Berlin
Hochrechnungen

EU-Wahl für SPD und Union ganz bitter - "Hammerergebnis" für Grüne

Union und SPD haben bei der Europawahl in Deutschland nach Hochrechnungen von ARD und ZDF historisch schlecht abgeschnitten. Das Resultat der Grünen bezeichnete ihre Fraktionschefin im Bayerischen Landtag, Katharina Schulze, dagegen als "Hammerergebnis".
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Annalena Baerbock (L), Grünen-Vorsitzende, und Katrin Göring-Eckard, Grünen-Fraktionschefin, jubeln nach der Bekanngabe der ersten Prognose für die Europawahl. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Annalena Baerbock (L), Grünen-Vorsitzende, und Katrin Göring-Eckard, Grünen-Fraktionschefin, jubeln nach der Bekanngabe der ersten Prognose für die Europawahl. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die Grünen triumphieren, Union und SPD müssen schmerzvolle Verluste einstecken. So lauten die aktuellen Prognosen:

Grüne gewinnen Wähler von SPD und CDU

Die Grünen haben bei der Europawahl von der SPD und der Union jeweils mehr als eine Million Wähler dazugewonnen. Bei einer Analyse der Wählerwanderungen von Infratest dimap in der ARD hieß es am Sonntagabend, die Grünen hätten im Vergleich zu 2014 von der SPD 1,37 Millionen Wähler herüberziehen können. Von der Union kamen demnach 1,25 Millionen Wähler zur Ökopartei.

Der Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, freut sich am Sonntagabend bei Twitter über das Abschneiden seiner Partei.

Grüne profitieren von jungen Wählern

Vor allem junge Wähler hätten bei den Grünen ihr Kreuzchen gemacht. Unter den 18- bis 24-Jährigen hätten 34 Prozent die Grünen gewählt. Bei den 25- bis 34-Jährigen votierten 27 Prozent für die Grünen, hieß es in der ARD.

Hintergrund sei, dass die jungen Leute der Partei in Sachen Klima- und Umweltschutz am meisten zutrauten. Die Grünen liegen nach ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF erstmals bei einer bundesweiten Wahl auf dem zweiten Rang vor der SPD.

SPD fällt auf Allzeittief

Bei der Europaabstimmung stürzt die SPD auf ihr schlechtestes EU-Ergebnis überhaupt und bleibt auch noch weit unter ihrem schwachen Bundestagswahlergebnis von 2017. In ihrer einstigen Hochburg Bremen, die sie seit dem Krieg regiert, droht der SPD erstmals der Gang in die Opposition: Rot-Grün ist abgewählt, ein Bündnis mit der CDU haben die Sozialdemokraten ausgeschlossen.

Aber auch in der CDU mit ihrer neuen Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer dürfte angesichts des schwachen Abschneidens bei der Europawahl eine Diskussion über die Aufstellung im Bund nicht ausbleiben. Für Anfang Juni hat Kramp-Karrenbauer bereits eine Führungsklausur angesetzt.

Ohnehin ist eine kleine Kabinettsumbildung nötig, weil die EU-Spitzenkandidatin der SPD, Katarina Barley, nach Brüssel wechselt und daher bereits ihren Rückzug als Justizministerin angekündigt hat.

Grüne sind in Bremen Zünglein an der Waage

Im kleinsten Bundesland Bremen hängt jetzt alles von den Grünen ab: Wer sie für ein Bündnis gewinnen kann, dürfte Regierungschef werden. Rechnerisch möglich wäre es, dass das bisherige rot-grüne Bündnis um die Linken erweitert wird und der Sozialdemokrat Carsten Sieling doch noch Bürgermeister bleibt. Mindestens genauso gut denkbar wäre aber auch eine Jamaika-Koalition von CDU, Grünen und FDP unter dem CDU-Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder, einem Unternehmer und politischen Quereinsteiger. Zwar galten die Bremer Grünen einst als linker Landesverband, die Jamaika-Option entspräche aber dem Bestreben der Bundespartei, sich die Türen für ein solches Bündnis im Bund offenzuhalten.

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