Im Prozess um die Vergewaltigung und Tötung einer chinesischen Studentin hat das Landgericht Dessau-Roßlau am Freitag das Urteil verkündet. Der 21-jährige Angeklagte , der die Frau vergewaltigt und getötet hat, wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Seine mitangeklagte Ex-Partnerin erhielt am Freitag eine Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wegen sexueller Nötigung. Die junge Frau soll die Chinesin im Mai 2016 bei einer Joggingrunde abgefangen haben.

Laut Staatsanwaltschaft vergewaltigten beide deutsche Angeklagte die 25-Jährige in einer leerstehenden Wohnung mehrfach und misshandelten sie so stark, dass sie starb. Die schwer entstellte Leiche wurde später im Freien gefunden, sie wies starke Verletzungen auf.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Vergewaltigung und Mordes. Zudem geht sie von einer besonderen Schwere der Schuld aus. Für die mitangeklagte Frau - eine dreifache Mutter - verlangte die Staatsanwaltschaft eine Jugendstrafe von acht Jahren Haft. Ihr sei zugute zu halten, dass sie vor Gericht Reue und Scham zeigte - im Gegensatz zu ihrem Ex-Partner. Der hatte zu den Vorwürfen geschwiegen und war teilnahmslos den mehr als 30 Verhandlungstagen gefolgt.

Die Verteidiger der beiden Angeklagten beantragten deutlich mildere Strafen von zehn und drei Jahren Haft, aus ihrer Sicht liegt kein Mord vor. Für den 21-Jährigen Mann beantragten die Anwälte eine zehnjährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung mit Todesfolge. Für seine mitangeklagte Ex-Partnerin forderten deren Verteidiger eine dreijährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung in besonders schwerem Fall.

Die Straftat hatte in Dessau-Roßlau Bestürzung ausgelöst - nicht nur wegen der Brutalität, sondern auch, weil der Angeklagte aus einer Polizistenfamilie stammt. Die Mutter hatte anfangs - als es noch keine Tatverdächtigen gab - an den ersten Befragungen in dem Fall mitgewirkt. Es gab Vermutungen, wonach die Eltern Einfluss auf die Ermittlungen haben könnten - inzwischen ist der Verdacht ausgeräumt. Empörung verursachte auch, dass die Eltern des Angeklagten einen Tag nach der Trauerfeier für die Getötete eine Eröffnungsparty für ein Gartenlokal in Dessau feierten.

Viele Dessauer verfolgten die Prozesstage als Zuschauer im Gericht. Auch die Eltern der getöteten Chinesin waren dabei - sie sind mit zwei Nebenklageanwälten vertreten. Dem Gericht hatten sie zuletzt die Nachricht zukommen lassen, sie hofften auf eine Strafe, die Gerechtigkeit herstelle.