Markus Söder als Kanzlerkandidat der CDU 2021? Beim Besuch von Angela Merkel zu einer Sitzung des Bayerischen Kabinetts weigerte sich Markus Söder, ein Plakat zu unterschreiben - "Markus Söder Kanzlerkandidat? Ja" war darauf zu lesen. Aber das gäbe nur Ärger, meinte der Ministerpräsident.

Dennoch steht die Frage weiterhin im Raum: Kommt Söder als nächster Kanzler infrage? Hier sind fünf Gründe, die dagegen sprechen.

1. Söder ist momentan sehr beliebt - aber auf Dauer?

Nach aktuellen Umfragewerten ist Söder unter den Wählern mit Abstand der Favorit: Laut ZDF-Politbarometer halten ihn 64 Prozent für einen geeigneten Kanzlerkandidaten. Doch Umfragen sind nur Momentaufnahmen. Erst die Corona-Krise hatte dem CSU-Chef diesen Höhenflug beschert und sein Image auch über den Freistaat hinaus verbessert. Bis zur tatsächlichen Entscheidung, wer für die Union um die Kanzlerschaft ins Rennen geht, sind es noch mehrere Monate - es kann sich also noch einiges verändern.

Außerdem hat Söders Image auch seine dunkle Seite: Noch vor zwei Jahren, war er der unbeliebteste Ministerpräsident Deutschlands. Bayerischen Politikern wird in anderen Bundesländern oft eine gewisse Arroganz vorgeworfen - auch Bayerns Sonderweg in der Corona-Pandemie kann auf diese Weise gedeutet werden. Söders offenkundige Kritik an Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und möglicher Kanzlerkandidat der CDU, bestärkt diesen Eindruck, auch innerhalb der Partei. 

Dass Söder gerne mal die Ellenbogen ausfährt, ist bereits bekannt. Gegen seinen Vorgänger Horst Seehofer soll er immer wieder gestichelt haben - "Schmutzeleien", wie Seehofer es nannte. Auch über Parteigrenzen hinaus gilt Markus Söder als berechnend, "ein Politiker, den die Lust an der Macht antreibt" wie der Spiegel ihn zuletzt betitelte. Dieser Ruf könnte Söders Chancen auf die Kanzlerkandidatur durchaus schaden.

2. Söder hat Unterstützer in der CDU - die Konkurrenz auch

Um als Kanzlerkandidat der Union infrage zu kommen, braucht Markus Söder Rückhalt in der CDU. Einige politische Größen der Partei haben sich bereits für den CSU-Chef ausgesprochen, aber was ist mit der Konkurrenz?

Armin Laschet ist Vorsitzender des größten Landesverbandes der CDU und obwohl er durch die Corona-Pandemie zunehmend in die Kritik gerät, wurde er lange Zeit als Favorit gehandelt. Er tritt zudem im Team mit Jens Spahn an, der als Gesundheitsminister in der Krise eine recht gute Figur abgegeben hat. Mittlerweile scheint es auch möglich, dass Laschet sogar Spahn den Vortritt lassen könnte, er also nicht als Laschets Stellvertreter, sondern selbst als Vorsitzender für die CDU kandidiert.

Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz hat im Osten von Deutschland viele Unterstützer und auch die Konservativen der CDU in Baden-Württemberg tragen Sympathien für Merz. Norbert Röttgen werden dagegen höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Der Außenpolitiker gab vor Kurzem bekannt, dass er eine mögliche Kandidatur Söders unterstützen würde, was ihm jedoch Pluspunkte bei der CSU einbringen könnte.

3. Deutschland hatte noch nie einen Kanzler aus der CSU

Bayerische Politiker sind, wie bereits erwähnt, im Rest von Deutschland eher weniger beliebt. Auch die Geschichte ist in diesem Sinne nicht auf Söders Seite: Bisher hat es in Deutschland noch kein CSU-Politiker bis zum Kanzler geschafft. Immerhin stellte die Union zweimal einen Kandidaten aus der CSU zur Wahl auf:  1980 war es Franz Josef Strauß und 2002 Edmund Stoiber

Die Demonstrationen der linken Szene, insbesondere die Buttons mit der Aufschrift "Stoppt Strauß", sorgten 1980 für Aufsehen. Strauß verlor gegen den amtierenden Helmut Schmidt. Auch "Stoppt Stoiber" war 2002 auf Buttons zu lesen, dennoch polarisierte er in der Öffentlichkeit weit weniger. Zu Beginn wurden ihm sogar äußerst gute Chancen auf den Posten zugerechnet, letztendlich blieb Gerhard Schröder aber im Amt. Stoibers politische Karriere ging wenige Jahre später zu Ende. 

