München
ÖPNV

Bayern: 365-Euro-Ticket für Schüler und Azubis - Söder plant ÖPNV-Revolution

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will günstige Jahrestickets im Personennahverkehr für Schüler und Azubis möglichst bald einführen. Der Start soll in einem Pilotgebiet erfolgen. Die fränkische Metropole Nürnberg gilt als möglicher Kandidat für das Projekt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ministerpräsident Söder und Verkehrsminister Reichhart hatten zu einem Spitzentreffen von Staatsregierung, Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden zur Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs eingeladen. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Ministerpräsident Söder und Verkehrsminister Reichhart hatten zu einem Spitzentreffen von Staatsregierung, Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden zur Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs eingeladen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Ein attraktiveres ÖPNV-Angebot für Städte und das flache Land gleichermaßen - unter dieser Maßgabe kamen gestern die bayerische Staatsregierung und die kommunalen Spitzenverbände zu einem ÖPNV-Gipfel über mögliche künftige Konzepte für den Nahverkehr in Bayern zusammen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte dabei an, dass es in einem ersten Schritt möglichst schon ab Herbst dieses Jahres 365-Euro-Jahrestickets für Schüler und Auszubildende geben soll.

Nürnbergs Oberbürgermeister übt Kritik - vorerst soll attraktives ÖPNV-Jahresticket eingeführt werden

Zwei Drittel der entstehenden Kosten würde der Freistaat übernehmen. Während Landkreispräsident Christian Bernreiter das Treffen positiv bewertete, hatte es zuvor auch kritische Stimmen vonseiten des Städtetags gegeben. Dessen Vertreter, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), hatte vor dem ÖPNV-Gipfel Skepsis gegenüber Flatrate-Angeboten wie einem 365-Euro-Jahresticket geäußert. Weil dann derjenige, der über 60 oder 70 Kilometer in eine Stadt pendle, genauso viel zu zahlen hätte wie derjenige, der nur den jeweiligen Stadtverkehr nutze. Maly favorisiert deshalb eine entfernungsabhängige Komponente und eine Belohnung der Vielfahrer.

In einer gemeinsamen Zehn-Punkte-Erklärung erklärten sich die Staatsregierung und die kommunalen Spitzenverbände bereit, zunächst ein attraktives ÖPNV-Jahresticket für Auszubildende und Schüler einzuführen. Gestartet werden sollte zunächst in einem Verbundgebiet als Pilotregion. Wo genau das sein wird, ist noch offen. Seit Januar gilt Nürnberg als möglicher Kandidat.

Ab 2030: Jahresticket für jedermann - Lücken im öffentlichen Nahverkehr sollen geschlossen werden

Als Zeithorizont für ein etwaiges Jahresticket für jedermann habe man weiterhin das Jahr 2030 im Auge. Zumindest für die Städte München, Nürnberg/Fürth/Erlangen, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt und Würzburg hat die schwarz-orange Staatsregierung im Koalitionsvertrag ein solches Jahresticket versprochen.

Die Teilnehmer des Spitzentreffens waren sich darin einig, dass der ÖPNV auch qualitativ besser werden müsse, durch mehr Linien, eine bessere Taktung sowie schnellere Expressverbindungen bei Bus und Bahn vom flachen Land in die Städte, mit denen Lücken im öffentlichen Nahverkehr geschlossen werden sollen.

VGN-Vertreter bewertet Ergebnisse als zu wenig konkret und Auswirkungen noch nicht absehbar

Ein Sprecher des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) reagierte zurückhaltend auf die Ergebnisse des Münchner Gipfels. Die seien einfach noch zu wenig konkret, mögliche Auswirkungen, zum Beispiel auf das bisherige VGN-Ticketsystem, nicht absehbar.

Inge Aures (SPD) forderte den Ministerpräsidenten auf, nicht nur zwei Drittel des 365-Euro-Tickets für Schüler und Azubis zu übernehmen. "Das wird insbesondere arme Kommunen an ihre Grenzen bringen." Sebastian Körber (FDP) beklagte, die Verkehrsinfrastruktur hinke seit Jahren dem Bedarf hinterher. Mit dem 365-Euro-Ticket werde kein einziger Meter Schiene gebaut.

Markus Büchler, verkehrspolitischer Sprecher der Landtags-Grünen, hieb in die gleiche Kerbe. Der öffentliche Nahverkehr müsse nicht nur billiger, sondern besser werden. "Günstige Tickets sind gut, nützen aber wenig, wenn Busse und Bahnen schon jetzt überfüllt sind oder gar nicht fahren", so der Grünenpolitiker.

Lesen Sie auch auf inFranken.de: 365-Euro-Jahresticket für Nürnberger Nahverkehr - CSU will Stadt zur Pilotregion machen