Bamberg
Digitalfotografie

Fotos von null bis eins

Von der einfachen Knipse bis zur professionellen Spiegelreflexkamera - längst hat sich die digitale Fotografie durchgesetzt. Die komplexe Technik macht dabei vieles einfacher, stellt aber auch neue Anforderungen an den Fotografen.
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Canon EOS 6D.  Fotos: Agentur Raufeld
Canon EOS 6D. Fotos: Agentur Raufeld
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Edward Steichen, einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, hat die Digitalfotografie nicht mehr erlebt. Er starb 1973, zwei Jahre bevor Kodak den ersten Prototypen einer digitalen Fotokamera vorstellte. Das Gerät konnte nur Schwarz-Weiß-Bilder mit einer Auflösung von 10000 Pixeln (0,01 Megapixel) aufnehmen, war größer als ein Toaster, wog rund vier Kilo und brauchte 23 Sekunden, um ein Foto auf einer gewöhnlichen Musikkassette zu speichern. Es dauerte noch bis in die späten 90er-Jahre, ehe die Digitalkameras den Massenmarkt erreichten. Doch inzwischen sind sie kleine technische Wunderwerke.

Aus den 0,01 Megapixeln (MP) von einst sind zwölf geworden - in handlichen Kompaktkameras. Bei den Spiegelreflexkameras geht es inzwischen bis 36 MP. Doch man sollte sich nicht von großen Zahlen blenden lassen. Wichtiger als die Auflösung ist die Abbildungsqualität, und die ist von vielen Faktoren abhängig. Zum einen gilt prinzipiell, dass ein größerer Sensor eine bessere Bildqualität liefert als ein kleiner (siehe­ Kasten rechts). Zum anderen nützt einem die höchste Auflösung nichts, wenn das Objektiv schlecht ist und verwaschene, verzerrte Bilder liefert. Darüber hinaus können im fotografischen Alltag je nach Einsatzzweck ganz andere Dinge eine viel wichtigere Rolle spielen.

Das fängt schon bei der Größe an. Für Fotografen, die jederzeit spontan Bilder von Alltagssituationen oder Freunden schießen wollen, ist Handlichkeit wichtiger als für Naturfotografen, die primär gezielt auf Motivsuche gehen. Für Letztere darf es ruhig eine große Spiegelreflexkamera sein, während Erstere mit einer kleinen Kompakten glücklicher werden. Die allerdings sollte zum Beispiel eine zuverlässige automatische Belichtungsfunktion bieten, schnell scharf stellen, möglichst verzögerungsfrei auslösen, eventuell einen weiten Zoombereich haben und eine flotte Serienbildfunktion. Hier wird deutlich, dass die Anforderungen an eine "kleine Knipse" sehr vielfältig sein können. Das zeigt sich auch im Preis einer anspruchsvollen Kompakten, die gut und gerne um die 500 Euro kosten kann.

Dem Naturfotografen wird es eher auf Detailtreue ankommen, auf eine möglichst realistische Farbwiedergabe und einen großen Dynamikbereich (je höher er ist, desto differenzierter werden Helligkeitsunterschiede innerhalb eines Motivs wiedergegeben). Ansprüche, die hochwertige Technikkomponenten erfordern. Hier kommt meist nur eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven in Betracht. Die Preise starten unter 300 Euro ohne Objektiv und enden oberhalb von 6000 Euro.

Dazwischen hat sich ein weiteres Segment etabliert: kompakte Systemkameras. Sie sollen die Vorteile aus beiden Welten miteinander verbinden, also die Handlichkeit von Kompaktkameras mit der Bildqualität und der Möglichkeit zum Objektivwechsel der Spiegelreflex-Klasse. Beim Funktionsumfang unterscheiden sie sich nicht zwingend vom einen oder anderen Segment. Selbst Kompaktkameras haben oft mehr Einstellungsmöglichkeiten, als dem Hobbyfotografen lieb sind.

