De Maiziére plant mehr Videoüberwachungskameras an deutschen Plätzen - Die sichere Alternative?

Die heftigen Ausschreitungen auf öffentlichen Plätzen bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich nahm der deutsche Bundesinnenminister Thomas De Maiziére zum Anlass, erneut für die Bedeutung einer verstärkten Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen zu werben. Die Diskussion zwischen Sicherheit und Privatsphäre keimt so erneut auf.
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Foto: Eine ausgebaute Videoüberwachung soll mehr Sicherheit an öffentlichen Plätzen bringen. Bildquelle: 24Novembers – 176854076 / Shutterstock.com

11. Juni 2016, erstes Vorrundenspiel der Gruppe B bei der Europameisterschaft in Marseille in Frankreich zwischen Russland und England: Schwerste Ausschreitungen begleiten den gesamten Spieltag, Krawalle in der Stadt, um das Stadion herum und nach Schlusspfiff sogar innerhalb des Stadions auf den Rängen. Es wird mit allem zugeschlagen, was sich in der Nähe befindet, ein Meer von Scherben bedeckt ganze Straßenzüge. Wüste Schlägereien und Jagdszenen erinnern an bürgerkriegsartige Zustände. Die Polizei hat erhebliche Probleme, die Lage unter Kontrolle zu bekommen.

Beteiligt an diesem Chaos sind englische und russische Hooligans sowie französische Jugendliche. Die Lage ist äußerst unübersichtlich. Die Brutalität scheint grenzenlos zu sein. Teilweise liegen schwerverletzte Menschen regungslos am Boden. Ein englischer Fan muss von den Sicherheitskräften noch auf offener Straße wiederbelebt werden. Es sind angsteinflößende Bilder, die um die Welt gingen. Und dies alles ereignet ausgerechnet zu einer Zeit, in der Politik, Sicherheitskräfte und Medien ihr komplettes Augenmerk auf die terroristischen Bedrohungen für das sportliche Großereignis legen.

Unter anderem ist auf den Fernsehaufnahmen ein russischer Hooligan zu sehen, der tagsüber gefilmt wurde, wie er und weitere Täter auf einen am Boden liegenden englischen Fan einschlagen. Dank eines auffälligen Hutes stach dieser Mann besonders hervor. Bei den sich ans Spiel anschließenden Ausschreitungen im Stadion, als russische Hooligans einen englischen Fanblock stürmten, in dem sich auch Familien mit Kindern befanden, war der benannte Fan erneut an vorderster Front zu sehen. Mehrere schwere Straftaten an einem Tag verübt von einem einzigen Mann, ohne dass Sicherheitskräfte eine Festnahme forcieren – und das bei einem derartig langen Zeitraum, der zwischen beiden Taten lag. Könnte eine bessere Videoüberwachung solche Ereignisse eindämmen beziehungsweise eine Strafverfolgung erleichtern?

De Maiziére wirbt für stärkere Videoüberwachung öffentlicher Plätze

Die Diskussion über eine verbesserte Videoüberwachung öffentlicher Plätze, welche häufig Schauplatz derartiger Ausschreitungen wie bei der Europameisterschaft sind, ist erneut entbrannt. „In den letzten Jahren ist das Thema der Videoüberwachung in vielen Ländern der EU immer wichtiger geworden. Unübertroffen ist jedoch Großbritannien: Seit Anfang der neunziger Jahre werden dort Kameras an öffentlichen Plätzen angebracht. Das Ziel ist klar: Mehr Sicherheit bei gleichzeitiger Senkung der Personalkosten für Sicherheitskräfte“ erklärt uns der Experte für Videoüberwachung von www.topsicherheit.de.


Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) äußerte sich vor dem zweiten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Polen zu dem Thema in der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ mit Verweis auf die schweren Ausschreitungen sehr offensiv: „Vielleicht begreift jetzt auch der Letzte in Deutschland, dass mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen in erster Linie eine Hilfe ist und nicht Beobachtung von Unschuldigen.“ Der Minister spricht sich also eindeutig für eine stärkere Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen in Deutschland aus. Die Videoüberwachung müsse „auch in Deutschland ausgebaut werden“, schließlich sei es für die Strafverfolgung förderlich, wenn entsprechende Bildaufnahmen vorlägen.


„Ohne Body-Cams oder stationäre Überwachungskameras der Behörden wäre so etwas nicht möglich“, sagte der Bundesinnenminister. Zusätzlich würde ein verschärftes Alkoholverbot bei sportlichen Großereignissen, speziell beim Fußball, die Hemmschwelle zur Gewalt erhöhen. „Alkohol ist bei öffentlichen Großveranstaltungen wie Fußballspielen eine Seuche“, argumentierte De Maiziére. Aus diesem Grund begrüße der Minister das von seinem französischen Amtskollegen ausgesprochene Alkoholverbot für die Stadien.

Optimistisch schaute Thomas De Maiziére dem zweiten Gruppenspiel gegen Polen entgegen. Er sei zuversichtlich, dass Szenen, wie bei den Ausschreitungen zwischen den Fans von England und Russland, nicht vorkommen würden. Dafür wurde die Zusammenarbeit zwischen französischen und deutschen Behörden noch einmal verstärkt. Mit Hilfe von zusätzlicher Videoüberwachung könnten ebenfalls schon im Vorfeld sich andeutende Auseinandersetzungen verhindert werden. Der Sicherheitsaspekt steigt mit einer erweiterten Überwachung auf großen öffentlichen Plätzen enorm. Und in der Tat konnten die Ausschreitungen zumindest eingedämmt, wenn auch nicht gänzlich verhindert werden.