Dass man sagt "Oh ja, heute gehe ich laufen!", kann vorkommen. Derlei euphorische Ausrufe kommen für den ungeübten Läufer aber nur dann in Frage, wenn mehrere Voraussetzungen erfüllt sind. Als da wären gute Laune, gute Form und: gutes Wetter. Letzteres fehlt leider an diesem Donnerstagabend im Mai in Lußberg und Umgebung, was automatisch dazu führt, dass eine andere Voraussetzung - die gute Laune - ins Gegenteil umschlägt. Die gute Form kommt deswegen nicht abhanden, doch insgesamt steht es jetzt zwei zu eins für einen anderen Satz: "Hau mir bloß ab mit den Laufschuhen, ich bleib heute zu Hause."

Soweit zum ungeübten Läufer. Der erfahrene Ausdauersportler hingegen kann über so eine Einstellung nur lachen. Nein, nicht müde lächeln, das ist ja eben nicht sein Ding. Munter grinsend drauflosfrotzeln ist ihm lieber. Laufen geht immer! Regen? Gerne, immer her damit! Matsch? Bitte doch! Rutschiger, rumpeliger, mit Pfützen übersäter Boden? Klar! "Wenn es einfach wäre, würde es ja Fußball heißen", sagt Rainer Hofmann. Einer, der im Spätwinter durch Flüsse schwimmt und sich in Matschpfützen wälzt (Stichwort "Braveheart Battle" in Münnerstadt).

Harte Säue

Pah! Das kann der ungeübte, aber in seiner Freizeit gerne gegen den Ball tretende Läufer nicht auf sich sitzen lassen. Wenngleich er sich mit seiner Wetternörgelei zugegebenermaßen ins Abseits manövriert hat (Na Rainer, kannst Du Abseits erklären?). Um das mal klarzustellen: Fußballer sind harte Säue (Sie grätschen sich gegenseitig um und haben Spaß daran). Läufer sind harte Wildsäue (Sie brauchen keinen gemähten Rasen, sondern joggen einfach in der Pampa umher, komme was wolle).

Die FT-Laufgruppe "Never run alone" hat sich in Lußberg getroffen, um einen 6,5 Kilometer langen Rundweg durch den Lußberger Forst zu testen. Die Tour beginnt mitten im Dorf. Es ist kalt, und der Regen macht das Gemüt schwer. "Das ist nur am Anfang so", sagt Alfred Beierlieb. "Wenn man dann eine zeitlang auf der Strecke ist, merkt man davon nichts mehr." Der 43-jährige Ausdauerläufer soll Recht behalten. Mit jedem Meter geht alles ein bisschen unbeschwerter von der Sohle. Vorausgesetzt natürlich, man teilt sich seine Kräfte ordentlich ein. Sonst nämlich drückt der Schuh woanders: Der Rundweg bis hoch zum Veitenstein mit Querkelhöhle (von dem Fels aus hat man einen tollen Ausblick) beinhaltet insgesamt über zweieinhalb Kilometer Anstieg. Wer also das Tempo anfangs hochhält, kommt womöglich schneller außer Puste als ihm lieb ist.

Bei der von der Laufgruppe absolvierten Runde handelt es sich zum Teil um die Hausstrecke der LG Veitenstein: Die FT-Sportler haben sich dort im Verein organisiert. Am kommenden Wochenende (2. Juni) laden sie wieder ein zu ihrem Veitenstein-Lauf durch den Lußberger Forst, der in Priegendorf startet. Mitmachen!