Bamberg
Strecke 1

Bamberger Laufgruppe testet Laufstrecke bei Gaustadt

Erst kommt der Schweiß, dann das Vergnügen? Die Laufgruppe "Magischer Montag" versucht Sport, Spaß und Geselligkeit unter einen Hut zu bekommen. Was den Schweiß nicht ausschließt, wie eine schöne Runde durch den Michelsberger Wald beweist.
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Der Name ist Programm: Immer montags ist die Laufgruppe "Magischer Montag" unterwegs. Foto: Ronald Rinklef
Der Name ist Programm: Immer montags ist die Laufgruppe "Magischer Montag" unterwegs. Foto: Ronald Rinklef
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In seinem anderen Leben trägt Christian Reimesch Anzug und Krawatte. Er ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht. Kein leichter Job, wenn man an die kniffligen Streitfälle rund um Immobilien denkt. Da darf man sich auch dann nicht entmutigen lassen, wenn sich die Aktenordner auf dem Schreibtisch zu Bergen türmen.
An diesem Montag hat der Jurist sein Büro am Kunigundendamm hinter sich gelassen und sucht andere Herausforderungen. Echte Berge, keine von Papier, den knirschenden Waldboden unter den Füßen, das sportliche Erleben mit gleich Gesinnten.

Lockeres Tempo. Die Gruppe von fünf Männern und vier Frauen bleibt trotz unterschiedlichen Leistungsstands dicht beisammen. Es dämmert, als sie nach einem Kilometer erstmals den Michelsberger Wald betreten, Eine feuchte Kühle macht sich breit, doch das kann den Joggern nichts anhaben. Die Strecke steigt von 280 auf 350 Meter an; das sorgt für wohlige Wärme trotz dünner Laufklamotten.

Seit 15 Jahren laufen sie immer montags

Kondition und die Lust am gemeinsamen Erleben - das ist an diesem Montagabend bei allen gefragt, die für die FT-Aktivwochen die Trainingsschuhe geschnürt haben. Es ist eine bunte Truppe, die unter 13 Bewerbungen aus Bamberg den Zuschlag bekommen hat. Eine Ärztin ist darunter, die Inhaberin eines Friseursalons aus der Sandstraße, zwei Postbeamte, ein Ingenieur. "Magischer Montag" nennt sich die Laufgruppe, weil sich der harte Kern der Mitglieder seit 15 Jahren immer zur gleichen Zeit, am gleichen Ort trifft: Montagabend um 19.30 Uhr. Dann starten sie im Bamberger Ortsteil Bug, um ein bis zwei Stunden zu rennen. Streckenführer ist der erfahrene Ausdauersportler Walter Graf.

Das Spektrum der Rundkurse ist groß: Es reicht vom knöcheltiefen Schlamm des Distelbergs bis zu den verschwiegenen Gassen der Bamberger Altstadt, von den Talstrecken bei Herrnsdorf bis zur Schweiß treibenden Diretissima hinauf auf die Altenburg. Wichtige Regel: Es soll niemand zurückbleiben, es soll immer noch Luft zum Reden sein. Und auch die "Entspannungseinheit" im Anschluss hat einen legendären Ruf. Dabei fließt auch manches Glas Bier: "Wer einmal diesen Start in die Woche kennen gelernt hat, möchte ihn einfach nicht mehr missen", sagt Reimisch.

Laufen ohne zu schnaufen. Dieses Motto gilt auch, als die magischen Montagsläufer für den FT eine 12,6 Kilometer lange Rundstrecke im Nordwesten der Stadt unter die Schuhe nehmen. Sie verbindet den Stadtrand bei Gaustadt im langen Bogen mit den Nordhängen des Aurachsgrunds - eine abwechslungsreiche Strecke, die zur Hälfte im Wald und zur anderen zwischen Wiesen und Feldern verläuft. Sie hat den Testläufern offenbar gefallen. Eine Stunde und 16 Minuten vergingen wie im Flug. Am Ende gab es Lob für die bislang nicht gekannten Ausblicke in den abendlich beleuchteten Aurachgrund. Selbst drei steile Anstiege haben die Gespräche nur kurz verstummen lassen.

Da sind sie sich einig: Berge im Laufschritt zu überwinden, den beschleunigten Atem zu spüren, ohne gleich aufzugeben, das ist eine der vielen Lektionen, die das Laufen erteilt: Auch Christian Reimesch weiß diese Lehre zu schätzen - im einen wie im anderen Leben: "Ausdauer ist eine der wichtigsten Fertigkeiten eines Rechtsanwalts. Man muss dran bleiben können."
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