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Joachim Herrmann erntet Kritik für Aussagen zu kriminellen Migranten

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zieht mit seiner Aussage über ein erhöhtes Gewaltpotenzial von Migranten Kritik auf sich.
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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zieht mit seiner Aussage über ein erhöhtes Gewaltpotenzial von Migranten Kritik auf sich.  Foto: Peter Kneffel/dpa
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zieht mit seiner Aussage über ein erhöhtes Gewaltpotenzial von Migranten Kritik auf sich. Foto: Peter Kneffel/dpa

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert einen nüchternen Blick auf die Kriminalität unter Migranten: Es sei unbestreitbar, dass diese überproportional an Gewalttaten beteiligt seien, sagte Herrmann am Montag in München. Auf der anderen Seite sei die Kriminalität so niedrig wie vor 30 Jahren. "Einerseits müssen wir ganz klar jeder ausländerfeindlichen Hetze entgegentreten, aber auf der anderen Seite auch nicht blauäugig sein", sagte der CSU-Politiker - "im Hinblick darauf, dass hier eben Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, die dieses erfreuliche hohe Maß an Gewaltlosigkeit, wie wir das gerade in unserem Land über einen langjährigen, jahrhundertelangen Prozess erreicht haben, so nicht gewohnt sind." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post sagte der "Bild"-Zeitung in der Dienstagsausgabe, Herrmanns Äußerungen seien "an Blödheit nur schwer zu überbieten".

Erhöhte Gewaltkriminalität bei Migranten?

Zuvor hatte Herrmann in der "Passauer Neuen Presse" auf erhöhte Gewaltkriminalität bei Zuwanderern hingewiesen. Gleichzeitig betonte der Minister: "Wir leben in einem der sichersten Länder der Welt. Bayern ist das sicherste Land in Deutschland." Herrmann warnte davor, den Fall des Eritreers, der im Frankfurter Hauptbahnhof eine Mutter und ihren achtjährigen Sohn vor einen einfahrenden Zug gestoßen hatte, zu verallgemeinern: "Den Fall in Frankfurt muss man erstmal in Ruhe aufklären. Da geht es ja auch drum: Hat das psychische Hintergründe?" Diese Tat sei "sicherlich überhaupt nicht typisch und kann nicht verallgemeinert werden", sagte Herrmann.

Grundlage von Herrmanns Einschätzung ist der langfristige Rückgang der Kriminalität bei vielen Arten von Straftaten, die das Bundeskriminalamt in Zeitreihen ausführlich dokumentiert. Was die schwere Gewaltkriminalität betrifft, waren die Fallzahlen Ende der 1980er Jahre in der alten Bundesrepublik mit gut 20 Millionen weniger Einwohnern sogar höher als heute: Im Jahr 1987 dokumentierte die Polizei 3500 Straftaten gegen das Leben, im Jahr 2018 waren es 3254. Diese Entwicklung ist aber trotz des allgemeinen Trends nicht kontinuierlich verlaufen: In den frühen 90er Jahren gab es nach Wiedervereinigung und dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts zunächst einen starken Anstieg der Straftaten gegen das Leben, anschließend einen weitgehend kontinuierlichen Rückgang bis 2013. Seither gibt es wieder einen leichten Aufwärtstrend.

Unterscheidung von Gewaltdelikten

Das Bundeskriminalamt (BKA) beschäftigt sich in einem Bundeslagebild 2018 mit Kriminalität im Kontext von Zuwanderung. Ein Ergebnis: Bei bestimmten Gewaltdelikten sind überproportional häufig Zuwanderer unter den Tatverdächtigen. Dies gilt etwa für Straftaten gegen das Leben, Körperverletzung und Raubstraftaten sowie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Aus dem Bundeslagebild geht jedoch auch ein Grund für den übermäßigen Anteil von tatverdächtigen

Zuwanderern bei bestimmten Gewaltstraftaten hervor: die Alters- und Geschlechtsstruktur dieser Gruppe. Junge Männer zwischen 14 und 30 Jahren sind, unabhängig von ihrer Herkunft, diejenigen, die am häufigsten an Gewaltkriminalität beteiligt sind, so Kriminalstatistiken - und diese Gruppe ist unter den Zuwanderern deutlich größer als bei der deutschen Bevölkerung. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes betrug das Durchschnittsalter Schutzsuchender Ende des vergangenen Jahres 29,4 Jahre. Der Anteil der Männer lag bei knapp 63 Prozent. Die deutsche Bevölkerung war Ende 2017 durchschnittlich 45,4 Jahre alt und zu rund 49 Prozent männlich.