Berlin
Internes Gutachten

27 Plagiate: Studenten enthüllen Gutachten zu Giffeys Doktorarbeit

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) steht erneut in der Kritik, da sie bei ihrer Doktorarbeit unsauber gearbeitet haben soll. Studenten haben ein internes Gutachten der "Freien Universität Berlin" veröffentlicht, das eklatante Fehler und Mängel der Arbeit aufzeigt.
 
Franziska Giffey (SPD)
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im Bundestag. Foto: Jörg Christensen/dpa

Mindestens 27 Plagiate sollen sich in der Doktorarbeit von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) befinden. Ein geheimes Gutachten der "Freien Universität Berlin (FU)" legt das nahe. Studenten der Universität veröffentlichten nun das interne Dokument

Giffey war im Oktober 2019 mit einer Rüge der "FU" davon gekommen. Auf härtere Konsequenzen, wie etwa der Entzug ihres Doktortitels, wurde nach mehreren Überprüfungen verzichtet. Die Begründung: "Der Kern der Arbeit und die wissenschaftliche Leistung" würden "von den Mängeln nicht infrage gestellt" werden. 

Franziska Giffeys Doktorarbeit: Studenten fordern Entzug des Doktortitels

Das 13 Seiten lange Gutachten, das vom "Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA)" veröffentlicht wurde, erweckt nun einen anderen Eindruck: Giffey soll an 27 Stellen ihrer Arbeit plagiiert haben. Beispielsweise soll die 42-Jährige in fünf Fällen komplette Sätze aus Arbeiten anderer übernommen haben, ohne diese als direkte Zitate zu kennzeichnen, nicht mal eine Quelle wurde laut Gutachten angegeben worden sein.

Die 22 anderen Stellen der Doktorarbeit weisen demnach "deutliche Textübernahmen oder Paraphrasen" auf, "bei denen keine Quelle genannt wurde". Die Gutachter der "FU" kommen zum Schluss, dass der "Tatbestand der objektiven Täuschung" erfüllt sei. Trotz der aufgezeigten Mängel und dem genannten Fazit, sah die "Freie Universität Berlin" davon ab, Giffey den Titel abzuerkennen. 

Für die Studenten ist das ein Skandal: "Studierende fallen durch Prüfungen, weil sie zwei Zitatangaben vergessen haben. Selbst CDU-Politiker Frank Steffel wurde der Doktortitel durch die FU entzogen, obwohl er weit weniger abgeschrieben hatte. Wir sehen hier keinerlei Verhältnismäßigkeit, sondern politisches Kalkül der FU-Führung", sagt Anna Müller, Referentin des "AStA". 

Nach der Enthüllung des Gutachtens ist für den "Studierendenausschuss" klar: Die "FU" müsse Giffey ihren Doktortitel entziehen. "Politisches Kalkül" lautet der Vorwurf der Studenten gegenüber der Universität. Der Fall gewinnt zusätzlich an Brisanz, da Giffey im Jahr 2021 möglicherweise Berlins regierenden Bürger beerben könnte. Der "AStA" fügt deshalb hinzu: "Sollte Giffey nicht nur das Amt der Bürgermeisterin von Michael Müller übernehmen, sondern auch das der Wissenschaftssenatorin, wäre das eine Bankrotterklärung für den Wissenschaftsstandort Berlin", so Referent Janik Besendorf. 

tu