Umzingelt von Vertreterinnen führender Frauenverbände sitzt Peer Steinbrück vor einem Strauß von Mikrofonen und zählt auf, was er alles für die Frauen tun will, wenn er gewählt wird: Gesetzliche Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte, Entgeltgleichheitsgesetz binnen 100 Tagen, gesetzlicher Mindestlohn... So ziemlich alle Forderungen der Frauen will der SPD-Kanzlerkandidat im Fall eines Wahlsieges "ohne schuldhaftes Zögern" erfüllen. Aber während er das sagt, klingt seine Stimme monoton, und sein Blick ist starr geradeaus gerichtet.

Wie tief die Überzeugung bei ihm gehe, sei deshalb schwer auszumachen, sagt eine der Frauen im Anschluss, und außerdem: "Er ist ja auch ein Mann." Da brenne er natürlich nicht so dafür. Aber ob nun aus Kalkül oder Leidenschaft: Versprochen sei versprochen.
Und egal ob Steinbrück oder Merkel gewinne, in der nächsten Legislaturperiode müsse die Frauenquote nun in jedem Fall kommen: Denn auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat den Besucherinnen an diesem sonnigen Freitag strahlend verkündet, dass man sehr bald nach der Wahl daran gehen werde, die im CDU-Wahlprogramm festgeschriebene Frauenquote von 30 Prozent ab 2020 umzusetzen.

Es ist das erste Mal, dass zehn Frauenverbände gemeinsam den Parteien auf den Zahn fühlen. "Spitzenfrauen fragen Spitzenkandidaten" heißt das Motto, wobei die Spitzenkandidatin Merkel nicht zur Verfügung steht. Stattdessen kommt von der Leyen.

Mit keinem Wort gehen die Verbandsvertreterinnen darauf ein, dass von der Leyen vor vier Wochen im Bundestag noch gegen die Frauenquote gestimmt hat. Politik sei die Kunst des Möglichen, meinen sie, und immerhin habe von der Leyen der Kanzlerin dafür das Zugeständnis mit der Quote im Wahlprogramm abgerungen. Monika Schulz-Strelow von der Initiative "Frauen in die Aufsichtsräte" zweifelt nicht daran, dass das auch umgesetzt werden wird: "Alles andere wäre ein Vertrauensbruch."


"Haben Sie keine Schutzquote für Männer?" - "Nein"

Eine halbe Stunde später. Ganz in Rot vor blauem Berliner Himmel erzählt Sahra Wagenknecht, wie die Linke bei sich selbst die 50-Prozent-Quote realisiert: Mindestens 50 Prozent aller Posten sind für Frauen reserviert, um die restlichen 50 Prozent bewerben sich Frauen und Männer. Was Martine Herpers von "Erfolgsfaktor Frau" prompt die Frage entlockt: "Haben Sie keine Schutzquote für Männer?" "Nein", sagt Wagenknecht, "da müssen die durch."

Die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt bekennt: "Ich bin selbst eine Quotenfrau." Dafür müsse man sich keineswegs schämen, denn nur so sei das Machtmonopol der Männer zu durchbrechen. "Anzugträger suchen Anzugträger."

Allein die FDP will keine Quote - sie fürchtet eine Gängelung der freien Wirtschaft. "Sie wissen, dass wir da einen Dissens haben", merkt Regine Rapp-Engels vom Deutschen Ärztinnenbund vorsichtig an. Ja, das weiß Fraktionsvize Heinrich Kolb. Aber gehe es ihnen letztlich nicht um die gleichen Ziele? So wird am Ende auch er zum Gruppenfoto gebeten.

Eine Wahlempfehlung geben die Verbände nicht ab. Sie sind überparteilich und müssen mit allen politischen Kräften auskommen. Sie wissen auch, dass vor der Wahl nicht nach der Wahl ist. Aber sie haben alles aufgeschrieben, und wer auch immer das Rennen macht im September: Sie werden ihn an seine Worte erinnern. dpa