Wiesenbronner Wanderparkplatz aus parallel zum Waldrand und schließlich ein Stück auf dem Steigerwald-Panoramaweg entlang, der über den Schwanberg führt. Dort leuchten die jungen Blätter im Frühling in allen Grün-Schattierungen und es duftet herrlich nach Wildkräutern. Und dann die Aussicht! "Wenn die Sonne scheint, kann man ganz, ganz weit gucken - bis in die Rhön und in die Hassberge."

"Den Nistkasten da drüben, den haben wir gemacht", zeigt Friedrich Rammling dann und wann auf ein selbst gebautes Holzhäuschen für Meisen, Kleiber, aber auch Hornissen und Fledermäuse. "Der Willi Gebert kann mit Hammer und Säge umgehen." Nicht nur an die Tiere des Waldes haben die Wiesenbronner gedacht. "Es gibt nirgends so viele Ruhebänke wie bei uns."

Und nirgendwo so viele Querwege und verborgene Aussichtsplätze, die entdeckt werden wollen. Der 474 hohe Schwanberg - von Alters her Fliehburg, Kulturzentrum und Heiliger Berg - ist immer wieder für eine Überraschung gut. Nach einem ausgiebigen Streifzug durch die Wälder treffen sich Wanderer und Ausflügler gern im Schwanberg-Café, ehe es sie weiter zieht zu den Keltenwällen oder zum Kappelrangen mit seinem sagenhaften Rundblick. Friedrich Rammling hat Recht: Langweilig wird's hier nicht.


Strecken-Details:
Entfernung und Dauer: Den Schwanberg an einem Tag zu umrunden, ist möglich, aber nicht ratsam - an zu vielen Aussichtspunkten, Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten müsste man aus Zeitgründen vorbeiziehen. Besser ist es, sich Etappen vorzunehmen. Von Iphofen über den Schlosspark Schwanberg nach Castell oder Wiesenbronn sind es je gut zwölf abwechslungsreiche Kilometer.

Karten: Eine gute allgemeine Übersicht gibt die Fritsch-Wanderkarte "Naturpark Steigerwald", die offizielle Wanderkarte des Steiger-waldklubs und des Naturparks Steigerwald, erhältlich u.a. in Geschäften und Tourist-Infos (8 Euro).

Parkplätze: Rund um den Schwanberg (und oben auf dem Plateau) gibt's gut beschilderte Parkmöglichkeiten.

Informationen (Rund-)Wander-Vorschläge gibt es unter www.iphofen.de, Infos über den "Heiligen Berg" - den Schwanberg - unter www.schwanberg.de