Berlin

Unionsfraktion gegen Frauenquote in Vorständen - Eingriff wäre ein "ordnungspolitischer Sündenfall"

2018 waren nur 7,3 Prozent der Vorstandsmitglieder von 160 DAX-Unternehmen weiblich - trotzdem wurde nun eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote in Unternehmensvorständen von der Unionsfraktion abgelehnt. Die Begründung macht fassungslos.
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Auch im Jahr 2019 ist der Frauenanteil in Unternehmensvorständen noch sehr gering - die Unionsfraktion lehnt eine Frauenquote jedoch trotzdem ab. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa
Auch im Jahr 2019 ist der Frauenanteil in Unternehmensvorständen noch sehr gering - die Unionsfraktion lehnt eine Frauenquote jedoch trotzdem ab. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Die Unionsfraktion lehnt eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote für Unternehmensvorstände ab. Die Ressorts von Justizministerin Christine Lambrecht und Frauenministerin Franziska Giffey (beide SPD) arbeiten derzeit an einem entsprechenden Gesetzentwurf.

"Ordnungspolitischer Sündenfall" - Unionsfraktion lehnt Frauenquote ab

Es müsse gelten: "Ja zu mehr Frauen in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten, aber nein zu einer Frauenquote per Gesetz", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer, der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag).

In der sozialen Marktwirtschaft gelte das Leistungsprinzip - "und zwar unabhängig des Geschlechts". Ein staatlicher Eingriff in die Personalpolitik von Unternehmen wäre deshalb ein ordnungspolitischer Sündenfall.

Auch 2019 nur 8,6 Prozent Frauenanteil in Unternehmensvorständen

Seit Anfang 2016 müssen die etwa 100 größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland mindestens 30 Prozent der Posten in ihren Kontrollgremien mit Frauen besetzen.

Das Gesetz schreibt für zahlreiche weitere Firmen vor, sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorstand und anderen Führungsgremien zu geben. Eine gesetzliche Quote für Vorstände gibt es bislang aber nicht. Die SPD fordert schon seit vielen Jahren eine solche Quote.

Ein Umdenken muss stattfinden

Auch 2019 ist die Zahl der Frauen in den 160 DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen noch ernüchternd gering. Nur 8,6 Prozentder Vorstandsmitglieder sind weiblich. Ein Drittel der Unternehmen kann wenigstens eine Frau im Vorstand vorweisen - jedoch nur fünf Prozent der Unternehmen beschäftigen mindestens zwei Frauen im Vorstand.

Ganze 67 Prozent der Gremien sind ausschließlich mit Männern besetzt. Joachim Pfeiffers Ansatz des Leistungsprinzips unabhängig des Geschlechts ist daher zwar genau das - ein richtiger, theoretischer Ansatz, die Statistiken zeigen jedoch, dass es realistisch gesehen nur sehr langsam zu einer höheren Frauenquote in Vorständen kommen wird.

Wenn die Zahlen auch fortlaufend im Tempo des letzten Jahres steigen, wird es bis 2034 dauern, bis wenigstens ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt sind. Dies liegt jedoch nicht daran, dass es keine qualifizierten Frauen gibt. Einer der Gründe für den geringen Frauenanteil in Vorständen ist zum Beispiel die Bequemlichkeit der Top-Manager.

"Unbequeme Teams" nicht erwünscht - Einstellung nach eigenem Spiegelbild

"Unbequemere Teams" - also Teams, in denen Reibung entsteht, verschiedene Ideen aufkommen und viel geredet und abgestimmt werden muss - werden laut Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, nicht gewünscht. Es wird weiterhin nach dem eigenen Spiegelbild eingestellt, so entstehen dann unglaublich homogene Gruppen, die untereinander reibungslos funktionieren. Laut Ankersen fehlt in deutschen Konzernen Reibung, Innovation und Umdenken. Mit homogenen Führungsgruppen wird sich daran auch nicht viel ändern.

Natürlich sollten Quoten der letzte Weg bleiben - ein natürliches Umdenken und eine Entwicklung in die richtige Richtung von selbst sind erwünscht - die Statistiken der letzten Jahre zeigen aber, dass diese Entwicklung von alleine nur schleichend, vielleicht auch gar nicht eintreffen wird. Wenn es schon keine Quote gibt, dann muss kritisch auf das Thema geschaut werden. In einer perfekten Welt würde bei Einstellungen und Beförderungen nur nach Leistung entschieden werden - in unserer Welt passiert dies jedoch nicht.