Treffpunkt um 19 Uhr am Parkplatz Sklavensee! Der Name allein ließ bei dem einen oder anderen Halbmarathon-Läufer in spe die Alarmglocken schrillen: Was hat "Harry" da schon wieder Schweißtreibendes ausgeheckt? In einer Mail zur achten Einheit erklärt Trainer Harald Hüttmann, dass es diesmal um das Thema "Berglauf" gehen soll. Deshalb sei es nicht sinnvoll, sich wie üblich am Sportheim der SG Neunkirchen zu treffen, sondern gleich in einem geeigneten Gelände. Angelika Schedler lassen solche Ankündigungen kalt. Die 50-Jährige kennt Hüttmann nun schon seit einiger Zeit und weiß, dass er seine Schützlinge nicht schont, aber auch immer ihre Leistungsgrenzen im Blick hat.

Zwei Wochen vorher nahm sie mit Hüttmann und rund 20 weiteren Mitgliedern der Sportgruppe Neunkirchen an einem Laufwochenende am Spitzingsee teil. Berglauf war auch dort das Thema. Allerdings hatte der Trainer ein Programm für alle Leistungsklassen zusammengestellt. "Am ersten Tag sind wir mit der Seilbahn hochgefahren, während die fitteren Teilnehmer hochgelaufen sind. Oben sind wir dann eine Zeitlang zusammen unterwegs gewesen, dann ist die schnellere Gruppe eine Schleife gelaufen, ehe wir uns wieder getroffen haben", erzählt Geli begeistert. Eine dritte Gruppe ging derweil Wandern mit Hüttmanns Frau Annette. Rund 35 Kilometer spulte Angelika Schedler an diesem Wochenende im Gebirge ab - und das völlig ohne Laufstöcke, die gerade beim ständigen Auf und Ab sehr hilfreich sein können.

Die Stöcke richtig einsetzen

Genau das versuchte Hüttmann bei der Trainingseinheit am Sklavensee der Gruppe beizubringen. "Wenn man sie richtig einsetzt, bringen die Stöcke mindestens eine Entlastung von 20 Prozent", sagt der Trainer und erklärt, wie das geht. Die Stöcke können bergab genutzt werden, um das Körpergewicht aufzufangen und um über Hindernis zu springen. Bergauf ist es sinnvoll, die Stocklänge zu reduzieren, um sich besser nach oben ziehen zu können. Immer wichtig im Gelände: kleine Schritte machen und nicht in Rücklage geraten.

Auch Geli probierte nun ihr Glück mit den Stöcken und erkannte Vorteile: "Einmal bin ich extrem gerutscht, konnte mich aber durch einen heftigen Rums in die Erde wieder stabilisieren. Das gibt schon Sicherheit." So konnte sie die "herrliche Natur" im Wald bei Kalchreuth noch mehr genießen. Das zwischenzeitliche Tragen der Stöcke auf gerader Strecke fand sie allerdings "ätzend", weshalb eine Anschaffung fürs Erste nicht geplant ist. Das 1,56 cm große Leichtgewicht kann sich schließlich auch ohne diese Hilfsmittel sehr sicher am Berg bewegen.

"Ich habe viel gelernt"

Dabei hat Angelika Schedler erst vor vier Jahren mit dem Laufen begonnen. Die Aktion "Lauf 10" des Bayerischen Rundfunks gab ihr die Möglichkeit, wieder in Form zu kommen, nachdem sie sich - bedingt durch Arbeit und Kindererziehung - mehrere Jahre nicht so viel bewegt habe. Seitdem läuft sie regelmäßig zwei, drei Mal pro Woche. In diesem Jahr hatte Geli jedoch Probleme, aus dem Winter zu kommen. "Das lag vor allem an der langen Regenzeit im Februar und März." Da kam ihr der Kurs von Hüttmann schrecklich recht, und sie hat ihre Teilnahme nicht bereut: "Das Training hat mir total gefallen, ich habe viel gelernt, zum Beispiel wie man richtig nach Puls läuft. Die Gruppe war sehr nett, und es hat immer Spaß gemacht." Für den Halbmarathon am Sonntag ist sie zuversichtlich, nachdem sie eine ähnlich lange Strecke nun schon absolviert hat: "Das habe ich für den Kopf gebraucht, damit ich weiß, ich kann es laufen."