Die Bundesregierung hat ein Konjunkturpaket beschlossen, das 130 Milliarden Euro schwer ist. Teil davon ist unterem anderen der sogenannte "Kinderbonus".

Ende Juni wurde der Kinderbonus für alle Kindergeldberechtigten beschlossen. Knapp zwei Monate später geht es nun an die Auszahlung. Die Familienkassen beginnen ab dem 7. September mit den Zahlungen. Das teilte das Bundesfinanzministerium auf Anfrage der Zeitungen der Funke Mediengruppe mit. Alles Wichtige dazu im Überblick: 

Update vom 06.09.2020, 16.13 Uhr: Corona-Kinderbonus wird ab Montag ausgezahlt

Corona-Kinderbonus ab Montag (7. September 2020): Ab morgen dürfen sich Eltern in Deutschland über eine Sonderzahlung freuen. Für jedes Kind, für das im Jahr 2020 mindestens in einem Monat Anspruch auf Kindergeld besteht oder bestand, wird der Kinderbonus in Höhe von 300 Euro ausgezahlt, erläutert die Arbeitsagentur. Mit dem Kinderbonus sollen Familien unterstützt werden, die in der Corona-Krise generell größeren Belastungen ausgesetzt sind. Er ist Teil des Corona-Konjunkturpakets der Bundesregierung.

Fast zwei von drei Empfängern wollen den einmaligen Kinderbonus ganz oder teilweise direkt wieder ausgeben. Das zeigt eine Umfrage im Auftrag des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. 1202 Menschen wurden befragt.

FDP nennt Kinderbonus "Mogelpackung"

Bundesfinanzminister Olaf Scholz nannte den Bonus "gute und praktische Hilfe". Sie komme da an, wo sie wirklich gebraucht werde, teilte der SPD-Politiker der dpa mit. "In den vergangenen Monaten hatten gerade Familien viel durchzustehen", so Scholz. "Familien und Kinder unterstützen wir deshalb besonders beherzt mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen."

Aus den Reihen der Freien Demokraten kam dagegen Kritik. "Der Kinderbonus ist nichts weiter als eine Mogelpackung", so FDP-Fraktionsvize Christian Dürr. "Viele Eltern müssen die Zahlung versteuern und Alleinerziehende bekommen offenbar nur die Hälfte. Echte Hilfe kommt bei den Familien also kaum an." Ein alleinerziehender Elternteil, der das Kindergeld bekommt, kriegt den Bonus auch. Aber wenn der andere Elternteil Unterhalt zahlt, darf er die Hälfte des Bonus davon abziehen. "Echte Entlastung" hingegen wäre nach Dürrs Ansicht unter anderem eine Senkung der Einkommensteuer.

Update vom 17.08.2020, 10.40 Uhr: Wann können Familien mit dem Bonus rechnen?

Insgesamt werden den Familien 300 Euro ausgezahlt. Diese werden auf den September und Oktober aufgeteilt. Im September gibt es für die Familien 200 Euro zusätzlich zum Kindergeld. Im Oktober kommt schließlich eine zweite Rate mit den restlichen 100 Euro. 

Wann das Geld auf dem jeweiligen Konto eingeht, hängt von der Kindergeldnummer ab. Die Endziffer ist dabei entscheidend. Steht dort eine Null, ist man am 7. September dabei. Die Ziffern eins bis neun werden im September nach und nach von den Familienkassen ausbezahlt. In Deutschland gibt es insgesamt 18 Millionen Menschen, denen der Kinderbonus zusteht.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte den Funke-Zeitungen dazu: "Das ist für viele Familien eine willkommene Finanzspritze. Gerade in den Familien, die jeden Euro umdrehen müssen, macht der Kinderbonus die Entscheidung etwas leichter, für die Kinder doch etwas zu kaufen oder gemeinsam etwas zu unternehmen." Das helfe auch kurzfristig der Konjunktur. Für den Bonus hat die Bundesregierung Kosten von rund 4,3 Milliarden Euro veranschlagt.