4. Kanzlerkandidatur und CDU-Vorsitz gibt es eigentlich nur im Doppelpack

Der wohl wichtigste Grund, wieso die Union so selten einen Kanzlerkandidaten aus der CSU aufstellt, ist die alteingesessene Tradition der Partei: Wer die Wahl zum Parteivorsitzenden gewinnt, wird auch Kanzlerkandidat. Für Merz, Laschet und Röttgen geht es deshalb auch vorrangig um die Positionierung innerhalb ihrer Partei, als Beliebtheit in der Bevölkerung. 

Auch wenn Söder sich in der Öffentlichkeit als vermeintlicher Spitzenkandidat für die Kanzlerschaft darstellt, kann er nun mal nicht Vorsitzender der CDU werden. Er käme erst dann infrage, wenn der Vorsitz auf die Kandidatur verzichtet.

5. Söders Platz ist in Bayern

Es ist seine Standardantwort auf die Frage nach einer möglichen Kanzlerkandidatur: "Mein Platz ist in Bayern." Schon bei Edmund Stoiber zeigte sich, das Berlin einem bayerischen Ministerpräsidenten zum Verhängnis werden kann: Er sollte als Wirtschaftsminister in Angela Merkels Kabinett, überlegte es sich dann doch anders. Dieser Rückzug galt als Anfang vom Ende seiner politischen Laufbahn.

Markus Söder wird sich als Stoibers Generalsekretär wahrscheinlich gut daran erinnern und seine Chancen auf die Kanzlerschaft sorgfältig abwägen. Viele Umstände bleiben jedoch unsicher: Wer wird der nächste Vorsitzende der CDU? Wie entwickeln sich die Umfragewerte der Union und von Söder selbst? Wie entwickelt sich die Corona-Krise?

Es scheint widersprüchlich, dass sich der CSU-Chef sich als idealer Merkel-Nachfolger inszeniert und gleichzeitig darauf beharrt, in Bayern bleiben zu wollen. Laut Experte ist es aber gut möglich, dass Söder das Kanzleramt erst für die nächste Wahl 2025 anvisiert, wenn sich die Lage stabilisiert hat und seine Erfolgschancen besser kalkuliert werden können. Es würde auch zu seinem strategischen Charakter passen.

Eine Tatsache, die sich nicht ändern wird, ist jedoch die Abhängigkeit seiner Kandidatur vom CDU-Vorsitz. Verzichtet derjenige auf seine Kandidatur zum Kanzler, wäre Söder ein Option - wenn die CDU ihn darum bittet. Stehen Merz oder Laschet an der Spitze, ist das aber unwahrscheinlich.

Fazit: Markus Söder konnte in der Corona-Krise Sympathien sammeln, es ist jedoch nicht sicher, wie lange sich dieses Image halten wird. Die bayerische Arroganz, die im Rest der Bundesrepublik in der Regel den Ministerpräsidenten und auch sonstigen Politikern des Freistaates zugeschrieben werden, können ihm immer noch zum Verhängnis werden. Auch die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie kann seine Beliebtheit ins Schwanken bringen. Ob Söder kandidiert oder nicht, hängt aber hauptsächlich von der CDU ab. Seine Sticheleien gegen Parteikollegen, werden ihm dabei wenig helfen. Sollten Armin Laschet oder Friedrich Merz die Wahl zum CDU-Vorsitzenden gewinnen, stehen die Chancen schlecht, dass sie Söder die Kandidatur überlassen werden. Der CSU-Chef wird außerdem nur ungern antreten, solange ihm der Wahlgewinn nicht sicher ist. Eine Kandidatur von Markus Söder 2021 scheint damit unwahrscheinlich.

Wieso ist Markus Söder überhaupt als Kanzlerkandidat im Gespräch? Diese Gründe sprechen für ihn als Nachfolger von Angela Merkel.