Will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder deutscher Bundeskanzler werden? Zumindest der CDU-Politiker Friedrich Merz sieht Söder nicht als Konkurrenten im Rennen um die Kanzlerkandidatur. "Ich nehme seine Äußerung ernst, dass er in Bayern bleiben will", sagte Merz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.  

Söders Aussage, dass im kommenden Januar über den Unionskanzlerkandidaten für die Wahl 2021 entschieden werde, habe er nicht als Vorpreschen empfunden. «Wir haben in der Union eine klare Reihenfolge festgelegt. Erst wählt die CDU ihren Vorsitzenden, danach entscheiden CDU und CSU, wer der gemeinsame Kanzlerkandidat wird.» 

Wer kann Merkel ersetzen?

Klar ist bereits: Angela Merkel will nicht nochmal kandidieren. Auf die Frage, ob sie darüber nachdenke, angesichts der noch nicht bewältigten Corona-Krise für eine nächste Kanzlerkandidatur zur Verfügung zu stehen, sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Was nun, Frau Merkel": "Nein. Wirklich nicht." Ihr Nein zu dieser Frage stehe "ganz fest".  Dabei ist Merkel in der Corona-Krise weiterhin Deutschlands beliebteste Politikerin: Im Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen führt sie die Top Ten der wichtigsten Politiker bei der Beurteilung nach Sympathie auch Anfang Juni an. Auf Platz 2 findet sich dort bereits längere Zeit Markus Söder - was die Spekulationen um seine Kanzler-Ambitionen anheizt. 

Doch der CSU-Chef hatte mehrmals betont, dass sein Platz in Bayern sei. Andererseits hatte er mit Blick auf die K-Frage und den CDU-Parteitag im Dezember auch gesagt: "Wer weiß, was bis dahin noch alles passiert." In einer Äußerung über Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte er zudem hinzugefügt: "Die Krise zeigt, wem die Deutschen in schwierigen Zeiten vertrauen." Dies war von vielen wiederum als eine eigene Bewerbung verstanden worden.

Zumindest viele inFranken.de Leser würden sich dieses Szenario wohl wünschen: In mehreren Umfragen seit Februar 2020 haben mehr als 60 Prozent unserer Leser Söder die Eignung zum Kanzler attestiert. In unserer letzten Umfrage Ende Mai 2020 waren sogar 74 Prozent der Nutzer der Meinung, dass Söder ein guter Kanzler wäre.

Zweikampf Merz und Söder - oder doch jemand ganz anderes?

Bei Friedrich Merz hingegen ist die Lage klar: Bereits unmittelbar nach dem Wahldesaster in Thüringen Anfang Februar 2020 hatte sich Merz als Kanzlerkandadat in Position gebracht - noch bevor Annegret Kramp-Karrenbauer die CDU-Führung abgab.  

Neben Merz bewerben sich auch noch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Der NRW-Regierungschef hat wie Söder den Vorteil, sich im Amt als Krisenmanager profilieren zu können. Dies können Merz und Röttgen nicht. Für den Parteivorsitz tritt er derweil zusammen mit Gesundheitsminister Jens Spahn an. Der jedoch könnte, so wird von einigen Beobachtern vermutet, auch noch selbst die Kanzlerschaft anstreben.

Saar-Ministerpräsident Tobias Hans erwartet keine weiteren Bewerbungen für den Parteivorsitz. Nach der Wahl würden "die Vorsitzenden von CDU und CSU darüber sprechen, wer Kanzlerkandidat wird", sagte Hans der Deutschen Presse-Agentur. Sowohl CDU- als auch CSU-Vorsitzende seien "natürlicher Aspirant auf die Kanzlerkandidatur". rowa/mit dpa