Ein umstrittener Ball der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) hat in Wien heftige Proteste ausgelöst. Mehrere Tausend Menschen zogen am Freitagabend durch die Innenstadt und demonstrierten gegen den von der FPÖ organisierten Akademikerball. Sie versuchten, Besucher auf dem Weg zu der Veranstaltung zu behindern. Nach Schätzungen der Polizei waren rund 3000 Demonstranten unterwegs.

Neun Demonstranten wurden laut Behördenangaben wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen, zahlreiche weitere seien angezeigt worden. Gegen Mitternacht sei die Lage wieder ruhig gewesen, teilte die Landespolizeidirektion Wien mit. Österreichische Medien berichteten zuvor von bis zu 20 Festnahmen. Nach ersten Erkenntnissen wurden zwei Ballgäste und zwei Polizisten verletzt. Unter den Demonstranten waren auch linke Aktivisten aus Deutschland.
Sie waren unter anderem mit Bussen aus Berlin, Dresden und Göttingen angereist.

Der Akademikerball war eine Nachfolgeveranstaltung des umstrittenen Balls der Burschenschaften. Nach Protesten war diese Veranstaltung im Vorjahr nicht mehr in der Hofburg zugelassen worden. Damals fand der Ball am Holocaust-Gedenktag statt. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache hatte für Wirbel gesorgt, als er angesichts der Kundgebungen sagte: "Wir sind die neuen Juden."

Kritiker erklärten, die Umbenennung in Akademikerball sei bloßer Etikettenschwindel, die Veranstaltung sei ein Treffen von Rechten und Rechtsextremen. Bei den jetzigen Protesten wurde der FPÖ-Politiker Martin Graf nach eigenen Angaben von einem Farbbeutel getroffen. Er sprach von Angriffen eines "linksextremen Mobs". Der Europa-Abgeordnete Andreas Mölzer von der FPÖ sei ebenfalls von einem "Wurfgeschoss" getroffen worden, teilte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky mit.

Die FPÖ spricht ihre Anhängerschaft mit Populismus und offener Fremdenfeindlichkeit an. Bei den Wahlen 2008 wurde sie mit 17,5 Prozent drittstärkste Kraft. Der Partei wird immer wieder Nähe zum Rechtsextremismus vorgeworfen, was sie jedoch zurückweist. Sie ist im nationalen Parlament, in den Landtagen und in vielen Gemeinderäten Österreichs vertreten. dpa