Bier gehört in Franken zur Lebensart. Wer sich in der Natur erholt, der möchte gern auch Brotzeit machen - und dazu gehört für viele Menschen ein gutes Bier. Das ist sicher auch ein Grund, warum sich gerade im Staffelsteiner Land, wo viele Menschen Urlaub machen, etliche kleine Brauereien erhalten haben. Alle zehn Brauereien auf Staffelsteiner Stadtgebiet mit einer Tageswanderung zu erfassen, ist kaum möglich - jedenfalls nicht, wenn die Wanderer den Gerstensaft in Ruhe genießen möchten. Deshalb haben wir uns auf eine Wanderstrecke mit drei Brauereien und einem prominenten Berg konzentriert.

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist Stublang. Dieser Staffelsteiner Stadtteil mit 313 Einwohnern besitzt zwei Brauereien: den Brauereigasthof Hennemann sowie die Brauerei und den Gasthof Dinkel, die von zwei Brüdern geführt werden und räumlich voneinander getrennt sind.

Ganz neu: Stublanger Roggenbier
Braumeister Hubert Dinkel machte sich 2005 selbstständig, als er die Brauerei, ein altes Familienunternehmen, von seinem Vater Andreas übernahm. Der 38-Jährige liebt seine fränkische Heimat ("Wir dürfen da wohnen, wo andere Urlaub machen") und braut leidenschaftlich gern Bier. Das bernsteinfarbene, unfiltrierte Lagerbier ist sein Klassiker. Das Rezept dafür hat er vom Vater übernommen, aber in Nuancen verfeinert. Im November braut er zudem jährlich einen Bock. Als dritte Sorte braut Hubert Dinkel seit April ein Roggenbier: "Nach langem Überlegen und Bücherwälzen habe ich mir diesen Wunsch erfüllt", sagt er. Roggenbier werde in Franken relativ selten gebraut. Doch es sei dennoch et was Traditionelles: ein obergäriges, süßes Bier, nicht ganz so herb wie das Lager.

In dem 1993 errichteten Sudhaus braut Hubert Dinkel jährlich zwischen 900 und 1000 Hektoliter Bier. Einmal jede Woche ist Brautag. Das Lagerbier füllt er in Fässer und Flaschen ab. Wanderer können das Lager- sowie das Roggenbier in der Gaststätte seines Bruders oder, an Feiertagen, im Hof und Saal der Brauerei genießen. Während die Gaststätte prominent am Ortseingang - unweit unseres Wanderparkplatzes - zu finden ist, liegt die Brauerei etwas versteckt weit hinten im Dorf. Gleichwohl ist die Brauerei einen Besuch wert, schon wegen des urigen Wirtshaussaa les aus dem 19. Jahrhundert, der sich gut für die Einkehr von Wandergruppen eignet (bitte mit Voranmeldung, damit eine Brotzeit bereitgestellt werden kann).

Kellergeist mit glühenden Augen
Wer sich vor der Wanderung mit einem Stehbier stärken möchte, kann dies an Feiertagen im Hof der Brauerei tun, der von einer Linde und einer Kastanie beherrscht wird. Der Ausschank befindet sich direkt am Keller eingang - und wenn Kinder dabei sind, sollten sie den Brauer unbedingt einmal nach dem Gespenst fragen, das unten im Bierkeller wohnt. Hubert Dinkel, der selbst kleine Kinder hat, lächelt dann spitzbübisch und zeigt den Kindern den Geist der Weißen Frau, der im Lagerkeller spukt. Auch für Erwachsene ist das ein heiteres Erlebnis, denn Hubert Dinkel hat das Gespenst mit Glühbirnchenaugen selbst konstruiert - auf einer Schiene kommt es aus dem Dunkel des Dinkelkellers im zuckenden elektrischen Blitzlichtgewitter herangeschwebt.

"Bier ist eine fränkische Lebenseinstellung", sagt Hubert Dinkel, "wenn man es trinkt, sollte man innehalten und sich Zeit lassen beim Genießen". In der Freizeit wandert der 38-Jährige gern in seiner Heimat. Sein Lieblingsweg führt auf den Staffelberg (siehe Wanderkarte).

Vom Wanderparkplatz bei Stublang führt die Strecke über einen Waldweg zunächst steil bergauf. Auf der Hochebene geht es zwischen Lerchen- und Spitzberg hindurch aufs Hochplateau des Staffelbergs, das sich aus der Landschaft deutlich heraushebt. Der Wanderer kann nun auf den festen Wegen bleiben oder sich auf eigene Faust über Trampelpfade zum Gipfel durchschlagen. Verlaufen kann sich hier keiner mehr.

Kaffeepause auf dem Staffelberg
Auf dem Staffelberg befindet sich einer der schönsten Biergärten Frankens. Der Klausenwirt, Gottfried Schmitt, bietet köstliche Kuchenspezialitäten und Brotzeiten an. Neben Kaffee und Limonaden schenkt er Buttenheimer Bier aus. Unter den großen Kastanien neben der Adelgundiskapelle lässt sich wundervoll rasten.

Den Abstieg vom Staffelberg nehmen wir über den ausgeschilderten Karlssteig vor, der durch die artenreiche Flora des Südhanges führt. Hier befanden sich einst die Wälle und Palisaden des keltischen Oppidums, was durch Hecken und Raine heute noch sichtbar ist. Bis in die Neuzeit hinein wurde hier auch Wein angebaut.
In Loffeld bietet sich eine weitere Möglichkeit zur Einkehr im Bräustübl der Staffelberg-Bräu. Gebraut werden hier neben dem dunklen und hellen Bier auch ein Pils und ein Hefeweißbier, im Mai außerdem ein heller Bock, ab Oktober das Festbier und im November der Doppelbock.

Von Loffeld aus erreichen wir bequem über den Geh- und Radweg, der die Staatsstraße in einigem Abstand flankiert, den Ausgangspunkt unserer Wanderung. Zum Abschluss bietet sich die Einkehr bei im Brauereigasthof Hennemann an. Thomas Hennemann braut neben bernsteinfarbenem und dunklem Landbier sowie Hefeweißbier saisonal auch einen hellen und einen dunklen Bock.