Berlin

Passfotos nur noch auf dem Amt: Preis für Bürger steigt

Das Bundesinnenministerium von Horst Seehofer will deutsche Personalausweise und Reisepässe sicherer machen: So sieht der Plan der Politik vor.
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Das Bundesinnenministerium (BMI) plant ein Gesetz, das die Aufnahme und die Verwaltung von Fotos für Personalausweise und Reisepässe neu regelt. Foto: Tim Brakemeier/dpa
Das Bundesinnenministerium (BMI) plant ein Gesetz, das die Aufnahme und die Verwaltung von Fotos für Personalausweise und Reisepässe neu regelt. Foto: Tim Brakemeier/dpa

Für Personen unter 24 Jahren gilt eine Personalausweis-Laufzeit von sechs Jahren, für Personen ab 24 Jahren eine Laufzeit von zehn Jahren: Wer bald einen neuen Ausweis auf dem Amt beantragen muss, den erwartet eine neue Regelung. Das Bundesinnenministerium plant aktuell einen Gesetzesentwurf, der vorsieht, dass Fotos für Personalausweise oder Reisepässe in Zukunft direkt auf dem Amt gemacht werden müssen. Doch was steckt hinter der Neuregelung durch die Politik?

Pass-Fotos auf dem Amt: Innenministerium plant Änderung

Demnach sollen Passfotos zukünftig "in Gegenwart eines Mitarbeiters" angefertigt als auch "elektronisch erfasst werden". Das Bundesinnenministerium begründet diese Neuregelung mit der Kampf gegen Bildmanipulationen. Es geht um sogenanntes "Morphing": Dabei werden mehrere Fotoaufnahmen digital zu einem Gesicht verschmolzen. Das BMI erklärt im Gesetzesentwurf: "Ist ein auf dem Pass enthaltenes Lichtbild auf diese Weise manipuliert, kann nicht nur der Passinhaber, sondern unter Umständen auch eine dritte Person den Pass zum Grenzübertritt nutzen."

Indem die Politik nun gegen "Morphing" aktiver vorgehe, könne gewährleistet werden, dass deutsche Bürger in Zukunft visafrei in viele Staaten reisen könnten, heißt es von Seiten des Innenministeriums. Zusätzlich betont das BMI gegenüber dem WDR: Indem das Foto in der Behörde aufgenommen und anschließend in einen hochsicheren Ausweis aufgedruckt werde, könne dem Lichtbild im Ausweis ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht werden.

Ausweisfotos werden teurer: Passfoto-Reform trifft Verbraucher

Konkret sieht der Gesetzesentwurf jeweils zwei Selbstbedienungsautomaten für rund 5500 Ausweisbehörden in Deutschland vor. Nicht nur Fotos, sondern auch Fingerabdrücke und Unterschriften sollen dort digital gespeichert werden können. Sich einen neuen Personalausweis beziehungsweise Reisepass ausstellen zu lassen, wird dadurch teurer: Auf Anfrage des RND erklärte ein zuständiger Referent, dass die Gebühren für die Ausstellung der Dokumente somit um drei Euro steigen werden.

Doch nicht nur auf den Verbraucher kommen Mehrkosten zu. Den Einzelhandel trifft der Gesetzesentwurf hart: "Dieser Plan würde Millionenumsätze vernichten. Er stellt deshalb eine existenzielle Bedrohung für viele mittelständische Unternehmen da", schreibt der Handelsverband "HDE" dem Ministerium. Dieser Brief liegt der FAZ vor. Der Verband befürchtet erhebliche Umsatzeinbußen für die Branche. Passfotos für Ausweisdokumente bringen dem Einzelhandel den höchsten Deckungsbeitrag ein. Sie sorgen zudem für eine hohe Frequenz an Kunden in Fotostudios.

Wann genau, das geplante Gesetz in Kraft treten soll, ist derzeit noch unklar. Verschiedene Verbände haben noch bis Ende Januar die Möglichkeit, Stellung zu den Plänen von Horst Seehofers Innenministeriums zu beziehen. Die Änderung bei den Ausweisen könnte nach einer Übergangszeit von zwei Jahren in Kraft treten. Bei einer schnellen Einigung durch Bundesrat und Bundestag, könnte dies bereits im Sommer 2022 der Fall sein.