Allerdings nicht in der Einsteigerklasse. Zwar bieten die Geräte häufig Motivprogramme, die Belichtungszeit, Blendenöffnung und den Iso-Wert (die Einstellung für die Lichtempfindlichkeit des Sensors) etwa für Porträt-, Landschafts- oder Sportfotografie optimieren. Wer aber selbst kreativ werden will, braucht zumindest eine Blenden- oder eine Zeitautomatik. Hier lassen sich Belichtungszeit oder Blendenöffnung vorwählen, der andere Wert wird dann automatisch für ein korrekt belichtetes Foto angepasst. Wer häufig bei schlechter Beleuchtung, etwa in Innenräumen, fotografiert, sollte darauf achten, dass ein lichtstarkes Objektiv mit großer maximaler Blendenöffnung verbaut ist. Außerdem hilft ein optischer oder mechanischer Bildstabilisator, Verwackler zu verhindern. Ein digitaler Stabilisator ist weniger effektiv, da er nur den Iso-Wert erhöht, was die Bildqualität verschlechtert.

Und mit den fotografischen Eigenschaften ist bei Digitalkameras noch nicht Schluss. Fast alle Geräte beherrschen auch Videoaufnahmen, manche können Fotos über W-Lan direkt ins Internet hochladen, bei einigen lassen sich gemachte Fotos per GPS dem Aufnahmeort zuordnen oder sie erkennen Gesichter wieder, sodass sie zu einem gemachten Porträt direkt einen einmal gespeicherten Namen anzeigen.
Es gibt also für jeden Fotografen die passende Kamera. Als Käufer muss man sich mehr denn je über die eigenen Bedürfnisse im Klaren sein, denn einfach sind moderne Digitalkameras längst nicht mehr.

Digitales Sensorium


Neben dem Objektiv ist der Sensor entscheidend für die Bildqualität. Das auf seine Pixel auftreffende Licht wird in elektrische Signale umgewandelt, die zu einem digitalen Bild zusammengesetzt werden. Zwar lassen sich auf kleinsten Sensoren viele Millionen Pixel unterbringen, doch die liegen dann so dicht beieinander, dass es zu Qualitätseinbußen kommt. Es entstehen Pixelfehler und jedes einzelne Pixel kann nur wenig Licht aufnehmen. Das Signal muss digital verstärkt werden, was zu unschönem Bildrauschen führt. Deshalb gilt die Faustformel: Je größer der Sensor, desto besser die Bildqualität. In Kameras wie der "EOS 6D" von Canon oder der "Nikon D600" werden sogenannte Vollformatsensoren eingesetzt, die deshalb so heißen, weil sie mit 36 mal 24 Millimetern genau die Größe eines Kleinbildnegativs aus der Analogfotografie haben. Darunter rangiert mit 22,2 mal 14,8 Millimetern das gebräuchliche APS-C-Format. Es wird in vielen Spiegelreflexkameras eingesetzt, aber auch in kompakten Systemkameras wie etwa der "Sony NEX-5R". Darunter rangiert das Four-Thirds-Format (17,3 x 13 mm), das häufig von Panasonic und Olympus eingesetzt wird.

Bei Olympus finden sich die Four-Thirds-Sensoren bis hinunter in die Kompaktklasse. Für gewöhnlich wird es hier allerdings schon deutlich kleiner. So gilt etwa eine Kamera wie die "Fujifilm XF1" als durchaus anspruchsvolle Kompakte, der Sensor im 2/3-Zoll-Format weist aber nur noch Kantenlängen von 8,8 mal 6,6 Millimetern auf. Eine Nikon "Coolpix P7100", ebenfalls der kompakten Mittelklasse zuzuordnen, verfügt noch über eine Sensorgröße von 7,6 mal 5,6 Millimetern. Und so geht es hinunter bis auf 4,5 mal 3,4 Millimeter. Die Größe des Sensors kommt auch bei gestalterischen Fragen ins Spiel. So ist es mit einem kleinen Sensor kaum noch möglich, den klassischen Freistelleffekt zu erreichen, bei dem das scharfe Motiv sich deutlich vom unscharfen Hintergrund abhebt. Was Fotografen mit Kleinbildkameras (oder mit Vollformat-Spiegelreflexkameras) durch eine große Blendenöffnung erreichen, nämlich einen kleinen Tiefenschärfebereich, hat bei kleinen Sensoren kaum noch einen Effekt. Als Ausgleich lassen sich dafür bei schlechten Lichtverhältnissen oft noch Fotos mit großer Tiefenschärfe aus der Hand schießen.

224 Euro geben die Käufer von Digitalkameras im Jahr 2012 durchschnittlich für einen Fotoapparat aus. Im Jahr zuvor waren es noch 206 Euro.

1,5 Gigapixel (1500 Megapixel) hat die derzeit am höchsten auflösende Digitalkamera. Es handelt sich allerdings um einen Prototypen für Forschungszwecke.


von Peter Böge
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