Am Wochenende versammelten sich Tausende in Berlin, um gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Plakate, auf denen "Stoppt den Corona-Wahnsinn" oder "Corona-Diktatur beenden", wurden hochgehalten und Parolen, wie "Widerstand", skandiert. Die Maskenpflicht spielte dabei kaum eine Rolle: Der Großteil der Demonstrationsteilnehmer war ohne Mundschutz vor Ort, auch der Mindestabstand wurde meist ignoriert. 

Die Polizei löste die größte der Demonstrationen schließlich auf. Auf mehreren Veranstaltungen wurden Rede gehalten - unter anderem von drei Polizisten aus Bayern, die nun offiziell geprüft werden. 

Corona-Demo in Berlin: Polizisten im Fokus

Einer der Beamten stammt aus der Region: Bernd Bayerlein aus dem mittelfränkischen Weißenburg sprach für knapp eine Minute. "Für die Gerechtigkeit, für die Freiheit und für die Wahrheit" werde er sich einsetzen. Zudem rief er die Demonstranten dazu auf, an einer weiteren Corona-Demo in Nürnberg am kommenden Wochenende (4.-6. September 2020) teilzunehmen. Bayerlein hatte bereits in den vergangenen Monaten auf diversen Veranstaltungen die "drastischen Maßnahmen" in der Corona-Krise kritisiert. Begründungen für seine Kritik lieferten mehrere Ansätze von Verschwörungstheoretikern.

Neben Bayernlein traten in Berlin zwei weitere Polizisten aus Bayern auf: Karl Hilz aus München und Wolfang Kauth aus Augsburg. Der Journalist Robert Andreasch verbreitet Fotos davon via Twitter. Verschiedenen Medienberichten zufolge laufen gegen die drei Redner teilweise interne Ermittlungsverfahren bei der Polizei. 

In der Landespolitik schlugen die erneuten Auftritte bereits am Wochenende hohe Wellen. Die SPD kritisierte die Vorfälle scharf. "Mit großer Bestürzung habe ich die gestrigen Bilder aus Berlin wahrgenommen. Besonders erschrocken bin ich jedoch über die Meldung, dass auch Polizeibeamte aus Bayern an der Demo teilgenommen haben sollen. Während Rechtsextreme, Demokratiefeinde und Reichsbürger das Reichstagsgebäude stürmen wollten, sollen die besagten bayerischen Beamten vor Coronaleugnern und Verschwörungsideologen ihre Reden gehalten haben. Das ist höchst alarmierend", sagte Florian Ritter, SPD-Landtagsabgeordneter. 

Auch auf Bundesebene griff die SPD die Reden der bayerischen Beamten auf. Michael Schrodi, sozialdemokratischer Bundestagabgeordneter für Dachau, äußerte sich via Twitter.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann reagierte bereits am Sonntag (30. August 2020) darauf: "Polizisten außer Dienst und auch noch im Ruhestand unterliegen der Treuepflicht und müssen bei politischer Betätigung die notwendige Mäßigung und Zurückhaltung zeigen." Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur

Vor allem, wenn es sich um Reichsbürgerideologie handele oder wenn Betroffene im extremistischen Milieu anzusiedeln seien, "werden wir alle Hebel für harte Sanktionen in Bewegung setzen", so Herrmann. Hier habe die Meinungsfreiheit von Polizisten - auch im Ruhestand - klare Grenzen. "Für so etwas fehlt mir jegliches Verständnis", so Herrmann. Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sich eher allgemein zu den Demonstrationen in Berlin: "In Deutschland kann jeder sagen, was er möchte. Aber Symbole der Rechtsextremen vor dem Reichstag sind ein Rückfall in dunkelste Kapitel unserer Geschichte. Hier sollte man nicht nur körperlichen, sondern auch geistigen Abstand wahren", so Söder. Der Polizei dankt er für den Einsatz vor Ort. 

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tu