Hätte der kleine Stefan vor 30 Jahren keine Bratwurst gegessen, wer weiß: Ob sein Bruder Thomas heute Rekordweltmeister im Freiwasser-Schwimmen wäre? So aber begann die Erfolgsgeschichte der Würzburger Familie Lurz am Grillstand der Wasserballer. Dort bekam Stefan eine Wurst, weil er versprach, mal beim Training des Würzburger Schwimmvereins vorbeizuschauen. Mit Wasserball fing er an, entschied sich später fürs Schwimmen und schleifte bald seinen kleinen Bruder Thomas mit. Der kassiert Jahrzehnte später in Serie WM-Titel und Olympiamedaillen. Zu Höchstleistungen animiert und trainiert von: Stefan.

Meister Thomas tummelt sich gerade mal wieder im Wasser, weshalb nur Stefan für ein Interview zur Verfügung steht. Auch er hat wenig Zeit, so kurz vor der Abreise: Als Bundestrainer für Freiwasserschwimmen (Wettkämpfe im offenen Gewässer) fährt der 36-Jährige mit der Nationalmannschaft nach Sardinien ins Trainingslager zur Vorbereitung auf die Schwimm-WM in Barcelona (19. Juli bis 4. August).

Thomas Lurz' Startplatz für die Zehn-Kilometer-Strecke ist bereits gesichert, für den Marathon über fünf Kilometer muss er sich Ende Juni bei den deutschen Meisterschaften noch qualifizieren. Doch Moment mal - was ist da passiert in den letzten 30 Jahren? Bundestrainer, Weltmeister, Rekorde ... ?

Passiert ist vor allem: Härtestes Training. Als Grundschüler haben Stefan und Thomas Lurz zweimal pro Woche erst mal die Schwimmstile erlernt. Die bekanntesten sind Brust-, Kraul-, Schmetterlingsschwimmen (Delfin) und Rückenkraulen.

"Mit elf, zwölf, ging's dann los mit dem Leistungssportgedanken", sagt Stefan Lurz. Will heißen: Zweimal am Tag Training, vor der Schule früh um 6 und nach der Schule von 15.30 bis 19 Uhr. "Das ist ein Fulltimejob. Schwimmen ist eine sehr, sehr trainingsaufwändige Sportart", sagt Stefan. Er wechselte während seiner Ausbildung an den Beckenrand und war ab 2000 erst Assistenz-, dann Cheftrainer beim Schwimmverein Würzburg. Seit 2008 ist er als Bundestrainer für die Freiwasserathleten verantwortlich. Außer seinem Bruder hat er gerade zwei weitere Würzburger durch die Qualifikation für die Schwimm-WM gebracht. Für seine Erfolge wurde Stefan Lurz Anfang Mai zum zweiten Mal in Folge zum "Trainer des Jahres" von der Deutschen Schwimmtrainervereinigung gekürt.

Doch er bleibt bescheiden und schiebt lieber seinen Bruder vor. "Thomas ist unser absolutes Aushängeschild", sagt Stefan Lurz und zählt auf: Zehn Weltmeistertitel auf den Distanzen fünf und zehn Kilometer hat Thomas errungen, zweimal holte er olympische Medaillen (2012 Silber in London, 2008 Bronze in Peking). Und er wird weiter auf Titeljagd gehen, obwohl er heuer 34 wird. "Die Langstrecken sind vergleichbar mit einem Laufmarathon. Das kann man vom Alter her länger machen, aber natürlich dauern die Regenerationsphasen länger als mit 20 und wird das tägliche Training nicht einfacher", erklärt Stefan Lurz. Wen wundert's: Thomas absolviert pro Woche elf Schwimmeinheiten plus sechs Landeinheiten mit Krafttraining, Laufen und Radfahren. Allein 100 Kilometer kommen pro Woche im Wasser zusammen. Sein Bruder ist stolz: "Thomas trainiert von allen Langstrecklern in Deutschland am härtesten, und das seit Jahrzehnten."

Hobbyschwimmer sollten sich von solchen Vorgaben nicht abschrecken lassen - sondern stressfrei ihre Bahnen ziehen. "Ich kann Schwimmen nur jedem empfehlen", sagt Stefan Lurz. "Es ist ein Ganzkörpersport und absolut gesund." Und es macht attraktiv: "Schwimmer haben schöne Körper. Nicht zu muskulös, aber jeder Muskel ähnlich trainiert", sagt Lurz und gerät ein bisschen ins Schwärmen. Sein Tipp: Pro Woche eine halbe Stunde locker hin- und herschwimmen, am besten im Freistil (Kraulen). Das Verletzungsrisiko sei für Breitensportler gleich Null, weil das Körpergewicht im Wasser getragen wird.

Auch der Bamberger Sportmediziner Volker Schöffl bewertet die Sportart als sehr gesund (Skala links). Er sagt: "Schwimmen kann jeder - außer jemand mit Ohrenerkrankung." Und er empfiehlt es auch jedem. Schwimmen ist gut für die Ausdauer, gut um Kalorien zu verbrennen: "ein Herz-Kreislauf-Sport". Nur beim Teamgeist schneidet Schwimmen schlecht ab: "Isolierter als unter Wasser kann man kaum sein", sagt Schöffl.