Wie Sie die Corona-Soforthilfe bekommen

  • Wer bekommt den Kinderbonus?

    Grundsätzlich gilt, dass jedes Kind, welches die Berechtigung auf Kindergeld besitzt, den einmaligen Bonus in Höhe von 300 Euro bekommt. Der "Kinderbonus" wird gemeinsam mit dem Kindergeld ausgezahlt beziehungsweise überwiesen.

    Den Bonus gibt es zudem für ungeborene Kinder. Bedingung ist nur, dass das Kind spätestens am 31. Dezember 2020, um 23.59 Uhr geboren wird. 

    Auch über 25-Jährige erhalten den "Kinderbonus": Bedingung hierfür ist, dass sie sich noch in einer Ausbildung befinden. 

    Zudem erhalten auch Kinder, deren Kindergeldanspruch in den vergangenen Monaten seit Januar erloschen ist, die Corona-Hilfe. 

  • Wann können Eltern mit dem Kinderbonus rechnen?

    Der "Kinderbonus" wird im September und Oktober 2020 überwiesen. Das erklärte Bundesfamilienministerin Giffey im Anschluss an eine Kabinettssitzung und bezeichnete den Bonus als "wichtiger Teil im Konjunkturpaketes". 

    Zudem müssen Familien keinen extra Antrag für den "Familienbonus" stellen. Der Bonus sei für jedes kindergeldberechtigte Kind eingeplant. Der Bonus wird in zwei Raten überwiesen - sprich: 150 Euro mehr im September und Oktober. 

  • Kinderbonus schön und gut - aber wie wird Alleinerziehenden geholfen?

    Für alleinerziehende Eltern wurde der Steuerfreibetrag bereits von 1908 Euro auf 4000 Euro angehoben. 

  • Gibt es eine Anrechnung auf Arbeitslosen- oder Wohngeld?

    Nein gibt es nicht. Es gibt auch keine Anrechnung auf die Grundsicherung. Der "Kinderbonus" wird allerdings mit den Kinderfreibeträgen verrechnet, weshalb Familien mit hohen Einkommen am Ende nichts von der Zahlung sehen werden. 

Der "Kinderbonus" kostet Deutschland circa 4,3 Milliarden Euro. 

Kinderbonus sorgt für Lob und Kritik

Der Sozialverband "VdK" sieht den einmaligen "Kinderbonus" kritisch: "Der Kinderbonus wird verbrennen wie ein Strohfeuer",sagte die "VdK"-Präsidentin Verena Bentele der Rheinischen Post. Viel zielgenauer wäre es, nur arme und bedürftige Familien zu unterstützen, so Bentele. "Wenn der Kinderbonus im Sparschwein oder im Aktienfonds landet, verpufft der Konjunkturimpuls. Und wer echte finanzielle Sorgen hat, dem helfen 300 Euro gar nichts", erklärt die "VdK"-Präsidentin. 

Ministerin Giffey argumentiert hingegen, dass der "Kinderbonus" insbesondere Familien mit kleinen und mittleren Einkommen helfe. Der "Kinderbonus" sei sozial gerecht, so Giffey. Wie bereits angesprochen, profitieren Familien mit hohen Einkommen kaum vom Bonus. Für Familien mit einem Kind liegt die Grenze laut Angaben der Rheinischen Post bei circa 86.000 Euro Jahreseinkommen. Das geht aus Berechnungen des "Deutschen Steuerzahllehrinstituts des Bundes der Steuerzahler" hervor. Für Familien mit zwei Kindern liegt diese bei circa 90.000 Euro Jahreseinkommen. Das liegt konkret daran, dass besserverdienende Familien in der Regel den Kinderfreibetrag nutzen. Die Bundesregierung plant jedoch den "Kinderbonus" damit zu verrechnen. 

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tu/tl