Lichtenfels
Laufgruppe

Der Start in ein besseres Leben

Stefanie Müller ist zertifizierte Lauftreffleiterin. Aber so fit wie heute war sie nicht immer.
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Es ist alles ganz einfach, nur nicht der Anfang. "Ich fand Läufer schon immer faszinierend", sagt Stefanie Müller. Aber selber laufen? "Das habe ich mich nie getraut."
Mit 1,63 Meter empfand sie sich als zu klein - und mit 68 Kilo Körpergewicht als nicht eben schlank. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her. Im September vergangenen 2012 legte sie ihre Prüfung als zertifizierte Lauftreffleiterin beim BLV ab. Und die Gruppe, die der Fränkische Tag während der Aktiv-Wochen begleiten wird, ist das erste Projekt, das die 37-Jährige betreut.

"Als ich den Aufruf im Fränkischen Tag gelesen hatte, bin ich einfach los und habe Leute gefragt, ob sie mit dabei sein wollen." Sie musste keine Überzeugungsarbeit leisten. Die Gruppe von zwölf Personen war schnell gefunden. Sie trainieren alle beim ASC Burgberg, wie auch Stefanie Müller selber. Einmal die Woche trifft man sich nun außerhalb des Trainings beim ASC.

"LIFe for run" nennen sie sich, "die Idee dafür wurde in der Gruppe geboren", sagt sie. LIF - das soll an die Kennzeichen erinnern, mit dem die Fahrzeuge im Landkreis unterwegs sind. Leben für das Laufen, heißt das übersetzt. Und diese Anspielung lässt sich auch umgekehrt lesen.
Eine schwere Operation vor rund sieben Jahren leitete den Wandel ein. "Schon damals sagte mir mein Arzt, ich sollte mit dem Laufen anfangen." Doch zunächst gab es bei ihr einen Berufswechsel. Aus der Fremdsprachenkorrespondentin wurde eine Heilpraktikerin. "Ich hatte so viel mit diesen Leuten Kontakt, dass ich das weitergeben wollte, was sie machen."

Und dann doch der Schritt zum Laufen. 2009 kam sie zum Projekt "Lauf 10", das der ASC Burgberg in jedem Jahr anbietet. In zehn Wochen fit werden für einen Zehn-Kilometer-Lauf, lautet das Ziel. Das geschieht unter professioneller Anleitung nach einem Programm des Zentrums für Prävention und Sportmedizin an der Technischen Universität München.

Gruppe gibt Halt

Stefanie Müller gab vor allem die Gruppe dabei Halt. "Alleine hätte ich mich nicht getraut und durchgehalten." Als sich die Erfolge einstellten, wurde es leichter. "Ich merkte es ging immer besser und man läuft immer länger", erinnert sie sich an ihren Anfang. Zu dieser Zeit legte sie auch ihre Prüfung als Heilpraktikerin ab. "Da haben mich Freunde gefragt: Warum fängst Du jetzt mit dem Laufen an, das kostet doch Zeit." Doch sie empfand es genau anders. "Nach dem Laufen fühlte ich mich fit und konnte sehr konzentriert fünf Stunden und mehr lernen." Nein, die Zeit für den Sport habe sie so mehr als hereingeholt.

Inzwischen ist ihr Gewicht um sechs Kilo gesunken, "fünf sollen es noch mehr werden", lacht sie. Und sie sei ausgeglichener und entspannter - auch nur noch selten krank. Die Ernährung habe sie ebenfalls umgestellt. "Ich esse ausgewogener und bewusster, weniger Fleisch."

Inzwischen könne sie auch die Landschaft beim Laufen genießen. "Das war zu Beginn nicht so. Die meisten Leute rennen ohne zu gucken." Sie hofft, dass die Laufgruppe auch andere ermutigt, mit dem Laufen anzufangen. "Viele Leute denken, das ist nichts für mich. Ich wünsche mir, dass sie sich nun trauen und den ersten Schritt machen."

Die Teilnehmer der Gruppe schauten weder übertrieben athletisch aus, noch seien sie Hochleistungssportler. "Vielleicht gewinnen wir ja zwei Leute hinzu, die von der Couch herunterkommen."
Hin zu einem Sport, für den man Leidenschaft, aber außer ein paar guten Laufschuhen und Trainingskleidung nichts brauche: "Man kann im Prinzip einfach loslegen."