Am 26. September 2021 ist es so weit: Deutschland wählt einen neuen Bundestag. Und bereits jetzt ist sicher: Die Zeit von Angela Merkel als Bundeskanzlerin wird enden. Nicht nur potenzielle Nachfolger*innen bewerben sich dann um ihr Amt, vor allem kämpfen die Parteien um Stimmen, Sitze und damit Einfluss im dann 20. Bundestag.

Wer sich im Vorfeld der Wahl darüber informieren will, was die einzelnen Parteien denn so vorhaben, sollten sie die Möglichkeit dazu bekommen, kann dies im Wahlprogramm der jeweiligen Partei tun. Doch Vorsicht: Ob gewollt oder ungewollt – Lesevergnügen kommt beim Wälzen der meist über 100 Seiten langen Dokumente nur selten auf. Man hat den Eindruck, wenig Substanzielles soll mit zahlreichen Floskeln aufgefüllt und bis zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. 

FDP: Bus kommt von Business?

Die gute Nachricht: Manchmal hilft ein einfacher Blick auf Zahlen, um sich einen ersten Blick darüber zu verschaffen, wie wichtig bestimmte Themen den Parteien sind. Denn welche Begriffe Politiker*innen verwenden - und welche sie lieber vermeiden - sagt oft mehr über ihre Ziele aus, als ein Auftritt in einer Polit-Talkshow. So findet sich der Begriff „Islam“ beispielsweise 31-mal im Wahlprogramm der AfD, bei den anderen fünf im Bundestag vertretenen Parteien insgesamt zusammen nur 22-mal. 

Hingegen sagt die AfD deutlich weniger zum Thema öffentlichen Nahverkehr: Nur einmal kommt der Begriff "Bus" vor, "ÖPNV" und "Nahverkehr" findet sich gar nicht. Von "Bahn" ist immerhin 7-mal die Rede - wenn auch 6-mal davon nur im Zusammenhang mit der "Autobahn".  Ähnlich ist das Bild bei der FDP: Auch die sprechen wenig vom öffentlichen Nahverkehr. "ÖPNV" und "Nahverkehr" sucht man im Wahlprogramm der Liberalen vergebens. Immerhin 7-mal kommt hier "Bahn" vor. Im Gegensatz zur AfD ist hier aber nicht die Autobahn gemeint, sondern von "bahnbrechender Lösungen durch New-Space-Unternehmen" und einem "Weltraumbahnhof".  Und auch der Begriff "Bus" findet sich bei der FDP zweimal - allerdings nur als Wortteil von "Business".

Bei den Grünen kommen die Begriffe ÖPNV, Nahverkehr und Bus immerhin 26-mal (12-mal ÖPNV / 4-mal Nahverkehr / 10-mal Bus), allein 38-mal "Bahn" - wobei auch hier teilweise von "Lebensbahnen", "bahnbrechenden" Technologien oder "Kulturbahnhöfen" die Rede ist. Am häufigsten verwendet die Linke die Begriffe, nämlich 100-mal (45 / 18 / 21 / 16). CDU/CSU verwendeten die drei Wörter 30-mal (16 / 8 / 2 / 4), die SPD immerhin noch 20-mal (11 / 0 / 4 / 5). 

Klima ist nicht gleich Klima - und Steuer nicht Steuer

Bedeutender ist bei allen sechs untersuchten Parteien jedoch das Thema Klima - insbesondere natürlich für die Grünen, die insgesamt 274-mal vom "Klima" schreiben. Auch bei der Linken (157-mal), der SPD (67-mal), CDU/CSU (91-mal) und FDP (58-mal) kommt der Begriff "Klima" verhältnismäßig häufig vor. 

Dass allein die Zahl der Nennung aber noch nichts über die politischen Ziele aussagt, beweist hier die AfD. Auch sie spricht insgesamt 40-mal vom "Klima" - allerdings meist im Zusammenhang von "Klimahysterie" und Fehlentwicklungen in der "Klimapolitik". 

Ein ähnliches Bild bietet sich beim Thema "Steuern": Hier liegen die Linke mit 191 Nennungen vorne - gefolgt von der FDP, die 134-mal von Steuer spricht. Jedoch haben beide eine völlig konträre Richtung: Während es den Linken beispielsweise um das "Trockenlegen von Steueroasen" geht, spricht die FDP gerne von "Steuererleichterungen" oder "negativer Gewinnsteuer" für Unternehmen. 

Der Blick in die Wahlprogramme: mühsam aber wohl notwendig

Die genannten Beispiele zeigen, dass man auch mit einer einfachen Wort-Zählung einiges über die Inhalte und Ziele der Parteien lernen kann. Wer sich aber wirklich mit den politischen Zielen der Parteien auseinandersetzen will, kommt wohl nicht um das zugegeben anstrengende Studium der Wahlprogramme herum. 

Wer es möchte, findet die Wahlprogramme der Parteien unter folgenden Links:

 

Gut zu wissen für die Bundestagswahl 2021: