Ludwigschorgast
Laufprojekt

Am Start kommt das Kribbeln

Sindy Meier von der LG Ludwigschorgst schnuppert beim Halbmarathon in Berlin erstmals die Atmosphäre eines großen Stadtlaufs. Dabei setzt die Kupferbergerin die Vorgaben ihres Trainers Michael Kraus "ganz hervorragend" um.
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Das Kribbeln am Start: Sindy Meier freut sich auf ihren ersten Halbmarathon in Berlin. Fotos: privat
Das Kribbeln am Start: Sindy Meier freut sich auf ihren ersten Halbmarathon in Berlin. Fotos: privat
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Das hat Sindy Meier noch nicht gekannt: das Kribbeln vor dem Start eines großen Stadtlaufs. "Spätestens, als ich meine Startunterlagen abgeholt habe, wurde mir bewusst, auf was ich mich da eingelassen habe", berichtet die Kupferbergerin, die beim größten Halbmarathon der Bundesrepublik in Berlin gelaufen ist.

Ein Wettbewerb mit lauter Superlativen: Über 32 000 Teilnehmer (so viele wie noch nie) aus 101 Nationen sind beim weltweit fünftgrößten Halbmarathon vertreten. Ein ganz besonderes Erlebnis für die 31-Jährige, die sich mit Dieter Oeckl und dem gemeinsamen Trainer Michael Kraus auf den Marathon in München vorbereitet.

"Etwas chaotisch"

Am Vortag ihres großen Laufs reist Sindy Meier (LG Ludwigschorgast) in Begleitung ihrer Freundin Sandra Taubenreuther in die Bundeshauptstadt und macht sich schnurstracks auf den Weg zum Messegelände im ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo die Startnummer abzuholen ist. Das Drumherum hat die Krankenschwester als "etwas chaotisch" empfunden: "Tausende von Läufern auf einem Haufen und das Gedränge und Geschiebe im gesamten Messebereich habe ich bisher so noch nie erlebt, obwohl die eigentliche Abwicklung der Startnummern abholung professionell organisiert war."

Ihr Quartier beziehen die beiden Frauen ganz in der Nähe des Start- und Zielbereiches am Alexanderplatz. "Plötzlich am frühen Morgen verstummte der Straßenlärm und es wurde sehr still", erinnert sich Sindy Meier. Der Grund: Der ganze Bereich ist abgesperrt worden für das Sportereignis. "Es herrschte eine ganz eigene Atmosphäre mitten in der Stadt."

Mit viel Adrenalin im Blut macht sich Sindy morgens auf den Weg zum Start. Strahlend blauer Himmel, eine super tolle Stimmung und über 200 000 Zuschauer an der Strecke, "das war Gänsehautfeeling pur", schwärmt die Läuferin. Auf ihrer "Sightseeing-Tour", die am Brandenburger Tor, der Siegessäule, am Schloss Charlottenburg, am Kurfürstendamm und am Roten Rathaus vorbeiführt, wollen die Kinder am Straßenrand abgeklatscht werden. Das Abklatschen der vielen kleinen Hände hat sie richtig berührt. Kein Wunder, denn die Kupferbergin hat selbst zwei Kinder: die achtjährigen Zwillinge Noah und Leon.

Freudestrahlend überquert Sindy nach 1:52.09 Stunden die Ziellinie - eine für sie gute Zeit. "Ich habe mir vor dem Start überlegt, mit Musik zu laufen, bin aber im Nachhinein sehr froh, dass ich es nicht getan habe. So konnte ich diese atemberaubende Atmosphäre des Laufes mit allen Sinnen voll genießen", freut sich die überglückliche Halbmarathonläuferin.

Eine ominöse Zahl

Von den insgesamt knapp 8000 Läuferinnen hat die Ausdauersportlerin aus Oberfranken den 1013. Gesamtplatz (178. Altersklasse W 30) belegt. Welch eine ominöse Zahl! Nachdem die angehende Marathonläuferin ein hervorragendes Rennen gelaufen ist, kann das eigentlich nur Gutes bedeuten: Denn am 13.10.13 fällt auch der Startschuss in der Landeshauptstadt München zu ihrem ersten Marathon.



"Perfekte Renn-Einteilung"

Und was sagt der Trainer Michael Kraus zum Ergebnis seines Schützlings? "Die Renn-Einteilung von Sindy war perfekt. Selbst die erfahrensten Athleten können es nicht besser machen", sagt er und ist voll des Lobes. Die Kupferbergerin sei ein konstant gleichmäßiges und relativ hohes Tempo gelaufen, habe auch dem zweiten Streckenabschnitt noch zulegen und sich vor allem in einer langen Schlussoffensive noch steigern können. "Das hat sie ganz hervorragend umgesetzt, was nur möglich ist, wenn die physischen und psychischen Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind."

"Bei ihr steckt noch viel Potenzial drin", ist ihr Trainer Michael Kraus fest überzeugt. Aufgrund ihrer kürzlich erzielten 10-Kilometer-Laufzeiten wäre in Berlin eine schnellere Zeit locker möglich gewesen, "aber die Zeitvorgaben und der Zeitpunkt waren nicht darauf abgestellt, ein persönliche Halbmarathonbestzeit zu laufen". Das große Ziel ist der München-Marathon, so Kraus, und da gibt es für eine Laufanfängerin nur einen einzigen Weg dorthin: peu à peu darauf hinarbeiten. "Große Erfolge erreicht man nur mit kleinen Schritten", weiß der Marathontrainer.

Bei Dieter Oeckl sieht es Kraus zufolge etwas anders aus. Er hat nicht nur viele Laufkilometer in den Beinen, sondern hat auch schon viel Wettkampferfahrung über die Halbmarathondistanz und kennt auch dieses "Kribbeln vor dem Start". So gesehen, muss der 54-Jährige nicht unbedingt viele Wettkämpfe bestreiten. "Diese Erfahrung hat Dieter, im Gegensatz zu Sindy, reichlich", so der Trainer. red



Zwei Stunden Ausdauerlauf

Während Sindy Meier das Großstadtflair in Berlin laufend genoss, zog es ihr männliches Pendant in der Marathon-Trainingsgruppe, Dieter Oeckl, vor, in heimischen Gefilden seine Runden zu drehen. Ausdauerläufe um die zwei Stunden stehen bei ihm auf dem Trainingsplan. "Im zeitigen Frühsommer werde ich dann auch einen Wettkampf über die Halbmarathondistanz in Angriff nehmen", so der 54-jährige Ludwigschorgaster. Er sieht es noch etwas gelassener, denn Halbmarathonläufe hat er schon viele bestritten in seiner fast zehnjährigen Laufkarriere.
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