Welche Strecke darf's denn sein? Beim Blick auf die Wandertafel am Weißfichtensee bei Welkendorf ist Disziplin gefragt, denn das Angebot ist allzu verlockend. Da steht was von Seilbahn im Wald, Wippe und Schaukel, Grillplatz und Badesteg. Wer hierher kommt, braucht nicht unbedingt Laufschuhe im Gepäck. Es reichen Handtuch, Badehose und ein Kasten Bier.

Aber halt! War da im Fränkischen Tag nicht die Rede von Fitness, Sport und Ausdauertraining? Aktivwochen haben die das genannt. Schweinehund überwinden und so. Ach du meine Güte. Knüppel aus dem Sack: "Ich schlage vor, wir laufen bis hierhin gemeinsam. Dann kann die eine Gruppe auf der kurzen Strecke weiter und der Rest macht die große Runde." Das wären dann fünf Kilometer für die einen und knapp zehn für die anderen. Huh, Rainer Hofmann hat gesprochen. In dem disziplinierten Sportler schlägt eben ein echtes Läuferherz. Aber auch das eines verspielten Spaßmachers, wie sich später herausstellen soll. Doch der Traum von der Sause am See muss erst einmal verschoben werden.

Die Laufgruppe "Never run alone" des Fränkischen Tag Haßberge hat sich zum sechsten Mal getroffen, um eine Strecke im Landkreis auf ihre Tauglichkeit zu testen. Gleich hinter dem Eberner Stadteil Welkendorf liegt der Weißfichtensee an einem idyllischen Plätzchen am Waldrand. Von hier aus kann der Sportler einfach drauf loslaufen: Die Waldwege sind ausgeschildert, je nach Lust und Laune stehen lange, kurze, steile und weniger steile Wege zur Verfügung. Mit der Gruppe geht es zunächst in Richtung "Stachel", der kleine Berg ist aber nicht das Ziel, an einer Abzweigung nach knapp zweieinhalb Kilometern läuft die Gruppe wieder leicht bergab und sucht sich einen "gemütlicheren" Waldpfad.

Kurvenreich und nicht zu steil

Aber egal, wie man sich entscheidet: Die Wege in dem Naturreservat sind allesamt prächtig, keine Frage. Kurvenreich und nicht zu steil; weicher, aber stabiler Untergrund; es riecht nach Wald, die Luft ist feucht, das Wetter an diesem lauen Maiabend ist geradezu ideal zum Laufen. Niemand bereut, dass er die Laufschuhe doch angezogen hat. Baden und grillen und Gaudi machen, das kann man auch hinterher.

Wie Rainer Kirchner jetzt erklärt, ist es die Lieblingsstrecke von Ralf Ammon. Ammon wäre eigentlich seit Wochen fester Bestandteil der Gruppe "Never run alone", jedoch musste er aus gesundheitlichen Gründen die Teilnahme an den Aktivwochen absagen. Wie Kirchner weiter erzählt, habe ihn Ammon damals zum Laufen gebracht. "Da sind wir auch einige Male hier unterwegs gewesen", erinnert er sich. Heute ist Rainer Kirchner ein alter Hase, was den Laufsport angeht. Nun hat der 40-Jährige ein großes Ziel: Er möchte dieses Wochenende am Rennsteiglauf durch den Thüringer Wald teilnehmen. Am 25. Mai will er 72,7 Kilometer zurücklegen.

Seit Monaten bereitet sich der Sportler akribisch auf dieses Ereignis vor, eine solche Distanz am Stück ist er noch nie gelaufen. Er trainiert hart, damit er in Thüringen nicht auf der Strecke bleibt, spult Woche für Woche Kilometer für Kilometer ab. "Ich bin dankbar, dass mich meine Frau dabei unterstützt. Selbstverständlich ist das nämlich nicht", sagt er. Wie gut, dass seine Frau Sindia selbst ein Faible fürs Laufen hat und Teil der FT-Laufgruppe ist. Die ganze Familie wird dabei sein, wenn Kirchner zum Ultralauf um 6 Uhr morgens in Eisenach startet. Zielschluss ist um 18 Uhr in Schmiedefeld. Am Weißfichtensee halten sich im Vergleich dazu die Strapazen in Grenzen: Eine kleine Gruppe joggt eine fünf Kilometer lange Strecke, der Rest der Läufer absolviert knapp zehn Kilometer.

Am Ende treffen sich alle am Weißfichtensee. Es gibt Essen und Getränke, auch Bier! Es hat sich gelohnt, das ist der Mühen Lohn. Und Rainer Hofmann kann sich nicht mehr zurückhalten: Er schwingt sich auf die Seilbahn und saust durch den Wald auf einem Plastikbügel, der an einem Stahlseil entlang gleitet. "Das ist ja noch genauso spaßig wie damals", freut sich der 48-Jährige. Zuletzt hat er sowas in seiner Jugend gemacht. Was für eine Gaudi!

Laufen am Weißfichtensee

Start Die Freizeitanlage am Waldrand im Eberner Stadtteil Welkendorf ist über die Staatsstraße 2278 Haßfurt - Ebern zu erreichen: In Gemünd geht es rechts weg (aus Richtung Haßfurt kommend). Durch Welkendorf fährt man durch und dann links. Über den betonierten Weg erreicht man nach etwa einem Kilometer die Anlage. Dort gibt es Parkmöglichkeiten.

Strecke In dem Naturreservat bieten sich dem Sportler viele Möglichkeiten. Die Streckenlänge kann leicht variiert werden, die Orientierung ist dank der ausgeschilderten Wege einfach. Am Startpunkt befindet sich zudem eine Wandertafel, mit der das gesamte Gebiet überblickt werden kann.

Schwierigkeit Die Strecken sind hervorragend für Anfänger geeignet, da die Anstiege moderat und der Untergrund angenehm zu Laufen sind. Anspruchsvolle Läufer können den steilen Anstieg zum "Stachel" wählen.

Besonderheiten Die Freizeitanlage am Waldrand bietet einen Badesee, Feuerstelle und Grillplatz, Spielstationen im Wald und überdachte Sitzplätze sowie eine offene Holzhütte.